Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1867)
- Date
- 1867-12-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Vm. Jahrgang. Beilage z« Nr. 51 des Zsraelit. geiturrgSnachrichten und Correspondenzen. Deuts chland. Aus dem Groß h. bad. Rabbinatsbezirke Gailingen. (Schluß.) Grrßherzoglicher Oberrath der Israeliten. j Carlsruhe, den 11. September 1867. | Nr. 767. D ^Religiösen Verhältnisse des Bej Krks-Rabbinals Gailingen betr.; Schon die ausführliche Darstellung an und für sich, sowie die treue und eingehende Schilderung aller in das religiöse Gebiet eingreifenden Verhältnisse des dortseitigen Nabbinats liefern uns von Neuem den erfreulichen Beweis, mit metdicm Ernste und mit welch löblichem Eifer die Hebung und gedeihliche Entwicklung eines sittlichen und religiösen Lebens dortseits an gestrebt wird. Der Inhalt dieser Darstellung weift aber auch die Thatsache' nach, daß dieses Streben durch schöne Erfolge gebohrt wird. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß die mit Takt und Gtwandtheit emrgsich, jedoch ohne Ucberstürzuna scrtgesktzttn Bestrebungen des Nabbinats dem vorgestcckttn Ziele, rämlich der Erhaltung eines sittlich religicstn Lebens in der ihm anvertrautcn Gemeinden immer näher zuführen werden, wie denn durch Beharrlichkeit und Auedcuer überhaupt, wenn nicht Alles, so doch stets Vieles erreicht werden kann. Bezüglich der einzelnen religiösen Verhältnisse ha- > ben wir zunächst mit Wohlgefallen zu eonstatiren, daß sich das Neligionsschulwesen dmchgehends in einem! wohlgeordneten Zustande befindet. In sämmtlichen! Schulen des Bezirks ist ein Fortgang, zugleich aber! auch die mit Eachkenniniß leitende Hand des Jnspec-! tors bemerkbar. Wir haben urs in den betr. Erlaffen j bereits über die einzelnen Schulen ausgesprochen, j Hier soll nur noch die erfreuliche Wahrrrthmm g erj wähnt werden, daß die Lehrer sich in materieller Bej ziehung wohl befinden. Es liefert dies den Beweis,! daß die betr. Gemeinden dcö wahre von dem vermeintlichen Jntereffe zu unterscheiden wissen, inbtm fie begreifen, daß eine dem Lehrer bewilligte Aufbesserung, welche; ihm eire möglichst sorgenfreie Thätigkeit ermöglicht, j als eine höchst nutzbringende Kapitalanlage zu betrach- > ten sei.! Daß für Vergrößerung und Verschönerung der! Synagogen Vieles theilweise mit großen Geldopfern geschehen ist, gereicht den betr. Gemeinden zur Ehre,! und zwar um so mehr, als die Israeliten ohnehin für ihren Cultus auch unter gewöhnlichen Verhältnissen Opfer zu bringen haben. Diese Opferfreudigkeit war indessen zu allen Zeiten eine hervorragende Tugend in Israel; sie bewährte sich selbst in den Zeiten schweren Drucks, und wird hoffentlich auch in unfern von dek Freiheitssonne so freundlich erleuchteten Tagen nicht verkümmern. Bezüglich der Frauenbäder vernehmen wir gerne, daß den Anforderungen der betr. Behörde, die lediglich aus Rücksicht für die Gesundheit getroffen worden, nach und nach entsprochen wird. Wir erwarten, daß auch in Constanz baldmöglichst ein Aebnliches geschehe. Nur durch zweckmäßige und möglichst freundliche innere Einrichtung diefer Frauenbäder kann die Erfüllung der damit zusammenhängenden wichtigen Religiorrsvor schrillen ermöglicht werden. Daß der Sinn für religiöse Stiftungen nicht erloschen rft, und die Stiftungscapitalien im Allgemeinen sich vermehrt haben, ist eine erfreuliche Thatsache. Durch diese Stiftungen wird neben der Erfüllung heiliger Pflichten der Pietät auch die Erreichung wohl-! tbätiger Zwecke angestrebt, in vielen Fällen aber auch , der Bestand religiöser Einrichtungen gesichert, welche! ohne diese Stiftungen gefährdet wären. Die Wohl- I tbätigkeits - Vereine oder sogenannten Bruderschaften! entziehen sich zwar und mit Recht der Aussicht unsrer! Behörde- Gleichwohl haben wir von dem Bestände > derselben in dem dortseitigen Bezirke mit Vergnügen! nähere Kenntniß genommen, wie wir überhaupt die! enlgereichte Schilderung als einen Beitrag zur geschichtlichen Darstellung von Religionsverhältnissen der Gegenwart dankbar anerkennen. Der Ministerial Commissär: gez. M. Frey. gez. Allmann. Carlsrrihe, den 10. Dec. Für die Leier Ihres geschätzten Blattes dürfte es nicht ohne Interesse sein, zu vernehmen, daß der durch feine gehässigen Auslassungen gegen das Judenthum aus einer der jüngsten Nummern bekanntgewordene Staatsanwalt R..., bei der bad. Regierung um feine Entlassung eingekommen ist. Die Motive zu diesem Schritte will man in einer Versetzung des Herrn Staatsanwalts nach Offenburg, die für ihn ein bedeutender Rückschritt gewesen wäre, finden. Da derartige Rückschritte bei Beamten nur dann Vorkommen, wenn sie der Negierung mißliebig geworden oder durch irgend eine unbesonnene Aeußerung