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Der Israelit · 1868-01-01 · Heft 1 (1.1.1868) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 1 (1.1.1868)
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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10 Israeliten sprechen; Letzterer meint, man könne warten, bis der Bund intervinire, und nur der Gewalt weichen (es ist also mehr Ehre, sich zu einer unvermeidlichen Sache erst zwingen zu lassen) v. Oertzen-Kotelow fürchtet, ein Jude könne Bürgermeister werden, wogegen Herr Syndikus Meier-Rostock, derselbe, der auf dem vorigen Landtage feierliche Verwahrung gegen etwaige Touchirung gewährleisteter Rechte einlegte, nicht einsehen kann, warum ein Jude nicht eben so gut Bürgermeister in Rostock wie in London sein könne. Außer ihm sprechen die Bürgermeister Karrig, Pichle und Hermes für die Juden. Herr Landrath v. Rieben will, da keine abweichenden Ansichten vorhanden seien (sehr parlamentarisch, die in demselben Augenblicke vernommenen Ansichten der Herren Bürgermeister auf solche Weise zu ignorircn!) den Majoritatsbericht (eine Majorität muß doch auch eine Minorität bedingen, und doch spricht der Herr Landrath in demselben Athemzug von einem „Majoritätsberichte" und von „keiner dissentirenden Ansicht"!) per Acclamation zum Beschlüsse erheben. Herr Pogge-Blankenhoff weist auf die abweichende Ansicht schon im Comit^berichte hin und dringt auf Abstimmung, damit dem Bundespräfidium Gelegenheit zum Einschreiten gegeben werde und damit es sich zeige, wie wenig Stände geneigt seien, sich den neuen Verhältnissen zu fügen. Landrath v. Rieben: Herr Pogge wolle, daß Stände sich prostituiren. Pogge: der Herr Landrath habe kein Recht seine Worte anders zu deuten als sie gesprochen seien. Aus Interesse für das Land wolle er die Stimmenzahl constatiren. Die Herren v. Oertzen Kotelow und Graf v. Bernstoff wollen Herrn Pogge von der Abstimmung abbringen, dieser besteht aber darauf und wird der Majoritätsbericht mit 84 gegen 21 Stimmen angenommen. Herr Bürgermeister Pohle trägt aus Separat-Erklärung der Landschaft an; nach kurzer privativer Berathung erklärt diese mit 22 gegen 14 Stimmen, gemeinsam mit der Ritterschaft zu verhandeln. Die Sitzung dauerte gegen drei Stunden. Wie schon von andrer Seite ausgesprochen, vermuthen auch wir, daß dieser Beschluß Veranlassung zu neuen Beschwerden geben wird. Wir können auch nicht umhin, von einer Debatte aus dem Mecktenb. Landtag Notiz zu nehmen, die in der Sitzung vom 20. December anläßlich der Sonntazsfeier geführt wurde. Da verlangte die Minorität em Gesetz, das den siebten Tag ohne alle Ausnahme zur Ruhe nach dem Buche Mosis bestimmt. In unserer R^chbargemeinde Hamburg hat sich von Neuem gezeigt, wie das in der dortigen großen Gemeinde noch vorherrschende Element eine entschieden orthodoxes ist. Vorigen Mittwoch, den 18. d. M. fanden nämlich die Repräsentantenwahlen statt, wobei es sehr eifrig herging und von den Neologen die größten Anstrengungen gemacht wurden, ihre Candidaten dnrchzubringen. Man benutzte sogar den Eingang zur Börse zu Wahlagitationen; aber auch die Orthodoxen blieben nicht unthätig, und ihren Bemühungen konnte es bei dem vorherrschend religiösen Sinn der Gemeindemitglieder nicht schwer werden, den Sieg auf ihre Seite zu haben. Der größte Theil der aus der Urne hervorgegangenen, waren Candidaten der Orthodoxen; ihren Gegnern gelang es nur einige dnrchzubringen. Gewählt wurden als Repräsentanten die Herren: vr. H. B. Levy, Siegmnnd Marburg (Firma M. M. Marburg u. Comp.), John Alfred Israel, S. H. Levy (Firma Gebrüder Abronsohn) und als Ersatzmänner: HH. Simon A. Goldzieher, L. S. Bunzl, Elias Philipp, (Firma Philipp u. Rüben), D. S. Goldschmidt und Moritz Wolf. Der rühmlich st bekannte Philologe vr.Jacob BernayS, Professor an der königl. Universität *u Bonn, ein Sohn des früheren Oberrabbiners der deutsch - iörael. Gemeinde zu Hamburg, wurde von Seiten der Göttinger kngl. Gesellschaft der Wissenschaften zum Correspondenten der historisch-philosophischen Classe ernannt. Ueber das Hamburger Witzblatt „Wespen," von Herrn Julius Stettenheim redigirt, wird wahrscheinlich em Prozeß entstehen. Hr. Stettenheim will nämlich das Blatt als sein Eigenthum nach Berlin verlegen, wogegen der Verleger Herr O. Meißner sein Verlagsrecht behauptet und es hier fortsetzen will. Ein ähnlich eigenthümlicher Prozeß wird gegen die Wittwe Meierb?er's anhängig gemacht werden. Ein Herr Blaye de Bury hatte nämlich ein Drama mit Chören geschrieben, zu welchem Meierbeer die Musik componirte, die ganz fertig instrumentirt in seinem Nachlaffe sich vorfindet. Da er nun aber in seinem Testamente den Wunsch ausgesprochen hat, daß keine seiner Compositionen nach seinem Tode neu einstudirt und aufgeführt werde, verweigert Mdm. Meierbeer auch diese Chöre. Herr Blaye de Bury, der nur in Aussicht des Erfolges mit Meierbeer und auf Veranlassung dieses Letzteren sein Drama geschrieben, wird nicht dulden, daß Mdm. Meierbeer ihn verhindere, sein eignes Werk aufzuführen. Wie es scheint, hat Herr Stettenheim mehr Aussicht auf einen glücklichen Ausgang seines Prozesses als Mdm. Meierbeer. 'V? rrao v-r. Österreichischer Kaiserstaat. Wiem. Bor einigen Tagen wurde aus Eperies berichtet, daß einige Exzedenten aus den Kreisen der Akademischen Jugend einen dortigen Israeliten. Simon Wollner. gröblich miß handelt,m Wie nun neuerdings von dort geschrieben wird, ist der arme Mann in Folge der erlittenen Verletzungen gestorben und wurde derselbe am US. d. M. beerdigt. Das beklagenswerthe Ereigniß hat in allen Kreisen der

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