Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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13 leine Ackerbauer geworden sind. Sie haben das Glück gehabt, von Palästina in ein Land zu kommen, das sich des Anbaues lohnt, aber wir, während achtzehnhundert Jahren gehetzt wie wilde Thiere, hatten nicht daS Recht, Haus und Feld zu besitzen und nun sagen Sie mir, wie konnten wir Ackerbauer werden? Er: Sie haben darin Recht, aber ich erstaune nur, daß noch Niemand von ihnen den Versuch gemacht hat, den Ackerbau dort einzuführen. Unter so vielen Vortheilen würde sich diese Masse von Exporteuren, Händlern, Maklern, Handwerkern glücklicher fühlen, wenn sie ruhig und rechtschaffen einige Ruthen Erde bebauen könnten. Ich: Glauben Sie denn, es sei bei uns in dieser Hinsicht noch Nichts geschehen, wir haben in mehreren Städten Schulen eröffnet, in denen Kinder zu ehrlichen und arbeitsamen Handwerkern herangebildet werden. Er: Das ist eine vortreffliche Idee, aber warum haben sie keine Ackerbauschule? Sie bilden Handwerker heran, warum keine Ackerbauer? Ich: Das ist sehr einfach; wenn der Handwerker seine Lehrzeit beendigt hat, so kauft man ihm Handwerksgeräthe für 10 Frs. und so mag er ferner sich selbst ernähren; aber ein Ackerbauer hat vor allen Dingen Feld, ein paar Ochsen, Ackergeräthe nöthig, und woher soll man dies viele Geld auftreiben? Er: Wieviel Israeliten wohnen in Frankreich? Ich: 100,000. Er: Meines Wissens-haben sie eine Münze genannt, Franc, wovon ca. 25 auf ein englisches Pfund Sterling gehen. Ich: Ganz richtig. Er: Glauben Sie, daß jeder französische Jsraelite außer dem, was er für den Cultus bezahlt, jedes Jahr einen Franken zahlen könnte? Ich: Das macht etwas mehr wie 11/2 Sou per Monat. Ja, ich glaube. Er: Glauben Sie, daß man diese Subscription in fünf nacheinanderfolgenden Jahren erheben könnte? Ich: Wenn das Consistorium, die Rabbinen, die Präsidenten und die Gemeinden helfen würden, könnte man dies. Er: Gut. Mit 500,000 Frauken gründen Sie ein Institut für den Ackerbau, einstweilen für 20 Schüler. Das Capital würde nicht nur für alle Ausgaben hinreichen, sondern auch noch ermöglichen, dem Austretenden einen Fond mitzugeben. Ich grüße Sie, geehrter Herr, mit ausgezeichneter Achtung. Ihr A. Stempfel. (Arch. Jsr.) F e n i l l t t o i». Der Gefangene. Eine wahre Geschichte, von dem Helden derselben selbst ausgezeichnet. Mitgetheilt von E. darmoly. I. Prolog. Hirsch Frankel, Du Mann der Leiden, wie ein Riese stehst Du da! Du littest viel mit Geduld, und erhabner als ein Held ist der Dulder. Du wanktest nie in schweren Stunden, auf dem Meere der Leiden steuertest Du wacker vorwärts. Wegen eines Buches — angeblich ein Zauberbuch, — warst Du zu lebenslänglichem Gefängmß verurtheilt. Umringt von Finsterniß und Todesschatten, Hände und Füße in eiserne Ketten geschmiedet, ertrugst Du das Unerträgliche. Bon Frau und Kindern getrennt, in steter Angst und Sorge um sie, bliebst Du ein Mann wie selten einer. Dein edler Geist erhob sich gar wunverbar über alle Stürme, über alles Wüthen. Du lasest die Psalmen David's nach seltener Art, Du forschtest und erklärtest sie, wie Wenige sie noch lasen und verstanden. Mit zerknirschtem Herzen batest Du um Kraft, treu und ergeben bie Leiden zu ertragen. Ganz in Gott lebend, schwang sich Deine Begeisterung bis in die Geisterwelt. Du sähest Traumgesichter und eine höhere Stimme, die Stimme eines Maggid's ertönte in Dir. O! Da war es hell in Deiner Seele, so hell, so licht wie die himmlische Klarheit, welche Dich von allen Seiten umgab. Ein seliges Vergessen aller irdischen Schmerzen hatte sich Deiner bemächtigt und Du warst selig. Der heiße Wunsch, Deinen Kindern ein Bermächtniß Deiner Hand zu hinterlaflen, stürzte Dich jedoch in die Wirklichkeit zurück. Aber die Zeit Deiner Befreiung näherte sich. Eine plötzliche Ueberschwemmung der Schwabach löste Deine Fesseln. Du gingst unbeschädigt aus dem Kerker. Einmal auf freiem Fuße, bliebst Du auch frei. O, sprich, was sollen diese Jammertöne hier in der freien Luft? „81$ J Kraftfülle, Begeisterung, erhabene Stimme, Alles, Alles hat mich beim Ausgang aus dem Thurm verlassen! Nun bin ich ein muthloser, gebeugter, alter Mann."