Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1867)
- Date
- 1867-12-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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837 dargethan, daß er mit der Orthodoxie entschieden gebrochen hat. Wir erinnern nur an den einen Fall, daß eine Frau, die von ihrem noch heute lebenden Manne durch obergerichtliches Erkenntniß geschieden war, nachdem sie von Wechsler in Oldenburg mit einem anderen Manne getraut worden, nach dem Tode desselben abermals von vr. Fist, mit einem dritten Manne getraut wurde. Dabei muffen wir auf die Verteidigung dieses Schrittes aufmerksam mqchen. Wir sprachen einst mit einem enragirten Templer, der gern mit seinem talmudischen Wiffen, das er sich in Berlin bei dem verstorbenen Oettinaer angeeignet haben will, groß thut, und bezeigten ihm unsere Verwunderung darüber, daß dieDirection des T... diesen so provocirenden Schritt ihres Predigers gestattet habe. Derselbe entgegnete höchst salbungsvoll: „Diese zweite Verheirathung war ja ganz anders, als die erste, wobei nur ein obergerichtliches Erkenntniß vorlag, und daraufhin konnte ja Frft. nicht trauen. Später aber, als die Frau nach einer von einem Rabbinen regelmäßig vollzogenen Trauung Wittwe geworden war, stand ja nichts im Wege dieser Wittwe panTp zu geben l" Massagen unüe Leser zu dieser Logik? Bekanntlich sagen unser Weisen zur Erklärung des Wortes enpna y"a"N rb -idöh pnn'p. Fällt einem dabei nicht die Aehnlichkeit von »np und wip ein? Doch wir merken, daß wir zu weit vom eigentlichen Thema abschweifen und wollen deshalb wieoer einlenken. Tritt nun der Fall ein, daß e:n solches Institut, wie der Tempel, einen orthodoxen Prediger an seine Spitze stellt, so sind zur Erklärung dieses Phänomens 2 Gründe denkbar. Entweder suhlen die Mitglieder die innere Leere, sind unbefriedigt mit dem bisherigen Gottesdienst und haben sich deshalb entschlossen, zum Alten, Hergebrachten zurückzukehren, und es wäre ganz natürlich, daß sie statt des verstorbenen Predigers, der nur groß durch seine deftructive Tendenz war, einen Orthodoxen berufen, damit dieser ihrem erwachten religiösen Bedürfnis genüge. Oder aber es ist gar kein innerer Grund zur Erklärung dieser Wahl aufzusinden, sondern es hat sich eben kein besserer Bewerber gemeldet, und taute äe mieux nimmt man einen Orthodoxen, der sich dazu avbietet. Was nun die erste Annahme betrifft, so ist uns nicht das Mindeste von einer Sinnesänderung der Tempel-Mitgl. bekannt. Dieselben leben nach wie vor fern von jeder religiösen Observanz, entweihen den Sonnabend, feiern den Sonntag, besuchen nicht den Tempel, ganz wie bisher, so daß sich oft der Prediger gemüssigt sieht, gegen diese unerhörte Gleichgiltigkeit in Anhörung der Predigten loszudonnern. Es bleibt also nur der zweite Grund übrig, und nun möchten wir doch eigentlich wiffen, mit welchem Herzen und welcher Gesinnung solch ein orthodoxer Prediger an die Spitze des T. tritt. Behält er seine Gesinnung bei, so muß ein steter Kampf zwischen ihm nebst seinem religiösen Leben und den Mitgliedern des T., die das nicht dulden können, stattfinden, wobei er nothwendig den Kürzeren zieben muß, und entweder, wenn er es ehrlich meint, seine Stelle, oder wenn er den pecuniären Vortheil vorzieht, seine Gesinnung aufgeben müßte. Hat er aber seine Gesinnung schon vorher geändert, so verdient er eben nicht mehr den Namen eines orthodoxen Predigers. Unsre Meinung aber ist , daß jeder Geistliche, der sich nur zum Tempel meldet, eo ipso schon als aus den Reihen der Orthodoxie gestrichen zu betrachten ist. Es entschuldige sich doch Nrnmand mit Unkenntniß der Principien des T., diese sind zur Genüge durch Lehre und That bekannt. Es glaube ferner Niemand, daß es ihm gelingen könnte, die T.-Mitglieder zu beffern, es wäre dies eine Arbeit, vor der selbst ein Herkules zurückschrecken müßte. Sagen ja doch unsre Weisen nnvD Twyi na hjhem may din "oy» jra. Und Letzteres möchten wir betont wißen, denn es verlautet, daß auf Anregung des Dr. Sänger jetzt gar an Wochentagen, wenigstens an 'm a im T gebetet werden solle, natürlich von Söldlingen, die in klingender Münze bezahlt würden. Nach welchem Muster soll dies Gebet stattfinden? Das Gebetbuch des T.-Vereins ist für den Gottesdienst an Wochentagen nicht berechnet, da die Gründer des Tempels, dies fromme dahingeschwundene Geschlecht, nicht ahnen konnten, daß ihre Nachkommen einst w entartet sein würden, auch an Wochentagen beten zu wollen! Es müßte also an Wochentagen nach alter Fa^on, und nur an den Feiertagen nach freier veredelter (k) Manier gebetet werden. Läßt sich da aber nicht mit dem Propheten ausrufen '->Lr> ob-, ddtb dn? ’O. Unsrer Meinung nach müßte ein Prediger, der es ernstlich mit der Besserung der T. Gemeinde meint, zuerst damit anfangen, ihnen zuzurufen 'm iain ism, d. h. haltet den natp, übt bis practischen Gebote des Judenthums, denn das Beten allein macht nicht den frommen Juden aus; wenn ihm dies gelingt, dann hat er ein wahrhaft verdienstliches Werk gethan. Allein unserer Meinung nach ist das ganze Project des Betens im Stempel an Wochentagen ein todtgeborenes Kind, denn so lange das innere Bedürfniß die Templer nicht dazu antreibt, bleibt jede, selbst ernst und gut gemeinte Wirksamkeit des Predigers eine illusorische, und bis dahin sind wir noch lange nicht gelangt. Es ist auch noch kein Jota an dem Gebetbuche des T. (auf dem der onn des früheren Hbger i'a ruht, und außerdem das Verbot des sel. BernayL nain nScn naino ^snr6 tdn) geändert, mithin walten die Grundsätze, die den T. bisher, wenn auch mit großer Mühe und bedeutendem Kostenauswande getragen haben, noch vor. Wir sagen „mit großer Mühe," denn es können die meisten seiner Anhänger nicht seine Besucher genannt werden, da fte das Geschäft am nat? zu sehr in Anspruch nimmt, als daß