Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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5 Bon den verzinslich angelegten Beiträgen zu obengenanntem Zwecke, sollen gesund- und bestgelegene Bauplätze angekauft und darauf nach und nach mittelgroße Häuser, je nach Berhältniß mit 4 bis 6 Wohnungen gebaut werden. Der hiefür eingehende jährliche Zins soll zur Restauration u. s. w. sowie zum Anbau der dabeiliegenden Gärtchen verwendet, und ebenso von den Inwohnern jährlich eine beliebige große Summe am angekauften Hause, beziehungsweise Wohnung abbezahlt werden. Diese in ihrem Wesen in der That unberechenbar wohlthätige Anstalt, trage den Namen: „König Maximilians II. Denkmal." Durch sie erhielten Tausende von Arbeitern u. s. w. Verdienst und Nahrung, kämen die Kapitalien in Cirkulation, und ließe sich nach und nach unbewohnter und unfruchtbarer Boden kultiviren. Berlin. Im preußischen Abgeordnetenhause sind jetzt vier Israeliten. Es sind diese die Herren Dr. Jacobi, Lasker, Dt. Kosch und Marburg. In der Sitzung am 21. November hatte Letzterer mit noch anderen 81 neu eingetretenen Abgeordneten den üblichen Eid abzulegen. Herr Marburg erhob seine drei Finger nicht, wie dies von den christl. Abgeordneten zu geschehen pflegt. Als hierauf gerufen wurde: „die Finger ausheben," antwortete er: „Ich kann nicht anders schwören, ich bin ein Israelit". (N. Weekblad.) Köln, 23. Dec. Heute fand eine Wahl von principieller Bedeutung in unserer Stadt statt, indem es sich darum handelte, ob ein Jsraelite oder ein Candidat der katholischen Partei in der engeren Wahl für das Stadtverordneten-Collegium durchgesetzt werde. Von beiden Seiten leistete man, was nur zu leisten war, die Wähler aus ihren Häusern an den Wahltisch zu bringen. Bis 5V» Uhr war der Kaufmann Wilh. Hertz, Candidat der Israeliten und des Handelsvereins, im Vorsprunge; dann aber gewann der Kaufmann Th. Wolff eine geringe Majorität und blieb in derselben. Von 718 Wählern gaben 351 dem W. Hertz und 367 dem Th. Wolff ihre Stimme. Es haben über 58 pCt. der Wähler ihre Stimme abgegeben und die Israeliten dürfen mit dem Resultate trotz ihrer Niederlage gewissermaßen zufrieden sein. Buer. (Weftphalen.) Vor einigen Tagen feierte Hieselbst das Ehepaar Weinberg seine goldene Hochzeit. Bei der religiösen Feier hielt;der Lehrer und Prediger I. Gossel zu Melle und Buer die Festrede, welche allgemeinen Beifall hatte; er sprach über die dahingegangenen Jahre des glücklichen Jubelpaares, über ihre Erinnerungen an Freud und Leid, ihre lebenden und schon verstorbenen Kinder, ihre Hoffnungen für die Zukunft und ihre Befürchtungen. — In einem kleinen Gedichte schilderte er die Flüchtigkeit der Jahre. — Das Fest verlief in ungetrübter Freude, welche noch erhöht wurde durch Glückwünsche von nah und fern. Alton«, den 28. Dezember. Unsere Stadt, die größte in Schleswig-Holstein, über 60,000 Einwohner zählend, hatte einen Abgeordneten in das preußische Abgeordnetenhaus zu wählen, und hat als ihren Vertreter mit großer Majorität einen Juden, den Herrn Obergerichtsadvocaten Marburg, gewählt; gewiß ein erfreuliches Zeichen von Toleranz, zugleich aber auch von der Ehrenhaftigkeit des Gewählten. Solche hat Herr Marburg auch jüngst wieder bewährt. Bei seinem Eintritt in die Kammer der Abgeordneten hatte er mit vielen Neueintretenden, worunter er der einzige Jude war, den Verfassungseid zu leisten. Die Eidesformel hat nun zwar für den Juden nicht Anstößige-, wohl aber die Art des Eides, wie solcher gewöhnlich geleistet wird, da ihn Christen mit Erhebung von 3 Fingern als Zeichen ihres Dreieinigkeitsglaubens schwören, was natürlich der Jude nicht kann. Als daher Herr Marburg bei Ableistung desselben die Hand nicht erhob und einige Stimmen ihn anriefen, dieses zu thun, antwortete er: „Ich kann nicht anders schwören, — ich bin Jude," denn hätte er die ganze Hand erhoben, eine Form, welche weder Juden noch Christen bei Eidesleistungen kennen, so wäre dieses doch eine Täuschung und sicher nicht ehrlich gewesen. Die Berliner Blätter der entgegengesetzesten Richtungen, die National- und die Kreuzzeitung regifteriren das Faktum auch nur einfach ohne weitere Bemerkung; wahrscheinlich weil sie das Richtige des Verfahrens würdigen. Die allgemeine Zeitung des Judenthums ist jedoch anderer Meinung hierüber. Sie kanzelt diesen Ehrenmann derb 'ab, wirft ihm größere Unwissenheit in der heiligen Schrift als die eines eoangel. Dorfknaben vor, weil er ohne Erhebung der Hand geschworen, und somit sein Judenthum nicht auf die eine oder andere Weise verleugnet hat. Ich enthalte mich eines jeden Commentars, frage aber, wie ein solches Blatt die Stirne haben kann, sich als Vertreterin des Judenthums zu geriren? E. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, den 25. December. Ihre geschätzte Zeitschrift veröffentlichte vor einigen Monaten ei« „Wiener Sittenbild" aus den niederen Volkskreisen. Wie schlimm es hier j doch selbst in solchen Kreise» bestellt ist, wo gute Sitte und Tugend heimisch sein sollten, mag das Factum beweisen, daß der Cantor an der Synagoge in der Leopoldstadt. Herr G o l d st e i u, seines Amtes hat entsetzt werden müssen, weil. — meine Feder sträubt sich dagegen, den Skandal niederzuschreiben. Heute melden die hiesigen Zeitungen, daß die junge Dame, eine Engländerin, welche mit dieser An-