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Der Israelit · 1867-12-18 · Heft 51 (18.12.1867) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 51 (18.12.1867)
Date
1867-12-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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876 Daß diese Ideen existiren, gesteht allerdings der Materialismus zu; allein er erklärt He für HiMgespinnste. Run ist es aber auch von dem Standpunkte der Materialisten aus nicht im Entferntesten gerechtfertigt, daS ideale Denken, welches der Endzweck alles Denkens ist, in das Gebiet leerer, inhaltloser Träume zu verweisen. Diese Areen sind in der Organisation des Menschen tief begründet. Düs lehrt uns die Geschichte, also die Erfahrung, auf welche doch die Materialisten immerwährend pochen. Nie hat es ein Volk gegeben, das ganz ohne Gottesidee gewesen wäre; nie hat eine Nation existirt, der die Ideen Seele und Unsterblichkeit unbekannt gewest«. Freilich waren bei den meisten Völkern diese Ideen mißverstanden, fälschlich angewandt, die Begriffe roh und dunkel, aber sie waren, wenn auch verhüllt, doch stets vorhanden. — So lehrt uns denn die Erfahrung die Existenz der Ideen. Die Frage bleibt nun noch zu erörtern: wie erlangen wir diese Ideen, die so hoch über dem Stofflichen stshen, daß die Materialisten in ihrer trivialen Weise fragen können: Habt ihr Gott gesehen? wie sieht die Seele aus? ist Jemand nach dem Tode zurückgekehrt und hat euch von der Unsterblichkeit berichtet? Merkwürdigerweise stimmt in der Beantwortung dieser Frage das Judenthum mit einem großen Philosophen des Alterthums, mit Plato, überein. Nach Plato schaut der Geist des ungeborenen Menschen in höheren Regionen die Ideen, das heißt die Bilder alles Seienden; bei der Geburt wird das Geschaute vergeffen; aber Alles, was der Mensch später lernt, ist nur Erinnerung an das dereinst Geschaute. Ganz daffelbe lehren unsere Weisen. Wir wollen das Gesagte näher erörtern, indem wir an einen, jedem Israeliten bekannten und geläufigen Segensspruch anknüpfen. In unserm heiligsten Gebete, in der Schemoneh Eßreh, ist die erste Bitte, die wir täglich dreimal zu unserm Vater im Himmel emporsenden, die Bitte um ein gesundes und vollkommenes Denkvermögen. u:n ,nra lotei ryn din1? pin nn« njnn pin 'n nna ‘jna nw ,njn „SMt schenkest gnadenvoll dem Erdensohn Verstand und lehrst den Menschen Vernunft; schenke uns gnadenvoll von Dir Verstand, Vernunft und bovn; gelobt seist Du, Ewiger, der Du gnadenvoll schenkest Verstand." Wenn wir bedenken, daß es die Männer der großen Synode waren, die -dieses Gebet verfaßt haben, so lohnt es sich wohl der Mühe, auf die Schwierigkeiten, welche dieser Segensspruch dem Verständniß bietet, aufmerksam zu machen, sie zu lösen und dadurch Aufschluß über die Frage zu erlangen, mit der wir uns gegenwärtig beschäftigen. Die Schwierigkeiten spring« in's Auge. Warum sind zu njn die Ausdrücke pin und aix, juru’a hingegen die Ausdrücke itän und mm gesetzt? Ferner, warum wird im zweiten Theile des Segensspruches, in der eigentlichen Bitte, das bisher nicht erwähnte hinzugefügt? Was soll hier daS bedeuten, das im ersten Theile und im Schluffe fehlt? Warum wird endlich im Schlußsätze bloß njnn pin, nicht aber nran und nicht auch Piyn erwähnt? Um alle diese Fragen zu beantworten, genügt es, daran zu erinnern, daß wir bisher drei Stufen der menschlichen Denkthätigkeit dargestellt haben, die wir mit den drei Namen: Verstand, Vernunft und daideale Denken bezeichnen können. Der Verstand umfaßt all die niedern Denkthätigkeiten, das Anschauen, Vorstellen, Abstrahiren, Vergleichen, Erinnern, Begreifen, Urtheilen. Diese Verstandesthätigkeit gibt Gott als ein unverdientes Gnadengeschenk jedem gesunden Menschen, jedem Erdensohn; daher heißt es pin nn« njn mub, Du gibst als ein Gnadengeschenk — pin zusammenhängend mit n:n, umsonst — dem Erdensohn Verstand. Die Vernunft hingegen, die Fähigkeit zu schließen — ni'2, entsprechend der Redeweise 121 pD nan *pnn, „wer aus Bekanntem das Unbekannte schließt" — muß erlernt werden; nicht der bloß physische, mit den niedern Verstandeskräften begabte Mensch erlangt die Vernunft als ein Gnadengeschenk, sondern es bedarf der Anstrengung, des Erlernens Lmrrv -io'pqi nra „und lehrst den Menschen Vernunft"; aber der zu dieser Stufe Gelangte bleibt immer noch ein puk, ein schwacher Mensch, — von »jn, schwach sein — deßhalb erbitten wir uns von Gott noch etwas Höheres, wir erbitten njn und nra, die zum ba»n führen, und das erbitten wir von Dem, was bei Dir ist. Doch was ist das baBrn? Es ist nichts Anderes, als das „ideale Denken", das sich jedoch wiederum in drei verschiedenartigen Gestaltungen äußert. Die nähere Auseinandersetzung derselben möge den Anfang unserer Schlußbetrachtung bilden. (Schluß folgt.) Literarischer Gericht. Die Nr. 26 dieser Zeitung brachte eine nähere Besprechung eines Kochbuches von Rebecka Wolf und heute müffen wir schon wieder die Aufmerksamkeit der geehrten Leser auf ein solches von Frau Rebecka Hertz lenken. Auch das vorliegende Werkchen kommt, und zwar noch mehr, in Collision mit dem Jora Deah. So sagt z. B. die Berfafferin Seite 5: „Eine Gans wird, nachdem sie gerupft ist, über einem Stroh-

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