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Der Israelit · 1867-12-11 · Heft 50 (11.12.1867) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 50 (11.12.1867)
Date
1867-12-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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856 heiligsten Güter gefährdet werben. An uns ist es, dieselben zu schützen und st» UWeschm«»t, unvrchklscht und unverkürzt den NacWommen zu WeEefern. Jeder, jeder Israelit ist hiezu berufen und muß in seinem Kreise das Seinige dazu beitragen. Die Anregung dazu zu bieten, vor dem Schlechten zu warnen, zum Gute» zu ermuntern, das ist die hohe Aufgabe dieser Zeitschrift, und «er dieselbe, sei es durch Mitwirkung, sei es durch Verbreitung, fördert, trägt dazu bei, die angestrebten hohen Zwecke zu realisiren. Diese erhabenen Zwecke werden auch durch die im Feuilleton gebotenen Erzählungen gefördert, welche die Leser mitten hineinführen in die Kämpfe des Lebens, sie gleichsam mit den Helden der Erzählungen «iMimpsen und mttstegen lehren. Wohlan denn, lieber Leser, liebe Leserin, lasset «nS gemeinsam danach streben, diese Blätter zu einem Nationaleigenthum, zu einem Nationalheiligthum der deutschen Judenheit zu gestalten. Unsere Aufgabe wird eS fein, unter göttlichem Beistände dafür Sorge zu tragen, daß diese Zeitschrift in Form und Inhalt immer gediegener, immer bedeutender werde, daß sie stets Tüchtiges, Gehaltvolles bringe, daß sie segenbringend wirke allüberall. — Geist und Stoff. Mainz, den 3. December. V. Haben wir bereits in der Wahrnehmung, Vorstellung, Erinnerung, in der Phantasie die freie Thättgkeit des Menschengeistes dem Stofflichen gegenüber nachgewiesen, so wird diese freie Thätigkeit in den höheren Formen des Denkvermögens noch deutlicher an's Licht treten. Der menschliche Geist hat die Fähigkeit zn abstrahiren und zu vergleichen. Das Abflractionsvermögen besteht darin, daß der Geist die verschiedenen Eigenschaften der Dinge gleichsam von diesen ablöst und sie als selbstständig für sich betrachtet. Es fällt z. B. in diesem Augenblicke Schnee; der Schnee ist weiß, kalt, feucht, er bedeckt den Erdboden; die genannten Eigenschaften finden sich einzeln auch an andern Gegenständen. Ich habe nämlich gefunden, daß der Schnee mit dem Kalke, mit der Kirschenblüthe, mit dem Haare des bejahrten Menschen eine Eigenschaft gemeinsam hat; ich löse dieses Gemeinsame gleichsam von den Gegenständen los und nenne es weiß. Dieses Abstraktionsvermögen führt uns sogleich zu dem VergleichungSvermögen, das eine ähnliche Thätigkeit des Geistes ist. Lehrt mich das VergleichungSvermögen, daß viele Gegenstände viele Eigenschaften gemeinsam haben, so faffe ich diese GGmstände in einen gemeinstnnen Namen zchanunen; das ist der Begriff. Der Begriff, die Verbindung vieler Vorstellungen M «uem einzigen Gemeinsamen, existirt im Stofflichen nicht, kann also auch nicht das Ergebniß eines stofflichen Procefles fein. Die ganze Planometrie, die Arithmetik, insoweit sie stch mit unbenannten Zahlen befaßt, also ein großer Theil der Mathematik, hat es nur mit Begriffen zu thun, das heißt, mit Solchem, was man mit den Sinnen nicht wahrnehmen kann. Der mathematische Punkt, die mathematische Linie, die mathematische Fläche, der Kreis, das Quadrat, das Oblongum, das Prisma, das Dreieck rc. — fte alle existiren nicht stofflich, sie sind bloße Formen der Körper, und was du wahrnimmst, find immer nur Körper. Wenn du dir einen Punkt, eine Lime, eine Fläche zeichnest, so hast du nichts als Bleifeder- oder Kreidestriche, winzige Körper, aber doch Körper. Kein Auge hat den mathematischen Punkt oder die mathematische Linie geschaut, denn sie find eben sinnlich nicht wahrnehmbar, weil sie nicht stofflich existiren. Ebenso ist eS in der Arithmetik. Es gibt wohl drei Aepfel, drei Birnen, drei Hunde, aber die Zahl „drei" als solche existirt nicht stofflich; du kannst sie wohl hinschreiben, dann hast dn aber einen Körper aus Dinte, aber nicht die Zahl „drei"; denn auch die Zahlen sind Begriffe. Wie in der Mathematik, so ist es in allen Beziehungen. Kein Begriff existirt stofflich. Wir wollen einmal irgend einen Begriff aus den unzähligen herausgreifen. „Das Pferd" als solches existirt nicht stofflich. ES gibt wohl eine Menge Pferde, aber immer nur bestimmte Pferde sind dir sinnlich wahrnehmbar. Gehe in einen Marstall; dort siehst du rothe, schwarze, weiße, braune, scheckige Pferde; „das Pferd" kann also weiß, roch, braun rc., es kann groß, klein, zahm, wild, sanft, störrig rc. sein — aber gibt es ein sinnlich wahrnehmbares Pferd, das das Alles sein kann? Rein, der Begriff „Pferd" existirt nur im Geiste. Und das Stoffliche sollte Hervorbringen können, was stofflich nicht existirt? Wenn ich nun zwei Begriffe mit einander, oder einen Begriff mit irgend einer durch Abstraction gewonnenen Eigenschaft in Verbindung bringe, so urtheile ich; verbinde ich die Uriheile und folgere aus zweien oder mehreren ein neues, so vollziehe ich die geistige Thätigkeit des Schließens. Ich fälle z. B. das Urtheil: Müden ist ein Mensch. Nun will ich untersuchen, ob Reuden sterblich ist oder nicht; ich weiß es noch nicht; ich kenne aber ein anderes Urtheil, das lautet: Alle Menschen sind sterblich. Da nun Reuden der ersten Aussage zufolge ein Mensch ist, der zweiten gemäß alle Menschen sterblich sind, so schließe ich, daß auch Reuben sterblich ist. Mit dem Urtheilen und Schließen ist erst die Sprache möglich; sie sind die vollendeten Thätigkeiten

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