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Der Israelit · 1867-12-11 · Heft 50 (11.12.1867) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 50 (11.12.1867)
Date
1867-12-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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857 des Denkens, die in der Sprache zu Tage treten. Aus Vorstellungen und Begriffen!üßt sich keine Sprache bilden. Sprechen heißt: Urtheilen und Schließen. Mit diesen Denkthätigkeiten beginnen die Wissenschäften; sie lehren Vorstellungen, Begriffe zu bilden, über diese zu urtheilen, aus ihnen zu schließen. So sämmtliche Erfahrungswissenschaften: Mineralogie, Botanik, Zoologie, Mathematik, Physik u. s. w. Sämmtliche Wiffenschaften existiren nur in der Welt des Geistes. Die Objecte mögen stofflich sein; aber die Begriffe, die Klassen, die Regeln — sie cxisttren nur im Geiste, find vom Geiste dictirt- und können durch den Stoff nicht producirt werden. Wir gelangen nunmehr zu dem Punkte der höchsten, menschlichen Denkthätigkeit, zudem idealenDenken. Weil wir aber hiezu eine größere Auseinandersetzung vorausschicken müssen, so wollen wir die Darlegung desselben uns für die nächste Nummer Vorbehalten. (Forts, folgt.) Aeitungsuackricdten und (Korrespondenzen. Deutschland. Aus dem Großh. bad.Radbinatsbezirke Gailingen. (Fortsetzung.) III. Jsr. Gemeinde Wangen. 1) Die heilige Brü-erschüft. Vermögen fl. 600. 2) Verein zur Friedensftiftung. Zweck: Erhaltung, Beförderung und Wiederherstellung des Friedens in der Gemeinde, ferner Beförderung des Gottesdienstes und Armenunterstützung. Vermögen, fl. 2800. Einnahme im I. 1866 fl. 160, hierunter fl. 40 freiwillige Gaben. Ausgabe fl. 70. rv. Jsr. Gemeinde Thiengen. 1) Wohlthätigkeilsvkrein. Vermögen: fl. 346. 2) Frauenverein. Vermögen: fl. 170. V. Jsr Gemeinde Worblingen. 1) Wohlthätigkeitsvercin. Vermögen: fl. 325. Ungerne vermißt man unter den zahlreich vcrzeichneten Stiftungen und Vereinen solche, welche sich in namhafter Weise die Förderung von Schulzwecken zum Ziele setzen. Unsere Bemühungen, wenigstens in der hiesigen großen Gemeinde einen Schulfond zu gründen, wurden dis jetzt nicht mit dem gewünschten Erfolge gekrönt. Die Anlegung von Jugendbibljotheken war das Einzige, wozu sich die Gemeinden verstanden; doch geben wir die Hoffnung nicht auf, zu geeigneter Zeit mit besserem Erfolge diesen wichtigen Gegenstand abermals in Anregung bringen zu können. ES gereicht dem Einsender zu besonderem Vergnügen, hier einschalten zu können, daß seit Erstattung des Berichts die Bemühungen des Herr» Rabbiners auch in dieser Richtung schöne Früchte getragen habe«. An den verflossenen Halbfeiertagen kam die Gründung eines Schulfonds zu Stande, mittelst desselben mit der Zeit eine erweiterte Volksschule hierorts in's Leben treten soll. Bereitfind fl. 2400 gezeichnet und weitere Beiträge i» sicherer Aussicht. Den Bemerkungen über die Fürsorge für die Waisen im Bezirke entnehmen wir den Satz: „Bei Gelegenheit der Gründung einer Kreiswaisenanstatt für den Kreis Constanz, in welche zwar auch iSrael. Waisenkinder eintrelen dürsten, aus naheliegendende« Gründen aber nicht eintreten können, hörten wir die Frage, ob nicht in Baden ein allgemeines isr. Waisenhaus, ähnlich der in Württemberg bestehenden isr. Landeswaisenanstalt, errichtet werden könnte. Eine solche Anstalt würde in unserem Bezirke Anklang und reichliche Unterstützung finden. Aus dem Abschnitt über die rituellen Bäder führen wir an: Die Bäder in Gailingen und Worblingen sind in guter Ordnung. In der Gemeinde Thiengen wurde im vorigen Jahre ein neues Bad mit eine« Aufwands von fl. 1100 hergestellt und sehr zweckmäßig eingerichtet. In Wangen wurde erst in diesem Jahre der dringend nothwendige Neubau ermöglicht, der in den nächsten Monaten vollendet sein wird. In Constanz besteht zur Zeit noch kein rituelles Bad, doch sei die Aufmerksamkeit der Gemeinde darauf gelenkt. Endlich entnehmen wir der Rubrik: Begräbn i ß p l ä tz e, daß sämmtliche Gemeinden eigene Begräbnisplätze baben, mit Ausnahme der kürzlich gegründeten Gememdc Constanz, welche aber eben im Begriffe stehe, gleichfalls einen solchen zu erwerben. Der Bericht schließt mit der Hoffnung, „das religiöse Leben in unfern Gemeinden werde nach und nach unter dem Schutze des Allmächtigen in allen Beziehungen immer mehr gedeihen, und der Geist der Frömmigkeit immer mehr sich entfalten zur Ehre Gottes und Israels". Hierauf erfolgte der oben angekündigte Bescheid Großh. Oberraths der Israeliten, dessen allgemeine Bemerkungen so viel Interesse für die Oeffentlichkeit bieten, daß wir ihn wörtlich miltheilen zu sollen glauben: (Schluß folgt.) Breslau. Die Breslauer „Morgenzeitung" hat in der vorigen Woche in einem kräftigen Leitartikel den Pfarrer Wick ob seiner intoleranten und gehässigen, judenfeindlichen Auslassungen im hiesigen katholischen Volksverein derb zurechtgewiesen. Es war dieß nicht das erste Mal, daß die Breslauer „Morgenzeitung" solche Angriffe auf Juden und Judenthum o«tschieden abgewiesen und dadurch auf das hiesige Publikum vortrefflich influirt hat; denn leider ist hier in BreSlau noch eine tüchtige Portion Rifchus vorhanden.

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