Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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4 Geehrt von ihrem Manne und unbedingte Herrscherin im Hause, gewinnt dieses unter ihrem Walten ein recht patriarchalisches Ansehen. Ihre Theilnahme an des Mannes Treiben beschränkt sich aber nur auf das Haus; von seinem Geschäfte und seinen Verhältnissen hat sie nicht die geringste Kenntniß; daher stammt auch der Mangel an Sparsamkeit bei den orientalischen Frauen. Unbekannt mit den Sorgen und Plagen ihres Mannes, versteht sie es nicht, den Werth des Geldes zu schätzen, und das stete Gebanntsein an das Haus hat Müffiggang und Putzsucht zur Folge. Letztere hemmt natürlich den materiellen Wohlstand der Familie. Der Müssiggang kann keine anderen Laster erzeugen, da durch ein inniges Zusammenleben jederlei Vergehen vorgebeugt ist. Darin sind unsere orientalischen Brüder denn doch zu loben, denn bei ihnen herrscht wahre jüdische Sittlichkeit, und hat die europäische Corruption r?"a deren Heiligkeit noch nicht anrühren können. Darum wachet auch weiter, ihr jüdischen Mütter im Orients, wachet über die Sittenreinheit eurer Kinder! Glücklich die arme Mutter, welche in der größten Noth ihr Kind nicht aus den Augen läßt, aus Furcht, das Brod, welches die Tochter ihr verdient, möge ihrem ehrlichen Namen Schmach bringen. Zu bedauern ist nur die krasse Unwissenheit der spaniolischen Frauen; die Mädchen wachsen heran ohne den geringsten Unterricht, und dies allein hat die Frau fast zu einer Sclavin herabgewürdigt. Sie ist es zwar noch nicht ganz bei den Spaniern, wird es aber im vollsten Sinne bei den Arabern. Unbegreiflich ist der wechselseitige Druck zwischen Mann und Frau; bei den Spaniern herrscht sie unbeschränkt im Hause; der Mann ist sclaoisch daran gewöhnt und hütet sich wohl, seine Frau daran zu verhindern. Er leidet dort ihren Einfluß gerade wie der arabische Jude sich gezwungen fühlt, den Capricen seines putzsüchtigen Weibes zu willfahren. Dem Manne wie der Frau fehlt es an Gefühl, an klarer Erkenntniß der wechselseitigen Verpflichtungen, was sich durch das zu frühe Heirathen erklären läßt. Die Unwissenheit der Frau wirkt wiederum schädlich auf die Erziehung der Kinder, die sie nicht einmal eine .-,212, einen Segensspruch lehren kann, wiewohl sie allein mit der Heranbildung der Kinder betraut ist. Es ist jedoch Zeit, daß ich von der allgemeinen Characterschilderung abgehe und Ihre Leser vor Allem mit dem orientalischen Gemeindewesen vertraut mache. Darin liegt der gordische Knoten. Hier ist der Einfluß der äußeren politischen Gestalt des osmanischen Reiches stark verspürbar. Die Willkür bildet die Basis der jüdischen Administrationen, an deren Spitzen entweder Keiner oder Alle stehen. Sie werden diese Angabe lächerlich finden, auch ich hielt es für einen Scherz, als man mir in manchen Gemeinden erklärte, es gebe dort keinen Parnaß, während in andern zehn Personen mir als Vorsteher genannt wurden. Gönnen Sie mir ein wenig Aufmerksamkeit und Sie werden die Wahrheit meiner Angaben erkennen. (Forts, folgt.*) Isch meouschar. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. □ München, im Dez. Mit Bezugnahme auf meine Mittheilung in Nr. 49 des vorigen Jahrgangs Seite 803 das Nationaldenkmal für Seine Maj. den höchstseligen König Maximilian II. von Baiern betrff. und dem darin gegebenen Versprechen gemäß, hierauf zurückzukommen, erlaube ich mir den geehrten Lesern dieses Blattes auch den Vorschlag des Hrn. Commissionsbureauinhabers S. L. Skutsch aus dessen Eingabe mitzutheilen. Der Text derselben lautet mit Hinweglassung des Eingangs und des Schlusses, wie folgt: „Kaum dürfte das Andenken unseres leider zu früh uns entrissenen Lanoesvaters besser geehrt und erhalten werden, als durch eine angemessene, großartige Wohlthätigkeits-Anstalt. Zu^diesem Zwecke wage ich es allerehrfurchtsvollst, an den Stufen des^ Thrones Ew. Königl. Majestät als Vorschlag die allergnädigste Erfüllung eines tiefgefühlten Bedürfnisses niederzulegen, die nicht nur im Interesse der ganzen ärmeren Klaffe, sondern auch noch mehr der Beamten und Angestellien, vorzüglich der Wiltwen und Waisen, und ganz besonders des Arbeiterstandes ist. Mein allerunterthänigster Vorschlag bezielt, wie ich bereits im Jahre 1848 in meiner Preisschrift, 1861 an die Kammer der Abgeordneten, und 1862 an Se. Maj. den höchstseligen König Maximilian II. Selbst ehrfurchtsvollst darzulegen versucht: die Herstellung billiger und gesunder Wohnungen im ganzen Lande und nach dem Plane der Augsburger Fuggerei, gegen billigen Zins und in der Weise, daß der Miether nach und nach Eigenthümer werde, so daß er ein Obdach finde, wovon er weder vertrieben , noch worin er gesteigert werden kann, — und zwar soll diese Wohlthat erwiesen werden ohne Unterschied der Religion. *) Anm. der Red.: Wir ersuchen unfern geehrten Correspondenten um recht baldige Fortsetzung.