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Der Israelit · 1867-12-25 · Heft 52 (25.12.1867) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 52 (25.12.1867)
Date
1867-12-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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905 gleich sein soll. In der Sitzung vom 2. Dezember ging dieser zweite Entwurf an das Justizcomits und werden wir nicht verfehlen, seinerzeit über dessen Schicksal zu berichten. Erfreulicheres können wir heute von den Städten Rostock und Wismar melden. Diese Städte haben nämlich jetzt ihr altes Recht, Juden auszuschließen, aufgegeben. Neulich wurde auch ein Jude in den mecklenburgischen Advocatenstand ausgenommen. Wir Israeliten Deutschlands können mit der Gnade unseres unsichtbaren Gottes bald einer bessern Zukunft entgegensehen, denn auch beim eben versammelnden preußischen Abgeordnetenhause steht augenblicklich eine Petition zur Berathung, welche um vollständige Emancipation der Israeliten in Preußen bittet. Wie nicht anders zu erwarten, wird diese Petition ihren Zweck erreichen und dann wird das erste fallende Blatt von dem Baume des Vorurtheils, an dem durch diese Petition die Axt gelegt wird, der Eid more judaico sein, durch dessen Existenz unser Herr Rabbiner Adler erst vorige Woche wieder belästigt wurde, denn ein in dem nahe gelegenen Ratzeburg garnisonirender jüdischer Rekrut mußte extra hierher spedirt werden, um auf Requisition des dortigen Militärcommandos von unserem Rabbiner more judaico vereidigt zu werden. *) — Als ein würdiges Seitenstück zu der von uns in unserem vorigen Referate gemeldeten Decoration eines Kopenhagener Israeliten wegen seines Schweinefettes können wir das weitere Curiosium miltheilen, daß einem hiesigen israel. Chirurgen vor all' seinen zahlreichen christlichen Collegen das Geschäft eines Erbfeinds aller Trichinen, refp. das eines Schweinefleischbeschauers von der Medicinalbehörde verliehen wurde. Man sage nun, was man auch wolle, fein politisch bleibt diese Wahl doch immer, denn einen weniger parteiischen Richter über das Wohl oder das Wehe der Trichinen hätte man wohl schwerlich finden können, als in der Person eines völlig unbetheiligten Israeliten. Hoimy soit qui mal y pense. — In Hamburg verstarb kürzlich ein gewisser Isaak Heyman Levy, der letztwillig die Hamburger israel. Gemeinde und ihre Wohlthätigkeits-Jnstitute in reichlicher Weise bedachte. Er vermachte laut testamentarischer Verfügung dem jüdischtheologischen Collegium 375 Mark, dem deutsch-israel. Waisenhaus 1000 Mark, der Talmud-Thora-Schule 1250 Mark, dem Bekleidungsvereine der Talmud- Thora-Schule 250 Mark, dem Vereine zur Unterstützung *) Anm. der Red. : Die Schuld davon trägt doch auch der Rabbiner; er hätte es nur einfach verweigern sollen. Hier in Mainz, wo der Eid more judaico seit mehr als siebenzig Jahren nicht mehr existirt, wird kein preußischer Soldat nach demselben vereidigt, und zwar aus dem Grunde, weil es die hiesigen Rabbinen, die früheren, wie die jetzigen, die Reformer, wie die Orthodoxen, verweigert haben, einen solchen Eiv abzunehmen. Die preußischen Rekruten werden zwar zu einem der Rabbinen geschickt, damit dieser sie auf die Heiligkeit des Eides ausmerksam mache, aber dann werden sie, wie ihre christl. Kameraden, bei der Fahne beerdigt. armer Greife 250 Mark und dem israel. FeuenmgS- Vereine von 1855 — 250 Mark. — Österreichischer Kaiserstaat. Wien Bei Gelegenheit der Anwesenheit des Kaisers von Oesterreich zu Paris wurde nebst den bereits in diesen Blättern erwähnten Israeliten auch der Kleiderfabrikant Jakob Rothberger von Wien für seine in der Expedition ausgestellten Kleider mit dem goldenen Verdienstorden decorirt. (I. Ztg.) Wien. Der Gemeinderath Pollak hat wegen seiner Verdienste um die russische Abtheilung bei der Pariser Ausstellung den russischen St. Annen-Orden dritter Claffe erhalten. Nagy-K»roly (Szathemärer Com.), Ende November. Der zweite Vicegespan unseres Comitates, Herr Paul Domahidy, gab wieder einen Beweis seiner Toleranz, indem er den hiesigen Israeliten Ludwig Klein in die Reihe der Comitatscanzellisten ausgenommen. — Ob jedoch derartige Auszeichnungen zum Heile gereichen, müssen wir wohl in Zweifel ziehen, da man ja doch als Comitatscanzellist am Sabbat und an Feiertagen sich der Schreibens nicht enthalten kann! Nr. 46 dieser geschätzten Blätter brachte einen Bericht über eine Rabbinerversammlung in Suräny vom ehrwürdigen Herrn Oberrabbinen vr. HildeSh e i m e r mit der Bemerkung, daß nur Verhandlungen für pa stattfinden werden, und wahrlich können wir Herrn vr. H. zurufen: m n«nn Dun nr«, es war ihm wohl bekannt, daß es eine vorurtheilsvolle Presse gibt, weßhalb er die bewußte Bemerkung alsbald der Oeffentlichkeit übergeben. — Wir finden schon in einem der verbreitetsten ung. Organe ein wohlangebrachtes Gerücht. Dem liberalen „Magyarorszag" hat es gefallen, eine Correspondenz in die Welt zu senden, in der von der Suränyer Rabbinerconferenz gesprochen und der geehrten Versammlung in die Schuhe geschoben wird, daß sie Berathungen gegen die Emancipation gepflogen hätte! Es wundert mich, daß in diesen vielgelesenen Blättern von dem in Pesth erscheinenden „Magyar- Zsido" noch gar keine Erwähnung gemacht worden. Der verdienstvolle Redacteur, Herr Albert Farkas hat eine kräftige Feder. tüchtige Mitarbeiter, und beweisen schon die ersten zwei Nummern, daß dieses Blatt für das echte, wahrhafte, strenggläubige Judenthum viel Nutz- und Heilbringendes bringen wird. Das walte Gott! und dem wackeren Redacteur erflehe ich den himmlischen Beistand.*) _ Abraham Singer. *) Wir ersuchen die löbl. Redaktion des „Mag.-Sz.", da, wie wir vernehmen, derselbe theilweise in deutscher Sprache erscheint, um freundliche Zusendung der bisher erschienenen Nummern. — Red.

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