Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1867)
- Date
- 1867-12-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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865 verhielt sich wirklich so. Der Staatsminister erklärte, sich dieser Sache anzunehmen und bald erhielt ich den Ausschluß, man habe angeordnet jenes Kmd, zu welchem der Vater nicht zugelaffen wurde, als er ins Kloster trat, sondern mit welchem er blos durch eine Gitterthüre im Beisein einer Klosterfrau sprechen konnte, sei in die Lage zu verletzen mit dem Vater verkehren zu können und dem väterlichen Einfluß auf dasselbe auszuüben, indem das Kind auf 4 Wochen in eine Privatwohnung gebracht und dem Vater gestattet werde, dasselbe täglich ein paar Stunden zu besuchen. Diese Ordre ist niemals Thatsache geworden. Ein untergeordneter Beamter, von einem Einflüsse geschützt, den ich nicht kenne, hat den Befehl des Herrn Staatsministers vernichtet. Ich bin auf wiederholtes drängendes Bitten dieses Moses Eisen zum Herrn Staatsminifter gegangen, der bemerkte, daß ich ihn mit meinem Drängen in Verlegenheit setze. Ich habe nun in's Cultusministerium meine Schritte gerichtet, denn der Vater kam verzweiflungsvoll hierher, die Mutter, eine sehr exaltirte Frau, war dem Wahnsinn nahe. Im Cultusministerium war ein Sectionschef, sehr wohlwollend, sehr freundlich und sehr entgegenkommend. Nichtsdestoweniger setzte ich aber auch diesen in Verlegenheit, denn dieser Sectionschef hatte einen geistlichen Adlatus, dessen Einfluß jedesmal den feinigen unterdrückte. Endlich nach vielem Her- und Hinrennen hörte ich von erngeweihten Personen des Cultusministeriums, um was es sich handle. Wenn nämlich das Kind im Alter von 13 Jahren getauft werden solle, so müßte dazu die Einwilligung d-s Landesfürsten eingeholt werden. Da nun ein solches Ansuchen von dem Ministerium paralisirt worden wäre, so hat man gestrebt, das Kind jo lange im Kloster eingesperrt zu halten, bis es das 14. Jahr erreicht hat. ’ib nuo tvh. Oesterreichischer Karserstaat. Wien. Ueber die Lage der Israeliten in der Moldau und Walachei, sind, der „S. C." zufolge, die kläglichsten Berichte hierher gelangt. Die Schritte, die Sir Moses Montefiore vor einiger Zeit zu ihren Gunsten bei der fürstlichen Regierung machte, scheinen durchaus keine nachhaltigere Wirkung erzielt zu haben, ebensowenig die Vorstellungen fremder Kabinette. Verfolgungen aller Art werden namentlich gegen israelitische Unterthanen srenider Mächte geübt. Die Willkürlichkeit ist an der Tagesordnung, der Schauplatz fanatischer Bedrückungen sind vornehmlich die kleineren Städte und Dörfer, in denen dm armen Juden säst jeder Erwerbzweig systematisch abgeschnitten wird. Wien. Das Ministerium hat der min "nvvn Schule dahier das Recht ertheüt, Zeugnisse auSzustellen, welche dieselbe Giltigkeit wie die der übrigen Hauptschulen haben. (I Zeit.) Karlsbad. Die Sonne der neuen Aera beginnt schon zu leuchten. Karlsbad, welches das Privilegium gehabt hat, daß kein Jude daselbst wohnen darf, hat nunmehr zwei Juden in dm Gemeinderath gewählt. (I. Zeit.) Pesth. Ueber den Tod des Pestber Oberrabbiners Dr. Meisel wird berichtet: Früh Morgens schon klagte der Verstorbene über eine schlaflos zugebrachte Nacht, über Schwindel, Brustbeklemmung, ließ sich jedoch von den Bitten seiner ängstlich besorgten Gattin nicht abhalten, sich zur Predigt in den Tempel im Orczy'schen Hause zu begeben. Schon während der mehr als einsiündigen Predigt konnten aufmerksame Beobachter bemerken, wie der Redner bald erröthete, bald erbleichte, und offenbar ein Unwohlsein mühsam bekämpfte. Nach Schluß des Vortrages begab sich der Oberrabbi an seinen Betsitz, versuchte es noch, an dem Gottesdienst theilzunehmcn, allein in diesem Momente sank er ohnmächtig zusammen. Die Umstehenden bemerkten dies, und schrieen sofort nach Wasser, worauf ein unbeschrcibliches Getümmel entstand, da man auf den Gallerien glaubte, es sei Feuer auSgebrochen. Wasser wurde herb ei.geschafft, der Ohnmächtige besprengt, allein nichts nützte, und so entschloß "men sich denn endlich, den Besinnungslosen in einer rasch zur Stelle geschafften Sänfte in eine Privatwohuung neben dem Tempel zu bringen. Hier waren bald einige Aerzte versammelt, die alle möglichen Mittel anwandten, um Rettung zu ermöglichen; allein bald erklärten sie, daß hier Menschenhilfe zu spät komme, und nur noch die Natur helfen könne. So lag der Verblichene in fortwährender Besinnvngslosigkeit, aus der er keinen Augenblick erwachte, bis halb 5 Uhr, wo die herbeigeruftnen ärztlichen Capazitäten konstatirten, daß nunmehr der T v d, herbeigesührt durch Apoplexia sanguinea, wirklich eingetreten fei. Nicht uninteressant dürfte es sein zu erfahren, daß noch im Laufe des Nachmittags an sechzig Gemeinden, unter Änderen auch nach Berlin, Stockholm, Paris und London die Trauerbotschaft lelegraphirt wuroe. Der Telegraph hatte über zwei Stunden unausgesetzt zu arbeiten, ehe er all' diese Depeschen bewältigen kennte. (Frbl.) Pestb, 28. Nov. Der „Egyenlösegi kör" veranstal-! tete vorgestern Abends in Pefth zu Ehren seines Präses, I des Generals Klapka, ein Banket, an welchem gegen! hundert Personen Theil nahmen. Der Clubb, welcher , vor allem Anderen das Prinzip der Gleichheit auf seine Fahne geschrieben, konnte natürlich nicht umhin, den in der Montagsfitzung des Unterhauses eingebrachten Gesetzentwurf zu feiern, welcher das schirmende Dach der Gleichberechtigung ausbreitet. Zu