Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1867)
- Date
- 1867-12-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage z« Rr. 5V des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz. Aus einem dieser Tage uns zugekommenen Einladungsschreiben ersehen wir, daß die „Alliance Jsr." Donnerstag den 19. d. M. ihre siebente jährliche Generalversammlung abhält. Wir werden nicht verfehlen, unsern geehrten Lesern zur Zeit Näheres über die Verhandlungen derselben mitzutheilen. Berlin, den 2. Dec. Am 43. dss. Mts. findet hier die Wahl eines Vertreters der Stadt Berlin für das Herrenhaus statt; voraussichtlich wird die Wahl den Stadtrath Mayer Magnus treffen. Es werden dann zwei Juden im preußischen Herrenhaus sitzen, die beide zufällig den nur bei den Juden gebräuchlichen Vornamen „Mayer" führen. — Berlin, 4. Dec. Die Zeitungen beschäftigen sich zur Abwechslung einmal wieder mit dem Abg. Laster und mit der angeblich beabsichtigten Anstellung desielben im Bundeskanzleramt. Die „Post" will sogar die Vorgänge bei den Verhandlungen zwischen Graf Bismarck und Laster in dieser Angelegenheit genau kennen und theilt sie als „aus zuverlässiger Quelle" mit. Danach soll Graf Bismarck Herrn Lasker aufgefordert haben, sich um die betreffende Stelle zu bewerben, undLasker soll, nach einigem Schwanken, eingewilligt haben, wenn ihm die Stelle vorher definitiv zugesagt werde. Darauf wollte Graf Bismarck nicht eingehen, und so scheiterten die Verhandlungen. Es muß die Unglaubwürdigkeit jedem Unbefangenen einleuchten, denn, wenn Graf Bismarck Jemanden auffordert, sich um eine Stelle zu bewerben, so liegt darin schon die Zusicherung, daß er sie erhalten wird; außerdem kann ich dem Leser aber aus „allerzuverläßlichster Quelle", nämlich aus dem Munde des Hrn. Laster selbst, mittheilen, daß an der ganzen Sache kein wahres Wort ist. — Die liberale Partei im hösigen Magistrat wird bei der Wahl für das Herrenhaus den Stadtrath Magnus aufstellen, und wird derselbe auch voraussichtlich die Majorität erhalten. Ob er nach erfolgter Wahl berufen wird, bleibt abzuwarten; seit der Berufung des Baron v. Rothschild in's Herrenhaus scheint oie Religion doch kein Hinderniß mehr zu sein. Köln, 3. Dec. Nachdem seit längerer Zeit in dem Stadtverordneten - Collegium die Israeliten nicht durch ein Mitglied ihrer Confessio« vertreten waren, eröffnete sich heute die Aussicht, einen Israeliten zu wählen; denn einer ihrer Candidatcn, Herr W. Hertz, erlangte 277 Stimmen, und der Candidat der Katholiken, Th. Wolff, 223 Stimmen, jedoch keiner von beiden die absolute Majorität, so daß beide in die engere Wahl kommen, welche am 20. d. abgehalten wird. Ä (Frf. I ) Königsberg, 22. Nov. Die „K. n. Z." schreibt: Es sollen bereits mehrere Gelehrte, die bisher durch den Zufall, daß sie Juden sind, daran verhindert waren, sich zur Habilitation an hiesiger Universität gemeldet haben. Ob und wann einmal einer derselben „ausnahmsweise" eine Professur bekleiden wird — bleibt zu erwarten. Altonn. Die hochdeutsch-israelitische Gemeinde beabsichtigt außerhalb der Stadt einen Begräbnißplatz zu erwerben, da der Theil des jüdischen Begräbnißplatzes in der Königstraße, welcher dieser Gemeinde gehört, bereits überfüllt ist. Lübeck, im Marcheschwon. (Privatmitth.) Eine der vielen Folgen der veränderten Verhältnisse in Deutschland ist die Auflösung der sonderstaatlichen Contingente und deren Aufgehen in die große norddeutsche Armee. Auch unser Lübecker Bataillon entging diesem Schicksale nicht und gerade am Vorabend des hl. Versöhnungstages rückte ein Bataillon des 76. preußischen Regiments in unsere Mauern ein. Unter diesen befanden sich nun auch einige Juden, die sich sogleich an unsern Herrn Rabbiner Adler wandten, um durch seine Vermittelung sich den Dispens vom Dienste für die hohen jüdischen Festtage zu erwirken. Nun waren bei dem nunwehr aufgelösten Lübecker Contingente schon früher Schritte in demselben Sinne geschehen und waren dieselben wenigstens von dem Ec folge begleitet, daß die bei dem früheren Lübecker Militä? dienenden Israeliten an den hohen Feiertagen vom Dienste befreit waren, hingegen war es nicht zu erreichen, daß dieser Dispens auch auf den wöchentlichen Ruhetag ausgedehnt werde. Unser Hr. Rabbiner wandte sich nun an den Commandirenden des hierher versetzten preußischen Bataillons, Major von Rechenberg, der sich auch nach nur kurzem Bedenken toleranter zeigte als das frühere Lübecker Militärcommando, indem er die unter seinem Commando dienenden Israeliten nicht nur an den hohen Festtagen, sondern auch für jeden Sonnabend vom Dievste befreite, natürlich unter dem Vorbehalte, daß, falls dringende Dienstverhältnisse es erheischen sollten, diese Erlaubniß keine Anwendung finden könne. Also auch in dieser Beziehung hat uns das Jahr 66 Vortheile gebracht. Daß dies aber für Mecklenburg in einem weit höheren Grade der Fall ist, davon ha-