Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1868-01-01 · Heft 1 (1.1.1868) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 1 (1.1.1868)
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447343-2447345--05768-2461291
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

7 bereits von der französischen Regierung geschehen ist. Nachdem der französische Consul den Direktor zur Ausdauer ermuthig* hatte, gab der Gouverneur der Stadt, Herr Hurschid-Pascha, die Versicherung, daß er diese Schule mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln unterstützen werde. Die Ceremonie schloß mit einem zu Ehren der „Alliance" verfaßten Liede. In den Pausen spielte eine Militärcapelle, die der Divisionsgeneral bereitwilligst zur Verfügung des Comitä's der Schule gestellt hatte. Palästina. Jerusalem. Vis vor kurzer Zeit war es mit großen Gefahren verbunden, durch den Hauran (eine auf der Westseite des Jordans gelegene Provinz, nach der heil. Schrift die Länderstrecken, welche den 21/2 Stämmen sRLuben, Gad und dem halben Stamme Menasse^ zum Besitzthum gegeben worden,) zu reisen, denn fast immer wurden die Reisenden von Räubern und herumschweifenden Beduinen überfallen. Von nun an wird es leicht sein, die Reise zu unternehmen. Dies verdankt man einer von der türkischen Regierung unternommenen militärischen Expedition. An der Spitze von 10,000 Soldaten, die von Syrien dorthin geschickt wurden, stehen der General-Gouverneur der Armee von Syrien, Reschid - Pascha, und der General- Major der Armee von Arabistan, Dervisch - Pascha. Diese Armee hat zur Mission, die Sicherheit des Landes herzustellen, die Karawanen und Reisenden gegen die Angriffe der Beduinen zu schützen. Man hat das Schloß Salt, eine alte griechisch-römische Citadelle, die nahe bei Rabbat-Ammon (5. B. M. 3, 11) liegt, befestigt. Die drusische Bevölkerung hat sich dem Durchzug der Expedition günstig gezeigt, keine Opposition gemacht und die ihr auserlegten Steuern ohne Schwierigkeit bezahlt. (Arch. Jsr.) Feuilleton. Ier Kaöalist. (Eine Sage.) I. In einem düstern Hause der uralten Stadt Worms saßen im einsamen Erkerzimmer zwei junge Leute. Bor ihnen lagen aufgeschlagen zwei geschriebene Folianten, Tractate des Talmuds; aber die Gedankt der beiden jungen Männer waren nicht bei dem Studium. „Jakob," sagte der jüngere von Beiden, ein blasser Jüngling von achtzehn Jahren, „Jakob, mein Bruder, ich warne dich ernstlich. Eine böse Macht wohnt in deiner Brust, die dich verderben kann. Unterdrücke den Dämon des Ehrgeizes. Du weißt, was die Weisen sagen: Wer der Ehre nachjagt, vor dem fliehet sie!" „„Heißt das überleben,"" entgegnete der Andere, ein hochaufgeschossener junger Mann mit kühnen blitzenden Augen, der etwa zwei Jahre älter sein mochte als sein Gefährte, „„heißt das leben, wie wir unsere Tage verbringen? Tag und Nacht brüten wir über dem Talmud, haben kaum Brod und Salz zu effe», kaum ein Gewand unsere Blöße zu bedecken." „Also," unterbrach ihn der Jüngere, „ist der Weg der Thora: Brod mit Salz sollst du essen..."" „„Du hast die Sprüche der Väter gut inne, mein Joseph,"" sprach lachend Jakob. „„Doch laß das, du weißt, ich kenne sie so gut wie du, mein lieber Stubengenosse. Ich aber habe dieses Leben satt; ich will genießen wie andere Menschen auch. Bin ich etwa schlechter als die Grafen von Dalburg, die das Land umher beherrschen? Warum soll ich huagern und dürsten aui Gottes schöner Erde, während Jene schwelgen? Warum soll ich, der ich so Vieles gelernt habe, arm und verachtet leben, während rohe und unwisiende Ritter und Grafen die hochgeehrten Herren sind? — Nein ich will leben, leben in Ehre und Pracht, in Macht und Reichthum!"" „Und wie willst du das Alles erlangen?" „„Unser Rabbi soll mir die Mittel dazu gewähren!"" „Unser Rabbi?" „„Ja, gerade er! Er hebt mich vor Allen, weil ich fern befähigtster Schüler bin; ich werde ihn bitten, daß er mich in die Kabalah einweihe, und hat er mich eingeweiht, so werde ich mein Wissen benützen, und mir verschaffen, wonach mein Herz gelüftet!"" „Jakob, Jakob, thue das nicht! Du weißt, ich liebe dich wie einen Bruder; ich verehre in dir meinen Genoffen, ja, meinen Lehrer, denn du bist mir überlege» an Jahren und an Kenntnissen! Aber gerade darum laffe dich warnen, wolle die heilige Wissenschaft nicht zu selbstsüchtigen Zwecken mißbrauchen — es kann dir das nur zum Verderben gereichen!" „ „Sei kein Thor, Joseph! Gehe du vielmehr mit mir zum Rabbi. Vielleicht weiht er uns Beide ein in die Geheimwissenlchaft."" „Ich? nimmermehr! Ich strebe nicht nach Verborgenem. Das Verborgene ist dem Ewigen, unserm Gotte! Ich will nur das geoffenbarte Gesetz erforschen und mir zu eigen machen; das ist unser Leben und die Länge unserer Tage." „„Nun gut, so bleibe Du bei deinem Talmud; hungere und dürste wie bisher; ich verschaffe mir die Mittel zum Genüsse, bahne mir die Wege zu Ehre und Ansehen!"" l

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.