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Der Israelit · 1867-12-11 · Heft 50 (11.12.1867) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 50 (11.12.1867)
Date
1867-12-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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859 Bittet durch die ganze Zeit seines Hierseins seine strenge Religiösität und sein unerschütterliches Festhalten an dem im Talmud und y'fv Begründeten an den Tag gelegt, und dadurch bewiesen hat, daß Kenntniß der profanen Wiffenschaften und vielseitige hohe Bildung mit echter Frömmigkeit und genauer Ausübung der jüdischen Gesetze und Gebräuche bei ihm Hand in Hand gehen, so ist ihm Herr Kohn ein wahrer, inniger Freund geworden, und der Herr Rabbiner ist der seinige nicht minder. Er verkehrt stets mit ihm und thut nichts in kultuellen Angelegenheiten ohne seine Zustimmung. — Ein großes Verdienst würde sich unser wackerer Vorstand erwerben, wenn er einige der hier bestehenden kleinen Bethäuser auflösen würde. Durch die Freizügigkeit hat die Zahl der hier wohnenden Israeliten bedeutend abgenommen, und — verhehlen wir es uns nicht — die Sehnsucht nach dem Gotteshause ist unter den Israeliten — auch unter den Nickolsburgern — nicht mehr so groß wie ehedem. Wozu also 10 leere Bethäuser? Es ist mir nicht unbekannt, daß der Vorstand schon lange mit dem Plane umgeht, die kleinen Bethäuser aufzuheben; aber warum ihn nicht mit Energie ausführen? Wohl heißt es, das Rabbinats-Collegium, besonders Herr Kohn, hätte sich gegen die Auflösung ausgesprochen; doch mag dies vor Jahren der Fall gewesen sein. Heute dürften jedoch Herr Kohn und seine Amtsgenossen bereits die Ueberzeugung gewonnen haben, daß die Auflösung der kleinen Bethäuser dringend geboten ist, unr in den größeren eine zahlreichere Versammlung zu erzielen. Sind doch die großen Synagogen selbst an Sabbaten oft so schrecklich leer, daß eS eine wahre Schmach ist. Von Wochentagen gar nicht zu reden; da bringt man bäuftg nur mit großer Mühe die erforderlichen 10 Personen zusammen. Es ist daher unbegreiflich, warum unser thatkrästige Vorstand in dieser Angelegenheit unthätig bleibt. Ebenso auffallend ist es, daß unser Herr Rabbiner noch nicht in einem öffentlichen Vortrage zur Aufhebung der kleinen Bethäuser aufgefordert hat. Sein zündendes Wort würde nicht wirkungslos geblieben sein, umsoweniger, als jeder Vernünftige die Nothwendigkeit der Auflösung erkennt und einsieht, daß eine größere Versammlung im Bethause die Andacht der Betenden und die Weihe des Ortes erhöht, und daß wenige, aber volle Bethäuser mehr zur Verherrlichung Gottes beitragen, als viele, aber leere. Doch — ich bin bereits zu weit über das Ziel meines beabsichtigten Berichtes hinausgekommen, und breche deshalb ab; kann jedoch nicht umhin, den Wunsch beizufügen, daß das innige Freundschafts - Verhältmß zwischen dem hochw. Hr. Oberrabbiner und dem ehrw. Rabbinatsaffeffor Herr M. L. Kohn fortbestehen, und daß die Genannten mit vereinter Kraft auch ferner zur Ehre Gottes und zum wahren Wohls ihrer Gemeinde wirken mögen. Nachod. Der Leinenwaarenfabrikant und Spinnereibefitzer Herr Isaak D. Pick in Nachod, welcher im vorigen Jahr wegen seiner verdienstvollen Leistungen während der Kriegsepoche von Sr. Majestät dem Kaiser durch Verleihung des goldenen Verdienstordens ausgezeichnet worden war und welcher, außer bei den seit dem Jahre 1850 beschickten Industrieausstellungen zu Leipzig, München, Paris, London, Dublin und Oporto, wo er bedacht wurde, auch bei der diesjährigen Ausstellung zu Paris die silberne Medaille erhielt, hat aus Anlaß der glücklichen Rückkehr Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph, zur Errichtung einer Mädchenschule in Nachod 500 fl. dem dortigen k. k. Bezirksgerichte übergeben. (Abdl.) Frankreich. Paris. Wie wir vernehmen, sind die Herren Albert Cohn, Joseph Cohen und Dr. See vorgeschlagen , die drei algerischen Conflstorim im Central- Consistorium zu Paris zu vertreten. (Univ. Jsr.) Paris. Baron James von Rothschild hat der Administration der öffentlichen Unterstützung dreißigtausend Anweisungen für je ein Kilogramm Brod zur Verfügung gestellt, welche an die Armen der Stadt Paris vertheilt werden sollen. (Univ. Jsr.) Abessynien. Maffauah. Folgender Brief wurde uns vom Central - Comite der „Alliance Israel." zugeschickt. Derselbe ist von Herrn Joseph Halövy. welcher von der „Alliance" zur Erforschung der Falascha's nach Abeffynien geschickt worden ist , geschrieben und aus Massauah datirt. Maffauah liegt auf einer Insel in der Maffauah-Bai im arabischen Meerbusen, hat 12,000 Einwohner, einen sichern und tiefen Hafen, ohne QueL- und Brunnenwaffer, ist von elender Bauart, sehr heiß, hat aber einen lebhaften Handel. Die Stadt gehört dem Vice-König von Egypten, der hier einen Gouverneur hat. Der Brief lautet: Massauah, im October 1867. Meine Herren! Sie werden wohl meinen Brief vom vergangenen Monat erhalten haben und daher wiflen, daß ich mich zu Suakin aus einem Segelschiff nach Maffauah eingeschifft habe. Ein ungünstiger Wind hat unsere Reise aufgehalten, doch endlich kamen wir an und ich begab mich ohne weiteren Aufenthalt zu dem französischen Consul, Herrn Munzinger, welcher mir einige Auskunft über die Gegenden geben wollte, die ich zu durchreisen habe. Unglücklicherweise konnte er mir nicht» Neueüber die Falascha's mittheilen.

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