Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1867)
- Date
- 1867-12-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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866 Ehren des PrinzipeS, welchem nun die ministerielle Vorlage die lange vorenthaltene Gerechtigkeit widerfahren läßt, wurden die meisten Becher geleert. Die Generale Klapka und Perczel, die Herren Koömovszky und Thanhoffer begrüßten in schwungvollen Toasten die auf die Gleichstellung der Israeliten bezügliche Vorlage, welche, wie sie mit Recht erwarten, in den nächsten Tagen von dem Unterhause mit Akklamation angenommen werden wird. Sowohl die markigen Worte Klapka's, der den Reigen der Dessert-Reden eröffnte, als auch die glänzende Ansprache Perczel's, die an den Mitkämpfer für die Sache der Gleichberechtigung , den Bürgermeister Szentliralpi, gerichtet war, hatten sich stürmischen Beifalls zu erfreuen. (Frbl.) Zur Verewigung des Moments der Gleichberechtigung der Israeliten in Ungarn haben, wie wir in den „Fövarosi Lapok" lesen, einige hervorragende Israeliten einen beträchtlichen Betrag — man spricht von 20,000 fl. — bestimmt, und den Bildhauer Engel beauftragt eine die Freiheit symbolisirende Statue aus karrarischem Marmor anzufertigen, die in einer Halle des Landhauses aufgestellt werden soll. Pesth. Kol. Tis za ist von der Vorlage über die Gleichberechtigung der Juden nicht ganz befriedigt. Er hätte — wie er dies im „Hon" auseinandersetzt - - gewünscht, daß die vollständige Religionsfreiheit ausgesprochen werde. Er müsse es bedauern — sagt Tisza — daß das Ministerium, als es den Israeliten gegenüber gerecht sein wollte, dies nicht mit Anwendung des großen Prinzips der Religionsgleichheit gethan. Er freue sich herzlich, daß nun in kürzester Zeit die Gleichberechtigung der mosaischen Landesbürger durch das Gesetz ausgesprochen sein werde, müßte es aber sehr bedauern, wenn dies als eine aus der Nothwendigkeit hervorgegangene engherzige Verfügung und nicht als ein großes freisinniges Prinzip erscheinen sollte. Tisza spricht schließlich die Hoffnung aus, daß das Abgeordnetenhaus dies nicht zugeben, ja daß vielleicht das Ministerium seinen Fehler einsehen werde, und daß wir in dem Gesetzbuch ein für alle Mal aussprechen, daß Niemandes bürgerliche und politische Rechte wegen seines Glaubens in Zweifel gezogen, werden. - Auch „Naplo" meint, der Gesetzentwurf habe bei all seinen empfehlenden Eigenschaften überrascht, weil die öffentliche Meinung nicht die Juden- Emancipation, sondern ein Gesetz der Gleichberechtigung der Confessionen erwartete. Dem könne indeß noch abgeholsen werden. I t a l i e fl. Neapel. Wir vernehmen mit Vergnügen, daß auf Ansuchen des Rabbiners zu Neapel derCommandeur der dortigen Garnison sämmtliche jüdische Soldaten während der hohen Feiertage vom Dienste befreite, damit sie ihren religiösen Pflichten Nachkommen können. (Corriere Israel.) Z Frankreich. Paris. Der Redacteur des Journals „I» France,“ Herr M. I. Cohen, ist von dem Kaiser von Oesterreich zum Ritter des Franz-Joseph-Ordens ernannt worden. (Univ. Jsr.) Rußland und Polen. Warschau, 28- Nov. Vor dem Kriegsgericht in der Citadelle wird in diesem Augenblicke ein Ketzerproceß im eigentlichsten Sinne des Wortes verhandelt. Ein nach vollendetem zwanzigjährigen Militärdienst heimgekehrter Soldat war als siebenjähriges Kind ausgehoben worden. Er war nämlich ein Kind jüdischer Eltern, und bei Juden war eö unter Nicolaus oft der Fall, daß Kinder ausgehoben wurden. Solche Kinder sind ohne Weiteres gleich nach ihrer Aushebung getauft und in die griechische Kirche ausgenommen worden. Nun ist der als Kind getaufte Soldat in seine Heimath zurückgekehrt und hat sich in Allem als Jude benommen. Er wurde daher als Abtrünniger angeklagt, und da er die von Versprechungen unterstützte Aufforderung, seine Zugehörigkeit zur griechischen Kirche zu bekennen, entschieden zurückwies, so wird der Unglückliche wohl einer sehr schweren Sibirienstrafe verfallen. Selbst die Insinuation weist er zurück, nur momentan sich zur griechischen Confesston zu bekennen, um dann ins Ausland zu gehen, indem er durch kein Wort die in seinem siebenten Jahre an ihm vollzogene Taufe anerkennen will. (Wir erwarten, daß die Alliance Isr. Univ. die geeigneten Schritte thun wird, um diesem edlen Märtyrer, der den Heroen der Mackabäerzeit würdig zur Seite tritt, Hilfe zu bringen und ihn vor dem angedrohten Schicksale zu bewahren. Der hochherzige Kaiser Alexander wird sicherlich angemessenen Vorstellungen zugänglich sein. Red.) Rumänien. In Jassy ist den Christen obrigkeitlich verboten worden, jüdische, und den Inden, christliche Dienstboten zu halten. Wie das „Donau-Echo" meldet, wird dieses Verbot mit aller Strenge durchgeführt. (K. Z.) Amerika. New-Hork. Von befreundeter Hand wird unö das „New-Yorker Journal of commerce“ zugeschickt, aus dem wir entnehmen, daß Herr Albert Cardazo aus New-Aork bei der jüngsten Wahl als Richter am Oberhofgericht daselbst (eine der höchsten Richterstellen) angestellt wurde. Wie uns von unserm Freunde brief-