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Der Israelit · 1868-01-08 · Heft 2 (8.1.1868) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 2 (8.1.1868)
Date
1868-01-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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22 die Varianten des TrartatS Berachvth und der ganzen Ordnung Eeraim nebst einer herrlich geschriebenen Einleikrmg und einem bibliographischen Berichte über die verschiedenen Ausgaben des Talmuds nach Erfindung der Buchdruckerkunst bis zum gegenwärtigen Stande. Nur einem Gelehrten, wie Herr Rabbinowicz es ist, der fast den ganzen Inhalt des babylonischen Talmuds im Kopfe hat, der mit sicherer Klarheit einzudringen weiß in die noch so dunkeln Gänge dieseweiten Gebiets, konnte es gelingen, dieses grandiose Werk herzustellen, das die vollste Anerkennung verdient. Während dieser erste Band durch die Unterstützung der Gemeinden zu Frankfurt a. M., Hannover und Hamburg, vorzüglich aber auch durch die hochherzige Opferfähigkeit eines Mäcen's, des Herrn Mdrzbacher in München, möglich geworden ist, hat sich hier ein Comitö gebildet, um Herrn Rabbinowicz in der weiteren AuSfiihrung dieses Werkes kräftig zu unterstützen. Schön heißt es in dem von Zunz geschriebenen Aufrufe: „Je größer die Leistung des Verfassers ist, desto größer wird der Anspruch an uns, ihm in seinem Thun zu helfen; wir dürfen über die Liebe für Israels Alterthümer und den Ausbau feiner Wissenschaft nicht den Arbeiter, nicht über Vergangenheit und Zukunft den Gegenwärtigen vergessen." — Mögen wir recht bald im Stande sein, den erfreulichsten Bericht über das Resultat dieser Bestrebungen zu geben. riv-r Berlin, den 27. Dec. Der Abg. Harkort hat, als Commissär des Abgeordnetenhauses für diesUnterrichtsverwattung, die Staats*egierung um Auskunft darüber ersucht: wann die jüdischen Schulen die längst erbetenen Corporationsrechte erhielten? worauf die Antwort erfolgte: „Den jüdischen Schulen überhaupt Corporationsrechte zu ertheilen, wird nicht beabsichtigt." Aus Glvgau wird nachstehender Vorfall gemeldet : Als in vergangener Woche Generalmarsch geschlagen wurde und die allarmirte Garnison aus allen Enden und Winkeln der Stadt mit militärischer Hast zusammenströmte, da geschah es, daß ein Mann durch eine Abtheilung Kavallerie überritten wurde, und, mit Schmutz bedeckt, auf dem Straßenpflaster besinnungslos liegen blieb. Ein menschenfreundlicher Offizier hatte den Unglücklichen kaum bemerkt, als er auch sofort einen Arzt zur Hilfeleistung herbeirief. Der Stabsarzt, Herr vr. Blaß, erschien, betrachtete den Verunglückten und that, auf Grund der Form der Nase de- Verunglückten — (derselbe hatte eine etwas markirie gebogene Nase) — den Ausspruch: „Ist ein polnischer Handelsjude! Man bringe ihn in das jüdische Spital!" — Und es geschah also: Vier Mann lüden den Besinnungslosen auf ihren Schultern und brachten ihn in's jüdische Hospital. Hier wurde er von Schmutz und Blut gereinigt und sorgfältig behandelt, bis er, zur Freude des Arztes, wieder zur Besinnung kam. „Wo bin ich?" fragte er erstaunt seine Wärter. — „Im jüdischen Hospttalel" — „Aber, mein Gott, wie komme ich hierher?" — Man erzählte ihm, was vorgefallen sei, und daß man ihn als Juden hieher dirigirt habe. Der Patient lächelte trotz seiner Schmerzen und schüttelte abermals den Kopf. „Sind Sie kein jüdischer Handelsmann?" fragte der Arzt. Der Patient schüttelte abermals den Kopf. „Run wer sind Sie denn?" — „Ich bm der Rittergutsbesitzer und geh. LegationSrath Jordan!" war d« Antwort. Der Herr Rath soll sich berettS auf dem Wege der Befferung befinden und keinesfalls darüber ärgerlich sein, daß er, seiner Nase wegen, in die Hände jüdischer barmherziger Pfleger gerathen ist. Oesterrerchischer Kaiserstaat. Wien, 27. Dec. An der gestern vorgenommenen Gemeindewahl für den Vorstand der tsraelit. Kultusgemeinde betheiligten sich 581 Wähler. Gewählt wurden: Moriz Ritter von Goldschmidt, Moriz Pollak, Jakob Brandeis, Jonas Ritter von Königswarter, Emanuel Biach, Sigmund Hirschler, Arminio Cohn, vr. Marx Engel, Dr. Leop. Kompert, Dr. Jgn. Kurandch, Gustav Ritter von Epstein, Wilh. Frankl, I. W. Gutmann, vr. Albert Matzel, Paul Schiff, vr. Adolf Neustadt, vr. PH. Mauthner, Anton Biug. In die engere Wahl, welche nächsten Sonntag stattfindet, kommen die Herren Karl Schlesinger und vr» v. Hofmannsthal. Herr Szanto ist durchgefallen. Frankreich. Pari-, 29. Dec. Man meldet den in der verwicheneu Rächt erfolgten Tod des Hrn. Furt ad o, Chef des Bankhauses Fould und Cie. und Schwagers des verstorbenen FinanMinisters Achille Fould. Herr Fourtado war der Schwiegervater des vor einigen Jahren verstorbenen Hamburger Bankiers Karl Heine; feine Enkelin Paula Heine, eine der reichsten Erbinnen Europas, hat sich kürzlich mit einem Adjutanten des Kaisers, dem Herzog von Elchingen, vermählt. (Die Frau Herzogin von Elchingen war keine leibliche Enkelin Furtado's, sondern nur die Pflegetochter des kinderlos verstorbenen Carl Heine; dieselbe ist nicht jüdischer Abstammung, sondern von katholischen Eltern geboren und wurde auch in diesem Glauben erzoaeru) Herr Fmtado selbst gehörte noch dem jüdischen Glauben an, er war Mitglied des israelitischen Confistoriums von Frankreich. Sein Vater hatte im Jahre 1607 in dem von Napoleon I. einberufenen Sanhedrin den Vorsitz geführt. Paris. Es fteut uns, die guten und brüderlichen Gesinnungen eines Israel. Verlegers mittheileu zu können. Wie der „Figaro" schreibt, wollte Herr Michael Levy ein neues Werk, den Roman „ein junge

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