Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1867)
- Date
- 1867-12-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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841 nagoge im Jahre 1:162 und die Ankunft der Juden nach China unter der Dynastie Han (3 Jahre v. d. gew. Ztr.) anzeigte. Die rechte Seite des Steines meldet eine Restauration der Synagoge unter der Dynastie MiNg, also vor beinahe 300 Jahren. Der Missionär entdeckte einige Abkömmlinge dieser Colonie, deren Gesammtzahl sich auf 300 Seelen beläuft. Nach ihren Aussagen mußten sie die Baumaterialien der Synagoge verkaufen, um sich das Leben zu fristen. Dieselben beschäftigen sich jetzt mit Tauschgeschäften, mit dem Verkaufe von Obst und Bäckereien. Sie besitzen einige Abschriften alter hebräischer Schriften und eine unleserliche Thorarolle. Hebräisch verstehen sie gar nicht. Der Missionär sah noch den Sohn des letzten Rabbiners, mit deffen Tode die Kenntniß des Hebräischen unter ihnen erlosch. (K. Z.) Feuilleton. Die Zerlassene. (Fortsetzung.) V. In seinem Studierzimmer saß der Rabbiner, bei welchem Friederike Rath suchen sollte. Es mochte ungefähr 10 Uhr Vormittags sein; um 1 Uhr hatte der Rabbiner eine Trauung zu vollziehen. Vor ihm lag aufgeschlagen das Buch der Lehre und zwar der Wochenabschnitt Ki Tabo; er wollte den Text suchen für die Trauungsrede. Da fielen ihm die Worte auf: „Und du sollst bauen daselbst einen Altar dem Ewigen, deinem Gotte, einen Altar von Steinen, du sollst nicht schwingen wider sie Eisen. Aus ganzen Steinen sollst du bauen den Altar des Ewigen, deines Gottes, und sollst darbringen darauf Ganzopfer dem Ewigen, deinem Gotte. Und du sollst schlachten Freudenopfer, und sollst genießen dort und dich freuen vor dem Ewigen, deinem Gotte. Und du sollst schreiben auf die Steine all die Worte dieser Lehre, wohl erklärt." Und die gelesenen Worte erschienen ihm passend als Text zur Traurede. Die Ehe sollte verglichen werden mit dem Altäre Gottes. Weint doch der Altar, nach dem Ausspruche der Weisen, so sich Jemand scheidet von dem Weibe seiner Jugend. Jemehr der Rabbiner den Worten der heiligen Schrift nachdachte, desto passender erschien ihm der Text. Eine Fluth von Gedanken, Symbolen und Vergleichungspunkten stieg in ihm auf, und er ergriff die Feder, um die Predigt zu skizziren. Da ward ihm eine Dame gemeldet, die ihn nothwendiger Weise sprechen müsse. Als er zustimmend winkte, trat Friederike herein. „Habe ich die Ehre," fragte sie, „den Herrn Rabbiner zu sprechen?" „„Die Ehre ist für mich. Wollen Sie nicht freundlichst Platz nehmen!"" „Ich wollte mir erlauben, Herr Rabbiner, mir in einer wichtigen Angelegenheit Ihren Rath zu erbitten oder vielmehr Ihre Ansicht zu hören!" „„Sie können über mich verfügen."" „Ich bin aus P. und heiße Sebulon; mein Mann war Doctor der Medicin. Wir reiften ein Jahr nach unsrer Hochzeit nach Wien. Mein Mann ging aus, um Etwas zu besorgen und kehrte nicht wieder. Seitdem ist er spurlos verschwunden." „„Schrecklich! Haben Sie keine Vermuthung, was aus Ihrem Herrn Gemahl geworden sein kann?"" „Keine. Wir halten sehr glücklich zusammen gelebt, unsere pecuniären Verhältnisse waren glänzend; es muß ihm irgend ein Unglück zugestoßen sein." „„Hat man seine Leiche gefunden?"" „Nein, er blieb ganz spurlos verschwunden; Sie können Sich leicht denken, daß mein seliger Vater die größten Anstrengungen machte, irgend eine Spur zu erlangen — sie waren alle vergebens." „„Traurig, traurig!"" „Fünfzehn Jahre lang habe ich meinen Mann betrauert; meine Eltern sind unterdeß gestorben, und ich stehe jetzt ganz allein in der Welt." „„Ihr Geschick ist in der That beklagenswerth."" „Jetzt aber, Herr Rabbiner, will ich mich wieder verheirathen; darf ich das?" „,, Nur in einem von zwei Fällen. Entweder wird der Tod Ihres Mannes evident bewiesen, oder Ihr Gatte lebt noch und übergibt Ihnen den Scheidebrief; in jedem dieser Fälle dürfen Sie Sich wieder verheirathen."" „Diese zwei Fälle gehören in das Gebiet des Unmöglichen; ich bin fest überzeugt, daß mein Mann nicht mehr lebt. Was hätte ihn auch zur Flucht veranlassen sollen? Und wenn er auch geflohen wäre, so hätte er doch wohl Kunde von sich gegeben. Nein, er lebt nicht mehr; aber seinen Tod zu erweisen, das ist unmöglich. War es während der verflossenen fünfzehn Jahren nicht möglich, wie sollte es jetzt geschehen?" „„Ich beklage Ihr hartes Loos, Frau Doctor; allein unter diesen Verhältnissen dürfen Sie nicht wieder heirathen. So lange der Tod Ihres Mannes nicht unzweifelhaft ist, so lange sind Sie an ihn gebunden."" „Das heißt, Herr Rabbiner, nach jüdischen Gesetzen; aber die protestantische Kirche gestattet die Wiederverheirathung, sobald der Verschollene für bürgerlich todt erklärt ist." „„Was wollen Sie damit sagen?""' „Daß ich mich taufen lassen werde, um wieder heirathen zu können."