Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1867)
- Date
- 1867-12-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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858 Oesterrerchischer Kaiferstaat. Wien. Se. Majestät der Kaiser von Oesterreich hat den Banquier und Handelsmann Septime Rapthaly Avigdor zum unbesoldeten Konsul in Nizza mit dem Rechte zum Bezüge der tarifmäßigen Konfulargebühren allergnädigst zu ernennen geruht. (Frbl.) Pestih. Sr. Majestät geruhten die Frau Elisabeth Goldberger (Jüdin) und ihre gesetzlichen Nachkommen in Anerkennung der Verdienste, die sich die Familie um die vaterländische Industrie erworben hat, in den ungarischen Adelftand mit dem Prädikate „W dai“ zu erheben. (P. Ggw.) Pesth. Das Amtsblatt publicirt eine allerh. Entschließung, nach der der Eigenthümer des Wiener Journals „die Debatte" Moritz Ganz v. Ludasi (Israelit) die bei dem ungarischen Ministerpräsidium neu systemisirte Sektionsrathsstelle erhalten hat. (Frbl.) Pesth, den 1. Dec. Der Oberrabbiner der Pesther israelitischen Gemeinde Dr. Meisel ist am Samstag verschieden. Der Tod ereilte ihn in der Ausübung seiner Pflichten. Vormittags predigte der Dahingeschiedene noch in dem im Orczy'schen Hause befindlichen alten Tempel, doch konnte er die Predigt nicht vollständig zu Ende führen, indem ihm gegen Ende derselben die Sprache versagte; doch blieb er im Tempel, denn er wollte den Gottesdienst nickt stören. Nach Beendigung des Gottesdienstes konnte er nicht mehr in seine Wohnnng gehen und wurde in die Wohnung eines Privatmannes im Orczy'schen Hause gebracht, wo trotz aller sofort angewandten ärztlichen Hilfe seinem Leben ein Gehirnschlag eine Ende machte. Am Mittwoch hielt er noch die Gedenkrede für den sel. Rappaport. Dr. & Meisel war seit ungefähr 9 Jahren Seelsorger der israelitischen Kultusgemeinde in Pesth und genoß in allen Kreisen der Hauptstadt das größte Ansehen. (Frbl ) Aus Ungarn. Die jüngste Nummer des „Ben Chananja" bringt die Nachricht, daß dieses ehrenwerthe Blatt, nachdem es zehn Jahre lang dem Judenthume zu schaden bemüht war, den Weg alles Fleisches gehen und zu erscheinen aufhören wird. Der bescheidene Redacteur hält sich selbst einen Nekrolog und verkündet in gesperrter Schrift, daß „der in der ganzen talmudischen und rabbinischen Literatur wunderbar bewanderte, scharfsinnige Oberrabbiner Löw in Szegedin Ausgezeichnetes geleistet habe". Da es der gute Mann selbst sagt, so müffen wir ihm wohl glauben; möge er süß schlummern auf den errungenen Lorbeeren. n'ny'? naiöi dd> roiD oywib mr?. Atikolsburg, am 25. November. Donnerstag am 21. d. M. Abends wurde auch hier in der großen Synagoge, genannt „Altschul" eine solenne Trauerfeier für den seligen Oberrabbiner von Prag, Herrn S. L. Rappoport abgehalten. Ein zahlreiches Publikum hatte sich hiezu eingefunden; der Tempel war in allen Räumen gefüllt, und tiefer Ernst war auf dem Angesichte der Anwesenden zu lesen. Galt es doch, dem Altmeister der jüdischen Wissenschaft, dem als Gelehrten wie als Rabbinen weit berühmten Manne, eine Thräne nachzuweinen. Nach dem Mincha-Gebet bestieg unser verehrungswürdiger Herr Oberrabbiner, der rühmlichst bekannte Dr. Feuchtwang, die Kanzel und zeichnete in einer der Form wie dem Inhalte nach gleich meisterhaften Rede den Verewigten als immensen Gelehrten, ausgezeichneten hebräischen Literaten, scharfsinnigen Forscher und Kritiker und wahrhast frommen, berufstreuen Rabbiner. Besonders hob der geehrte Redner hervor, daß der Verblichene bei seinem reichen, vielseitigen Wrssen, bei seinem Hellen, klarsehenden Forschergeiste, der auch die jüdische Historik der Kritik unterzog, dennoch kein Haar breit vom yW wich, vielmehr treu nach den darin enthaltenen Satzungen lebte und wirkte, und mit tief ergreifenden Worten schilderte er sodann den ungeheueren Verlust, den die jüdische Wissenschaft, noch mehr aber das wahre, echte Judenthum durch den Tod dieses eifrigen Verfechters des Talmuds und y'V» erlitten. — Die Rede machte einen außerordentlichen Eindruck auf die Zuhörer, und in den Augen Vieler glänzten Thränen. — Nach beendeter Rede trug unser mit einer glockenreinen, das Ohr bezaubernder Stimme begabte Cantor, Herr Maß, ein zu dieser Feier von dem ehrw. Herrn Rabbinats-Affeffor, L. M. Kohn im reinsten Hebräisch verfaßtes, sehr gelungenes Gebet mit vielem Gefühl und Verständniß vor. Das darauffolgende anyo Gebet schloß diese des großen Verstorbenen ganz würdige Feier. Bei dieser Gelegenheit will ich auch mit einigen Worten die brüderliche Eintracht und Einigkeit der hiesigen Gemeinde erwähnen, wie auch das einheitliche Zusammenwirken des Herrn Rabbiners mit dem Rabbinats-Collegium. Es ist dieß für uns um so erfreulicher, als Anfangs, bald nachdem der hochw. Herr Rabbiner den hiesigen Posten angetreten hatte, eine nicht unbedeutende Spaltung zwischen demselben und dem Rabbinats - Collegium eingetreten war, weil auf Anregung des Herrn Rabbiners der Chorgottesdienst eingeführt, ohne daß das Rabbinats-Collegium zu Rathe gezogen worden war. Insbesondere war es der durch seine talmudische Gelehrsamkeit und ungeheuchelte Frömmigkeit in hoher Achtung stehende Rabbinats - Assessor, Herrn M. L. Kohn — den Lesern dieses Blattes aus seiner in Nr. 50 des A. Jahrgangs dieser sehr gesch. Zeitschrift beifällig besprochenen Broschüre onjw onS bekannt — der gegen den Herrn Rabbiner auftrat, indem er befürchtete, der Choral-Gesang werde nur den Anfang machen zu andern tiefer eingreifenden Neuerungen. Nachdem jedoch der hochgeehrte Herr Rab-