Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1867)
- Date
- 1867-12-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447291-2447342--05743-2461265- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
901 England. London. In einer der Depeschen des Sir Stattfort Northcots, welche ein Resume über die Mittel gibt, die anzuwenden sind, um die Expedition nach Abestynien vor allen Eventualitäten zu schützen, ist Folgendes zu lesen: Ich habe Kenntniß erhalten von einem Werke über die Falaschah's und die Kamants, versehen mit einem Vocabularium über die Sprache der Falaschah's. Das Werk ist von Herrn Martin Flad verfaßt und von Dr. Krapf veröffentlicht worden. Ich habe 200 Exemplare, die Sir R. Rapier übergeben werden sollen. Bei Beginn dieser Expedition ist es gut, den Ursprung und den Sinn dieser zwei Völkernamen zu kennen. Der erste bezeichnet Leute, welche jüdischen Ursprungs sein sollen und welche noch einige jüdische Religionsgesetze halten. Was die Kamants betrifft, die mit den Falaschah's auf gleicher Stufe stehen, so bekennen sie sich auch zu einzelnen jüdischen Doctrinen und sind wahrscheinlich desselben Ursprungs. Man vermuthet, daß der Ausdruck „Kamant" von den zwei hebräischen Wörtern Cam ant (wie Du) herkommt. Natürlich scheint dies eine Hypothese zu sein. Als man sie gefragt hat, welche Religion sie haben, sollen sie die Antwort gegeben haben: Oam ant. Man darf aber nicht vergessen, daß oie christlichen Abessynier auch einige Ceremonien angenommen haben, welche denen der "Juden gleich sind. (Arch. Jsr.) Afrika. Tunis. Kaum hatte die Cholera aufgehört, als eine Hungersnoth entstand Die Wohlthätigkeit unserer reichen Glaubensgenosien wird jetzt sehr in Anspruch genommen, da der Mangel an Brod bei den Armen immer größer wird. Aus einem dahier bestehenden Unterstützungsverein werden wöchentlich 7000 Frs. an die Armen vertheilt. Durch eine von edlen Männern veranstaltete Collecte wurden 6000 Frs. gesammelt. Möge UNs der Allgütige bald bessere Zeiten schenken! (Libanon.) Feuilleton. Die Verlassene. (Schluß.) vm. Die beiden Kaufleute aus P., Herr Wiesenborn und Herr Winterstein, waren im Begriff, das Hotel zu den vier Jahreszeiten, wo sie wohnten, zu verlassen, um sich nach dem Kurgarten zu begeben, als eine Droschke vor demselben Hötel vorfuhr. Winterstein erkannte sofort den im Wagen sitzenden Rabbiner. „Ei, Herr Rabbiner," rief er erfreut, „sollen wir die Ehre Ihres Besuches haben?" Unterdeß stand Wiesenborn wie erstarrt da; sein Auge haftete an dem Begleiter des Rabbinen. „Sebulon," rief er endlich, „bist Du vom Tode erstanden?" Jetzt faßte ihn auch Winterstein ins Auge. „Wahrhaftig," rief er, „vr. Sebulon oder dessm Geist! Sebulon, Sebulon, sollte es möglich sein?" „Winterstein, Wiesenborn! Freunde meiner Kindheit, seid Ihr es wirklich?" rief jetzt Sebulon — und in den Armen lagen sich die Freunde. Man ging in das Hotel zurück, in das Zimmer der beiden Kaufleute. Zuerst mußte Sebulon erzählen; er berichtete kurz die Leidensgeschichte, die wir bereits kennen. Dann Iheilten die beiden Kaufleute mit, was sie von Friederiken und deren verstorbenen Eltern wußten. Der Rabbiner hatte bis jetzt als stummer Zuhörer dagesesien. „Nunmehr," sagte er, „ist die Reihe an mir, zu erzählen; auch ich kann über diese Angelegenheit berichten." Mit gespannter Aufmerksamkeit hörten ihm die Andern zu, da er von dem weiteren Verlaufe der Geschichte, von Friederikens Reise, den Versuchungen, denen sie ausgesetzt war, ihrer Ueberwindung und endlich von dem Zutagetreten jener schändlichen Intrigue sprach, deren Opfer Friederike fast geworden wäre. Als der Rabbiner schwieg, fragte vr. Sebulon: „Und wo weilt mein armes Weib jetzt?" „„In meinem Wohnorte!"" entgegnete der Rabbiner. „O," rief Sebulon, „.schnell, schnell, führen Sie mich zu ihr." „„Gemach, mein Herr, ich muß die arme Frau erst vorbereiten! Fahren wir zusammen nach Hause. Sie und Ihre Freunde verweilen in ^meinem Studirzimmer. Ich laste unterdeß Ihre Frau rufen, rede mit ihr in meinem Empsangzimmer und werde dann sehen, was weiter werden wird-"" So geschah es denn auch. Als Friederike in das Empfangszimmer das Rabbiners geführt wurde, sagte er zu ihr: „Ich habe Sie rufen lasten, Madame, um Ihnen eine wichtige Mittheilung zu machen. Ich habe Nach-