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Der Israelit · 1868-01-08 · Heft 2 (8.1.1868) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 2 (8.1.1868)
Date
1868-01-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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24 Herrscher von Tombutku, dessen zweitgeborener Cohn ich bin, zu überbringen." Dann ließ er sich auf ein Knie nieder und überreichte den Brief. Der Kaiser hob den Prinzen auf, nahm de» Brief und übergab ihn seinem Geheimschreiber Egbert. Dieser erbrach die Siegel, las dain lateinischer Sprache abgefaßte Schreiben und berichtete dann den Inhalt desselben: „König Kaschmeta, der Herrscher des in Asia gelegenen großen Landes Tombutku, entbiete dem deutschen Kaiser seinen Gruß. Er sende ihm seinen zweitgebornen Sohn Bilhard, der ein großer KriegSheld und dabei in den Wissenschaften sehr erfahren sei. Sr zweifele nicht daran, daß der Kaiser ihn in seinen Diensten, sei es im Frieden oder im Kriege, verwenden könne. Der König wünsche, daß Bilhard seinen bleibenden Aufenthalt in Deutschland nehmen möge, da er mit seinem altern Bruder, dem Thronerben, sich nicht gut vertrage. Er empfehle ihn daher der Gnade des Kaisers und bitte diesen, die beifolgenden Geschenke entgegenzunehmen." Und der Prinz winkte dem Herold, und dieser ging hinaus und brachte für de« Kaiser eine goldene Rüstung und für die Kaiserin ein kostbares Perlenhalsband «nd für die Prinzessin ein Riechfläschchen aus einem einzigen Rubin gearbeitet und gefüllt mit den köstlichsten Wohlgerüchey Indiens. Der Kaiser umarmte den Prinzen und hieß ihn willkommen an seinem Hofe. Dann aber schilderte er mit tiefer Betrübniß seine traurige Lage. „Cs fehlt uns Alles," so schloß der Kaiser seine Schilderung, „namentlich fehlt es an Geld, die Söldner zu bezahlen. Meine Gattin und meine treuen Diener Verzweifeln schier, und nur der ungebrochene Muth meiner Tochter Bertha hält uns noch aufrecht. Ihr seid zu böser Stunde an meinen Hof gekommen, Prinz Bilhard." „Vielleicht," entgegnete der Prinz, „hat mich die Vorsehung gerade zur gelegenen Zeit zu Euch gesandt, auf daß Euch in mir ein Helfer erstehe in den Tagen der Roth. Herr, Ihr klagt über Mangel an Geld und besitzt doch unermeßliche Schätze!" ,,/,Jchd"" fragte erstaunt der Kaiser, und alle Anwesenden traten näher an Bilhard heran, die Lösung des Räthselwortes erwartend. Dieser aber ergriff des Kaisers Hand und führte den bedrängten Herrscher an das Fenster. „Gnädiger Herr," sprach er dann, „seht Ihr diesen großen Berg, den Grenzwächter gleichsam des mächtigen Harzgebirges? An seiner Form und an der Bildung seines Gesteines erkennt der Kundige leicht, daß er voll ist edler Silbererze. Noch versteht man es in Deutschland nicht, die edleü Metalle auf dem Schooße der Erde ans Tageslicht zu fördern. Ich aber habe einige geschickte Erdarbeiter in wtnm Gefolge. Erlaubt, daß sie mit der Arbeit drinnen, und in kurzer Zeit werdet ihr des edlen M-talleS habe« in Hülle und Fülle." Gern ertheilte der Kaiser die Ertaubniß, und die dem angeblichen Prinzen dienstbarm Dämonen begannen mit rasender Schnelligkeit, Schachte» anzulegeu und Silberadern aufzuspüren. Alles strömte herbei, um den niegesehenen Arbeiten zuzuschauen. Auch der Kaiser war zugegen. Mit Vergnüge« blickte er auf die flinken Arbeiter. „Wie die rammelr!" sagte er, und von da a« nannte man den Namen des Berges: „Rammelsberg." Hei, gab das lustige Arbeit für die kaiserliche« Schmelzer und die kaiserlichen Münzpräger! Und weit und breit erscholl die Kunde von den ungeheure« Schätzen, die dem Kaiser ergiebig gemacht waren, und herbeiströwten die Söldner, und herbeieilten die bisher schwankenden. Vasallen, und an der Spitze des rasch gesammelten Heeres stellte sich Prinz Bilhard und brach die festen Burgen der Aufrührer und nahm die widerspenstigen Grafen und Ritter gefangen. Die mußten dann Urfehde schwören und mit ihren Mannen daS Heer des Kaisers verstärken. Die mächtigen Herzoge des Reiches aber hatte« sich zusammengethan und den Herzog von Schwabe« -u», GegöNkontg erkoren. Bald standen sich die feindlichen Heere gegenüber. War das eine mörderische Schlacht! Der Kaiser selbst hatte zwar de« Oberbefehl übernommen, aber die Seele des kaiserlichen Heeres war Prinz Bilhard. Seine Dämonen trugen ihn i« das dichteste Schlachtgewimmel, wendeten jeden Speer von seinem Leibe, hielten jeden Schwertstreich ab undfingen die Pfeile auf, die nach ihrem Herrn flogen^ Von Bilhards Hand fiel der aufrührerische Herzog von Schwaben, der Gegenkaiser. Bald war die Schlacht zu Gunsten des Kaisers entschieden, das Heer der Empörer war theils vernichtet, theils in die Flucht geschlagen und die mächtigen Herzöge von Bayern und- Böhmen sandten Boten und ließen um Gnade bitten. Mit der einen Schlacht war ganz Deutschland dem Kaiser erobert; noch auf dem Schlachtfeld belohnte dieser den Prinzen Bilhard mit dem Herzogthume des gefallenen Gegenkaisers. Auf dem Mmer in Frankfurt am Main schwuren die reuigen Fürsten Urfehde , und der Kaiser befahl, daß sie sich rüsten sollten zum Römerzuge. (Fortsetzung folgt.) Hierzu eine Beilage. VG^ Mit Nr. 3 erscheint eine „Wissenschaft!!. Beilage". Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Ronx'schen Höfbuchhandlung. — Dampf* Schnellpreffendrnck von I. GottSleben in Mainz.

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