Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1867)
- Date
- 1867-12-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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897 Wir können befriedigt auf die Resultate unserer Untersuchung zurückschauen; wir haben das System des Materialismus als ein in sich widersinniges in Nichts zerfallen sehen, wir haben die höchsten Wahrheiten als unser unveräußerliches Eigenthum errungen. Bist du uns, verehrter Leser, mit Aufmerksamkeit gefolgt durch diese so schweren und schwierigen Gedankenreihen, so habe Dank dafür; wir hoffen, daß dir die Mühe keine unbelohnte geblieben ist. Und nun noch wenige Worte zum Schluffe: Wir hielten es für unsere Pflicht, die vorstehenden, wiewohl streng wissenschaftlich gehaltenen Aussätze, an die Spitze des Blattes zu stellen, weil wir es für nothwendig hielten, die Aufmerksamkeit auch der Leser auf sie zu lenken, denen die wiffenschaftliche Beilage keine willkommene Lectüre bietet; wir haben uns hingegen bemüht, so populär zu schreiben, wie es bei dem die Zusammennahme der Denkkrast beanspruchenden Gegenstände nur irgend möglich war. Sollte nichtsdestoweniger mancher'Leser nicht habe folgen können, so mag er sich darob nicht grämen; es ist eben nicht nothwendig, daß Jeder das Höchste denkend erfaßt — die Thal, wie sie das gläubige Gemüth den Vorschriften unserer heiligen Religion gemäß übt, ist dasjenige, was Gott von uns fordert. Ihr aber, Ihr Männer und Jünglinge unseres Volkes, die Ihr vorgebt, dem Materialismus zu huldigen, Ihr Doctoren und Studenten der Medicin namentlich, die Ihr behauptet, aus den Naturwissenschaften das Gegenlheil unserer heiligen Religion erforscht zu haben, all Ihr Gebildeten und Halbgebildeten, die Ihr Euch und Andern einreden wollt, Ihr seied weit, weit hinausgekommen über das Kindesalter der Menschheit, das im Mosaismus sich darstellt — o, seid einmal aufrichtig und gestehet, nicht uns, nicht öffentlich, sondern Euch selbst in Eurem einsamen Kämmerlein, in dunkler Nacht, auf Eurer Lagerstätte, ob Euch denn wirklich die Philosophie, die Naturwissenschaft, die Bildung überhaupt zu den Gesetzesübertretern gemacht hat, die Ihr geworden seid, ob Euch die Naturwissenschaften oder irgend eine andere Wissenschaft überhaupt am Sabbat die brennende Cigarre oder die Elle und die Scheere oder die Comptoirfeder in die Hand drücken — oder-oder, ob es nicht vielmehr die gedankenlose Nachäffung, die Liebe zur Bequemlichkeit, das sinnliche Verlangen, die Sucht nach Erwerb und Genuß waren, die Euch zuerst zur Gesetzesübertretung getrieben — und erst hinterher mußte dann, wenn das Gewiffen schlug, die Wisienschaft gemrßbraucht werden, um die schlechte Thal zu beschönigen! Und ist dem so, so saget Euch die Wahrheit — nicht uns, Nicht öffentlich, sondern Euch selbst, in dunkler Nacht, so daß weder Ihr noch ein Anderer die! Rothe der Scham schaue, die dieses beschämende Ge-! ständniß Hervorrufen muß.und dann, fanget i noch einmal an, Euer angebliches System zu durch-! denken, aber unbefangen und frei von Porurtheil; und! dann leset noch einmal die vorstehenden Aufsätze, j Wir werden uns, wann diese Zeilen in die Oef-! fentlichkert gelangen, inmitten des Chanuka. Festes bej finden, jenes wundervollen Denkmals jüdischer Ge-! setzestreue; möge diese erhabene GesetzeStreue, dieses! unerschütterliche Bewußtsein der Gottangehörigkeit, diese; siegreiche Herrschaft des Geistes über den Stoff, un- I fer Eigenthum und unserer Kinder Erbtheil bleiben > immerdar. ' Zeitungsnachrichten nnd Eorvespon > denzen. Deutschland. München, 10. Dec. Der Reichsrath nahm den Gewerbegesetzartikel an, welcher die Freiheit des j Gewerbebetriebs sowohl den Inländern als den Ausländern ohne Unterschied des Geschlechts noch des! Glaubens einräumt. j München, den 14. Dec. In der heutigen! Sitzung des Hauses der Abgeordneten wurden die Art. > 1 bis 16 des Wehrgesetzes ohne besonders interessante j Debatte in der Fassung des Ausschusses angenommen j mit Ausnahme des Artikel 12, der von derzeitwei- > sen Befreiung von der Wehrpflicht handelt, wo eine! kleine Aenderung angenommen wurde, dahin gehend, j daß die Studirenden der Theologie sich durch ein Zeugj niß einer Universität oder eines L'yceums ausweisen und daß die Rabbinatskandidaten das ' Gymnasial-Absolutorium bestanden haben ' müssen. j Aus Hessen. Die Wahrheit, in deren Dienst i wir stehen, drückt mir heute die Feder in die Hand,! um einen eigenthümlichen Vorfall zu beleuchten, der > vor nicht langer Zeit viel von sich reden machte. Ich I würde denselben lieber der Vergessenheit anheimgegeben haben und erzähle ihn daher nur aus dem Grunde, weil ich nicht zugeben kann, wie man einem verdienst- I vollen und ehrenhaften Manne gerade in einem Falle! in der öffentlichen Meinung schaden will, in welchem! ihm jeder Biederdenkende nur Anerkennung zollen kann, i Herausgesordert hat mich die „Z. des Judenth" in einem kurzen aber bissigen Artikel, den ich des besseren Verständmffes willen hier cittren muß. In einer der jüngsten Nummern der erwähnten Zeitschrift liest man: „Aus Thüringen, im Nov. 1867. Wie weit die Hyperorthodoxie sich auch in unseren Tagen noch