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Der Israelit · 1867-12-18 · Heft 51 (18.12.1867) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 51 (18.12.1867)
Date
1867-12-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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879 fenes Programm zur Errichtung eines Proseminars in Brünn fand schon vor der Versammlung wenig Anklang. (Siehe auch die Rede des Hrn. Dr. Lipfchitz in Nr. 47 des Israelit.) Mehrere Gemeinden erließen ein Rundschreiben an die Uebrigen, worin jener Entwurf, als den Zweck verfehlend, erklärt wird. Bei der Versammlung suchte Herr Dr. Placzek, Rabbiner in Brünn, Sohn des Herrn Oberlandesrabbiners , den von seinem Vater Unterzeichneten Entwurf zu erörtern, berührte aber nicht alle Punkte. Der Oberlandesrabbiner zeigte keine Lust, die an ihn gestellten Interpellationen zu widerlegen, sonst harte man auf eine von ihm gemachte Aeußeruug — „die Rabbiner Mährens sind alle orthodox" — die Frage stellen können, ob nach seiner Ansicht jene, in deren Gemeinden eine Orgel beim Gottesdienst verwendet wird; ob jene, welche nur eine abgekürzte Bihel wünschen; ob jene, welche den ganzen Unterricht in hebräischen Lehrgegenständen als Nebensache betrachten; ob jene, welche "für Rabbiner nur sehr schmales, hohles [ Wissen als Fachstudien wollen, — ob jene als Orj thodoxe, oder vielmehr als reformsüchtige Neologen zu | bezeichnen sind. — Bon allen Glaubenstreuen aber,! und Freunden rabbinischer Wissenschaft ward anerkannt, ■ daß die Errichtung eines Proseminars in der Art, wie sie nach dem Programme vorliegt, den Stand der j Sache nur corrumpiren müßte und dadurch ein Privilegium gegeben würde, an die Stelle des gründlichen Wissens nur Oberflächlichkeit zu setzen und unbefähigte Rabbiner heranzuziehen? R Vom Niederrhein, den 11. Dee. Herr Professor Vogt von Basel durchzieht als Apostel des Materialismus unsere Gegend und hält populäre Vorträge, in denen er Anhänger für seine Lehre wirbt. Diese Vorträge brachten in Cöln, Aachen rc., wo die Geistlichkeit gegen den Genannten agitirte, eine ungej heure Aufregung hervor. Wir unsererseits freuen uns ' in den gediegenen Leitartikeln „Geist und Stoff," die seit einiger Zeit in dieser geachteten Zeitschrift Herrn Vogt und Genossen so siegreich bekämpfen, ein Mittel zu besttzen, durch das es uns möglich wird, das Wort unserer Weisen zu erfüllen: 2'wrv2? no jn „wisse den Gottesläugner zu widerlegen." — Schon Manchem, der ganz eingenommen für Vogts Theorien von dessen Vorlesungen kam, gaben wir den! „Israelit" in die Hand, und die erwähnten Artikel verfehlten ihre belehrende und überzeugende Wirkung! nicht.? Wir bitten Sie dringend, Herr Redacteur, diese! unsere Mittheilung zu veröffentlichen, da wir anderer-! seits auch die Aeußerung hörten, daß es nicht wohlj gethan sei, Fragen anzuregen, die vor der großen } Menge besser unberührt blieben. Wir aber sind der! Ansicht, daß die Berührung dieser gewichtigen Fragen durchaus nicht unterbleiben darf in einer Zeit, in welcher die entgegenstehende Richtung ihre Ansicht so populär als möglich zu machen sucht. Wir sind davon überzeugt, daß diese Artikel nicht allein vielfach wohlthuend Wirken, sondern daß sie auch den Gegnern Achtung abgewinnen werden, und auch das hat sein Gutes. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. Sämmtliche Oberlandesgerichte der Westhälste des Reiches haben an die ihnen untergeordneten Gerichte folgendes Normale erlassen: „Das Abgeordnetenhaus des Reichsrathes 'hat in Folge seines in der Sitzung vom 29. Oktober 1867 gefaßten Beschlusses den k. k. Ministerien der Justiz und des Kultus empfohlen, dahin zu wirken, daß minderjährige Mädchen oder Frauen, welche ihren Eltern oder Ehegatten entlaufen sind, nicht in den Nonnenklöstern festgehalten oder dort vom Verkehr mit ihren Angehörigen abgeschlossen werden. Diesem zufolge wird das k. k. Gericht in Folge hohen Erlasses des k. k. Justizministeriums vom 6. November d. I. Zahl 12,581, angewiesen, in allen Fällen der bezeichneten Art, in welchem die gerichtliche Hilfe namentlich auf Grund der §§. 92, 93 und 145 a. &. G. B. in Anspruch genommen wird, sofern die Fälle nicht in die Kompetenz der politischen Behörde fallen, das Amt nach dem Gesetze mit möglichster Beschleunigung zu handeln, und sich die Beförderung des gesetzlichen Verfahrens, besonders in solchen Fällen angelegen sein zu lassen, in welchen eine strafbare Handlung nach §§. 93 und 96 St. G. begründet sein sollte. Wien. Gestern fand eine Versammlung von etwa 200 Mitgliedern der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde behufs einer Besprechung über die Neuwahl des Vorstandes statt. G. R. P ollak eröffnete die Versammlung mit der Mittheilung, daß der Präses des Vorstandes, Herr Josef Wertheimer und das Vorstandsmitglied Dr. Heinrich Jacques, erklärt haben, eine Wiederwahl nicht annehmen zu können. Die Versammlung wählte hierauf ein Wahlkomitö bestehend aus den Vorstandsmitgliedern GR. Pollak, GR. Frankl und Dr. Max Engel und übertrug Herrn Pollak den Vorsitz. Als Kandidat trat auf Dr. Kn eppl er. Als Kandidaten wurden ferner vorgeschlagen der Industrielle Leopold Aböles und Jnstitutsinhaber Szanto (1?) Eine rege Debatte entspann sich über die Bestimmung des Statuts, daß nur diejenigen Israeliten Mitglieder der Kultusgemeinde sem können, die dem Verband der Großkommune Wien angehören. Auch der Mangel einer Bestimung über die Oeffentlichkeit der Verhandlungen des Kultusvorstandes wurde gerügt. Die

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