Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1867)
- Date
- 1867-12-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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881 ten dampfet 700 Dollar (1750 fl.) für die armen Juden der vier Hauptstädte Palästinas geschickt. Auch wir haben eine beträchtliche Summe bei Privatleuten gesammelt und dorthin gesendet. Es läßt sich in Wahrheit sagen, „Jerusalem ist nicht vergesien und dessen Arme sind nicht vernachlässigt." Portland. (Oregon.) Zufolge erhaltener Mittheilung aus Portland, wurde daselbst, alsobald nachdem man die traurige Nachricht von dem großen Unglücke, ^welches besonders über unsere armen Glaubensgenosien in New-Orleans durch die Heftigkeit des gelben Fiebers hereingebrochen ist, eine Versammlung abgehalten, in welcher die Herren Dr. Eckmann und Dr. Schwab in beredten Worten zur thatfächlichen Unterstützung aufforderten. Eine SubscriptionSliste wurde eröffnet und ein Comite ernannt, welches nun auch die Summe von 1100 Dollar (2760 fl.) zusammenbrachte. Ein schönes Zeugniß von dem Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenoffen in Portland. (Hebrew.) Feuilleton. Die Kertafferre. (Fortsetzung.) VI. „ Am andern Morgen," fuhr Dr. Sebulon in seiner Erzählung fort, „wollte ich meine Uhr repariren lassen. Als ich von meinem Hötel aus einige Straßen durchwandert hatte, kam ein Fremder auf mich zu. „Sie sind der Dr. Sebulon aus P.?" fragte er hastig. „„Zu dienen, mein Herr!"" antwortete ich ihm. „O, kommen Sie eilig zu einer plötzlich Erkrankten l Bitte, kommen Sie mit mir, ich finde in der Schnelligkeit keinen andern Arzt." Ich folgte ihm arglos, und er führte mich in ein schönes Haus, in ein elegantes Boudoir. Da saß auf dem Sopha — Adele. Ich erschrack, als ich sie erkannte. Ich sah mich nach meinem Begleiter um — er war verschwunden. „Wo ist die Kranke?" fragte ich. »„Hier,"" sagte Adele, „„ich bin die Kranke. Sebulon, Du kennst mich doch noch?"" „Ich kenne Sie noch, mein Fräulein; da ich aber sehe, daß Sie vollkommen gesund sind, so erlauben Sie wohl, daß ich mich wieder entferne?" „„Sebulon, wer wird so rasch von einer Freundin scheiden, die man seit Jahren nicht gesehen hat? Bleib und setze Dich zu mir; ich habe Dir viel zu erzählen."" Zu meinem Erstaunen vernahm ich nun, daß Adele unterdeß sehr reich geworden. Sie hatte einen Bruder gehabt, der sich gerade in Californien befand, als dort die Goldlgger entdeckt wurden. Derselbe hatte ungeheure Reichthümer erworben, war dann mit seinen Schätzen, aber auch mit zerrütteter Gesundheit nach Europa zurückgekehrt. Er war bald darauf gestorben, und die einzige Schwester war seine Erbin. Adele bat mich flehentlich, zu ihr zurückzukehren, ihre Schätze mit ihr zu theilen und in einem fernen Lande in Hülle und Fülle mit ihr zu leben und zu genießen. Sie bot mir alle ihre Reichthümer zur unbeschränkten Verfügung an. Ich aber blieb standhaft ihren Verlockungen gegenüber. Ich wollte mein junges Weib, meine behagliche und geachtete Stellung nicht ausgeben; ich wollte den Weg der Sünde und des Lasters nicht wieder betreten; ich wollte mir die Achtung meiner Schwiegereltern erwerben. Als Adele sah, daß alles Bitten und Flehen vergeblich war, sprang sie wuthschnaubend auf. „So sollst Du denn meine Rache fühlen, Verräther!" rief sie und zog an einer Glockenschnur. Zwei Männer stürzten herein und fesselten mich; mit Gewalt wurde mir eine Substanz in den Mund gegossen, die mich betäubte. Als ich wiedererwachte, befand ich mich in einer Zwangsjacke, wie man sie Tobsüchtigen anlegt, im Eisenbahnwagen. Jene zwei Männer, die mich gefesselt hatten, saßen mir gegenüber. Erst kürzlich habe ich erfahren, daß Sie einen Paß besaßen, demzufolge sie einen Irrsinnigen in eine berühmte Londoner Irrenanstalt geleiten sollten. Ich will Ihnen keine Schilderung von dieser furchtbaren, entsetzlichen Reise machen. Sie ging für meine Peiniger glücklich von Statten. Wir kamen itt London an, und ich wurde an eine Privat-Irrenanstalt abgeliefert, deren Besitzer uns bereits erwartet hatte. Jenes wüthende Weib zahlte meinem Peiniger eine bedeutende Summe. Anfangs stellte ich mich ungebehrdig und wollte mit Gewalt meine Freilassung erzwingen; allein die gräßlichsten Mißhandlungen brachten mich bald zur Ruhe. Mein Loos war ein so schreckliches, daß ich fürchtete, in der Thal den Verstand zu verlieren. Da ward mir ein kleines, hebräisches Gebetbuch, das ich nicht zu meinem Gebrauche, sondern zu dem meiner Frau bei mir geführt und das man mir gelassen hatte, zum rettenden Talisman. Aus ihm betete ich und fand in der Erhebung zu Gott Ruhe und Frieden und den Muth, mein entsetzliches Geschick zu ertragen. Ergeben ertrug ich nunmehr mein Loos uud erlangte dadurch größere Freiheit, mich innerhalb der Anstalt zu bewegen. Glücklicher Weise bin ich Arzt, und ich benutzte die Gelegenheit zu eingehenden Studien der Geisteskrankheiten, zu deren Beobachtung mir so vielfache! Gelegenheit sich bot. Wärter, Hilfsärzte und Kranke