Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1867)
- Date
- 1867-12-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447291-2447342--05745-2461267- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
VHI Jahrgang. Beilage za Nr. 52 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Gericht. vroQL' min. Ein Erbauungsbuch für Israeliten an Sabbat, Festtagen und in besonderen feierlichen Momenten des Lebens. Von vr. B. I. Lipschütz; gesammelt, geordnet, mit vielfachen Zusätzen und Anmerkungen versehen und herausgegeben von S. Lipschütz. Hamburg, 5627. Selbstverlag des Verfassers. Ein ungemein wehmüthiges und überaus schmerzliches Gefühl hat uns bis jetzt von der Besprechung dieses vortrefflichen Buches zurückgehalten. Wir haben durch dasselbe die Kunde von dem frühen Tode des unserm Herzen zu theuern, über alle Maßen hoffnungsvollen Herausgebers erhalten. Wir vermochten lange nicht das Buch, das uns der Bringer dieser Schmerzenskunds gewesen, aufzuschlagen. Hören wir jetzt den verwaisten Vater, einen Heros der jüdischen Wissenschaft, am Schlüsse der Vorrede (in hebräischer Sprache) klagen: „Was beugst Du Dich, meine Seele, und jammerst in mir?" also spreche ich heute mit bitterem Gemüthe, da mein Sohn, der so groß war in der Thora, an Heiligkeit und guten Thaten, mein Sohn Samuel — das Andenken des Gerechten sei zum Segen — von mir hinweggenommen! Ach, er zählte erst 23 Jahre, da ihn Gott mir und der Welt entführte! Sein Leben hatte er der Thora und den Gottesgeboten geweiht und war tief eingedrungen in Talmud und Poßkim und in die andern Wissenschaften. Den babylonischen Talmud hatte er fast durchstudirt und in zwölf, theils alten, theils modernen Sprachen, war er bewandert. Jeder, der ihn kannte, bewunderte ihn — und nun ist dieses Gotteslicht erloschen und „Samuel ruht im Tempel des Herrn." Wenden wir unser von Thränen überströmendes Auge hinweg von der herzerschütternden Klage des Vaters und fügen wir nur hinzu, daß auch wir den so früh Dahmgegangenen persönlich kannten und diesen tiefen Kummer nur zu gerechtfertigt finden, praniPD pujn dp. Das Buch selbst zerfällt in zwei Abtheilungen, deren erste prim rinn heißt; diese enthält größtentheils Predigten. Der Verfasser, Herr vr. B. I. Lip schütz, ehemals Rabbiner in M. Friedland, dann Grh. Mecklenburgischer Landrabbiner in Schwerin, lebt gegenwärtig in Hamburg. Derselbe stammt aus einer der bedeutendsten Rabbinerfamilien, die große Koryphäen . unter ihren Ahnen zählt; sein Vater war der berühmte Danziger Rabbiner, Rabbi Israel Lipschütz W, Ver- I sasser des Mischnah-Commentars m«sn. Herr Dr. L. schließt sich seinen großen Ahnen würdig an; höchst bedeutend als talmudischer Gelehrter, hervorragend durch strenge Gesetzestreue und fromme Gesinnung, ist er nicht minder in den modernen Wissenschaften bewandert, und die uns vorliegenden Predigten gewähren uns ein lebendiges Bild des Verfassers; aus ihnen spricht fein unterrichteter, entwickelter, erfahrener Geist, der da aus dem tiefen Quelle des eignen Jchs die erhabendften Ideen schöpft, welche das Studium der Gotteslehre in ihm zur Reise gebracht hat. Die Diction ist eine wundervolle, manchmal hochpoetische, die Rhetorik eine überaus gewandte, und wenn wir uns die ernste, würdige Gestalt des Verfassers vorstellen, so dürfen wir wohl vermuthen, daß diese Reden, da sie gehalten wurden, einen mächtigen Eindruck hervorgebracht haben. — Jndeß spricht auch das geschriebene Wort aus diesem Buche uns zu Herzen. Aber vor Allem sind diese Reden belehrend. Da ist kein leeres Phrasengeklingel. Sie führen uns vielmehr tief ein in die Geheimnisse des Gotteswortes, beleuchten dasselbe durch die Aussprüche der Weisen, führen uns erkennbar vor die Wege der Vorsehung, lehren uns das Irdische mit richtigem Maaße messen, entschleiern uns die Verborgenheiten des eigenen Herzens, erweitern unsere Kenntnisse und wirken wohlthuend auf unsere Entschließungen. Der zweite Theil, bx'vv nu, enthält eine Reihe von Gelegenheitsreden. Auch diese sind eine Fundgrube der Belehrung. Da sprudelt's förmlich hervor; Bibelverse aus den verschiedensten Theilen von *•)" jn reihen sich ungezwungen aneinander, während aus ihnen die schönsten und herrlichsten Ideen entwickelt werden; da wird ein Ausspruch der Mischnah vorgesührt und zur Erläuterung desselben holt der Verfasser seine Hilfstruppen aus.-nin und mw, aus Tehillim und Maleachi, aus Kohelet und Schir Haschirim; und an diese wieder reihen sich die Midraschim und Agadoth, so daß das Ganze sich vor uns ausbreitet als ein wundervoller Kranz, in dem jede Blume besonders entzückt; aber die Farbenpracht des Ganzen und der Blumen köstlichen Dust — das Alles hat des Künstlers Hand so schön und prächtig gestattet. Möge das so wohlgelungene Werk dem ehrwürdigen Herrn Verfasser einigen Trost gewähren für den herben Verlust, der ihn betroffen; möge aber auch die Theilnahme des Publikums sich durch reichlichen Absatz bewähren. Bei dem großen Umfange, XXVII. und 609 Seiten, ist der Preis, 2 72 Thlr., wohl nicht