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Der Israelit · 1867-12-18 · Heft 51 (18.12.1867) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 51 (18.12.1867)
Date
1867-12-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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880 Nächste Wahlbesprechung und Vornahme der Probewahl wurde für Sonntag den 15. d. anberaumt. (Frbl.) Ppsth. DaSLeichenbegängniß deSPesther OberradbinerS vr. MeiSl, welches vorgestern stattfand, fand eine außerordentlich große Theilnahme sowohl von Seiten der Pesther Behörden und des Publikums, als auch zahlreicher Gemeinden, welche eigene Vertreter abgesendet halten, um der Familie des Verstorbenen ihre Theilnahme kundzugeben. Die Zugänge zum Trauerhause und zum Tempel waren schon in der frühesten Vormittagsstundtz von einer zahlreichen Menschenmenge umstanden; denn die Trauerfeier begann schon kurz nach 8 Uhr damit, daß der Sarg aus der Wohnung des Verstorbenen mit feierlichem Geleite in den Tempelhof getragen wurde. Um 9 Uhr begann sodann die eigentliche Trauerfeier im Tempel — in welchem der Bürgermeister, die städtischen Repräsentanten , sowie Mitglieder beider Häuser des Reichstages, die Vertreter der Kultusgemeinde, die Vertreter anderer Gemeinden u. s. w. anwesend waren — mit dem Absingen eines Chores, welchem eine ungarische Rede folgte. Nach einem abermaligen Choralgesang wurde der Sarg in den Tempel gebracht und vor dem Altar (?) aufgestellt, worauf der Wiener Prediger vr. Adolf Jellinek die Trauerrede hielt. Es wurde nun der Schlußchor abgesungen, worauf der Sarg in den sechsspännigen Todtenwagen gehoben wurde. Der Zug setzte sich sodann in der vorgeschriebenen Ordnung in Bewegung. Das Geleite bildete einen unabsehbaren imposanten Zug. Auf dem Friedhof hielten der Rabbiner der Nachbargemeinde Altofen, Hirsch, ferner Steinhardt aus Arad und Treuenfels aus Stettin Trauerreden. Dann wurde der Sarg zum Grabe hingetragcn, worauf Herr Kovacs, einer der nichtisraelitischen Leidtragenden, eine Trauerrede hielt, in welcher er von dem Verstorbenen sagte, daß er. gleich Moses (?) die Freiheit (?) seines Volkes nur im Geiste sehen, nicht selbst erleben konnte. (Frbl.) Pesth, den 12. Dec. Daö „Pesther Journal" geißelt den Vorstand der hiesigen isr. Gemeinde, daß er „nur um der Eitelkeit zu fröhnen" Herrn Dr. Jellinek aus Wien veranlaßt habe, hier „eine Gastrolle" zu geben, und die Kanzel des vr. Meise! zu besteigen, während diesen noch kaum das Grab deckt. Auch Herr Vr. Jellinek wird scharf mitgenommen; er wird daran erinnert, wie er bei der Leichenrede vor „Rührung ganz hin" war und vier Tage darauf, „nur um der Eitelkeit zu fröhnen" die Pietät gegen den Dahingeschiedenen verletzt, während des Letztern Familie sich noch in der Trauerwoche befindet. Auch der Komödiant im „Hamlet" weint über das Geschick der Königin von Troja, und doch: „Was ist ihm Hekuba?" — Brunn Unter den durch die Gnade Sr. Majestät des Kaisers aus Anlaß des allerhöchsten Besuches der Pariser Weltausstellung ausgezeichneten österreichischen Industriellen befindet sich auch der hiesige Schafwollenwaarensabrikant, Herr Max Gomperz, welcher den Orden der eisernen Krone 3. Klasse erhielt. Herr Gomperz erfreut sich in unserer Stadt wegen seiner Menschenfreundlichkeit und Wohlthätigkeit wie wegen seines bewährten Gememsinnes der allgemeinen Hochachtung, und wird die ihm gewordene Auszeichnung allerseits mit freudiger Theilnahme begrüßt. (Abdl.) Palästina. Jaffa, den 29. Nov. Am 22. d. M. langte Herr vr. London, der Oberarzt des Rothfchild'fchen Hospitals mit seiner Neuvermählten.hier an. Sofort nach seiner Ankunft beeilte er sich, Gefährlich-Kranke zu besuchen; während seines zweitägigen Aufenthalts in unserm Hause wurde dasselbe von Kranken vollständig belagert. Herr vr. L. hat über zwanzig Besuche gemacht und mehr als 50 Kranke im Hause behandelt — Alles durchaus unentgeltlich; er hat sich den Dank von ganz Jaffa erworben, das leider keinen guten Arzt besitzt. — Am 24. d. M. begleitete ich Herrn vr. London nach Jerusalem; die ganze Reise glich einem Triumphzug. Bis Colonia, eine Stunde vor Jerusalem, kamen uns die Rabbinen der Aschkenasim, Marockaner, Sephardim rc. entgegen, um den Herrn Vr. London und seine junge Frau zu bewillkommnen, ebenso die Schüler der Blumenthal'schen Schule und der Handwerksschulen. Auch der edle Graf Caboga, der k. k. oster. Generalconsnl, hatte einen Cavassen zum Empfange und Behufs der freien Passage des Gepäcks, daö sonst beim Mauth-Amte hätte geöffnet werden müssen, geschickt; auf des Herrn Grafen Befürwortung, durften wir bereits den neuen Weg passiren, was uns sehr zu Statten kam. H. B latt ner. *) im December. Nachdem sich die amerikanische Colonie fast ganz aufgelöst hat und nur noch der Präsident derselben, Herr G. I. Adams mit wenigen Getreuen ans heiligem Boden ausharrt, kamen dieser Tage drei Engländer hier an und brachten Hrn. Adams eine Unterstützung von 2,700 L. St. (circa 32,000 fl.). Diese Engländer besitzen ein Vermögen von 180,000 L. St. (mehr als zwei Millionen Gulden). Die Engländer werden die amerikanische Kolonie übernehmen und mit ihren Familien hierher übersiedeln. H. Blattner. Amerika. New-Uork. Der „Jew. Meff." schreibt: Der Nordamerikanische Unterstützungsverein für die Eingeborncn Juden Jerusalems hat mit dem letz- *) Mir bitten um fernere freundliche Mittheilungen. — Die Redaction.

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