Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1867)
- Date
- 1867-11-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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626 Vermögen: RentirendeS45515 fl.: Nichtrentirendes 133008 fl. 4/* kr. Schulden 57946 fl. 35 kr., K daß das reine Activoermögen 120576 fl. 25V* kr. beträgt. Zu unsrem Vergnügen sind wir nunmehr in der Lage über die Stiftung der „Claus-Schule" Näheres beachten zu können, da wir inzwischen Notizen hierüber erhalten haben. Wir werden sowohl in diesem Betreffe, als auch über die in derselben Synagoge von Zeit zu Zeit stattsindenden Vorträge des hier privatisirenden Rabbiners Herrn Nekarsulmer, welcher früher in Schnaittach fungirte, uns des Genaueren verbreiten. S. H. Breslau, im November. Bei den Handelskammerwahlen, die unlängst hier stattfanden, wurden 4 Juden gewählt, ein Resultat, das um so höher anzuschlagen ist, als im Ganzen nur 7 Repräsentanten zu wählen waren. — Dr. med. Weigert, einer der beliebsten und gesuchtesten Aerzte hiesiger Stadt, auch Hospitalarzt im Fränkelischen Krankenhause, erhielt den Kronenorden. — Banquier Bernhard hat zur Feier seines 7Ojahrigen Geburtstages der israelitischen Armenkaffe 2000 Thlr. übergeben, damit von den Zinsen verschämten Armen Brennmaterialien für den Winter angeschafft werden. — In der Wahlversammlung der nationalen-liberalen Partei wurde zu den bevorstehenden Abgeordnetenwahlen vom Partikulier Riemann der bekannte Reichtagsabgeordnete Laster aus Berlin vorgeschlagen. indem der Redner dabei hervorhob: „daß Laster Jude sei, und daß es eben setzt opportun erscheine, für die Gleichberechtigung der Konfessionen einzutreten und ein thatsächliches Petitum an das Abgeordnetenhaus zu richten. Es sei auch für das allgemeine Staatswohl von der höchsten Wichtigkeit, daß endlich die Kluft zwischen den verschiedenen Religionsgesellschaften aufhöre. Die Gesetzgebung müsse mit der Ausgleichung voranaehen, dann werden auch die Borurtheile im Volke schwinden. Darum empfehle er Lasker." Nach Riemann, deffen Worte mit stürmischem Beifalle ausgenommen wurden, sprach Rechtsanwalt Lent (früher Abgeordneter und aus dem zweiten Polenprozeß her bekannt): „Es werde gewiß Niemand in der Versammlung sein, der nicht in Betreff der Gleichberechtigung aller Religionsgesellschaften mit bem Vorredner übereinstimme. Es fei die Blüthe aller Cultur und des religiösen Bewußtseins, nicht nach dem religiösen Bekenntniß des Einzelnen zu fragen. Aber nicht weil er ein Jude ist, sei er für Lasker, sondern weil er Lasker ist, der liebenswürdige kräftige Mann von großem Scharfsinn re." — Mit großer Majorität wurde Affeflor Lasker von der national-liberalen Partei in Breslau als Kandidat aufgestellt. (Abdl.) Lübeck, im Marcheschwan. (Privatmitth) In Mecklenburg möchte man mit Gewalt die Augen vor den Thatsachen schließen, die sich im Bereiche des Norddeutschen Bundes durch die Bunde-verfaffung vollziehen, und bemüht man sich auch deßhalb, den neulich von uns gemeldeten Beschluß des Nordd. Reichstages in Betreff der Mecklenburger Juden, da man ihn nun einmal als fait accompli nicht dahin wünschen kann, wo man in Rostock und Wismar die Juden wiffen möchte, wenigstens als für Mecklenburg nicht unmittelbare Folge habend darzustellen, und dadurch quasi den verbissenen Groll einzulullen, den man über Bismark und seinen Nordd. Reichstag tief im Herzen empfinden mag, weil diese nun mit einem Male die Juden in dieselben Rechte einsetzen wollen, die bis dato nur z. B. der echte mecklenburger Junker als Privilegium genoß. Ja selbst die Mecklenburger Regierung, von deren nunmehr merklichen Schwenkung zum Bessern wir in einem früheren Artikel Notiz genommen, scheint diese Thatsachen doch nicht ganz verschmerzen zu können und läßt daher durch ihr Organ all Denen Worte des Trostes und der Beruhigung sagen, die sich durch die angeführten Beschlüffe des Reichstages in ihrem Rechte alterirt fühlen könnten. Nach einem, wie es scheint, offiziösen Artikel der „Mecklenburger Anzeigen" nämlich wird die Verhandlung aus dem Nordd. Reichstage über die Judenverhältniffe und die Verfassung rn Mecklenburg keine unmittelbare Folgen haben, zumal die Resultate der Anträge als den konservativen Interessen in Mecklenburg durchaus günstig aufgefaßt werden Inwiefern mm diese Auffassung gerechtfertigt ist, können wir nicht bestimmen, da dies nur hauptsächlich darauf aukömmt, was man unter diesen „conservativm Interessen" versteht, soviel aber können wir sagen, daß die bisherigen Bestrebungen der Vertreter der conservativen Interessen in Mecklenburg nicht dahin gingen, daß man Grund hätte, anzunehmen, das Resultat der Reichstagsverbandlungen sei diesen Interessen günstig Man mag sich «unwohl jetzt gern den Anschein geben wollen, als habe man das schon längst gewollt, wozu man jetzt gezwungen wird, wir finden dies aus dem Grunde begreiflich, daß man sich dadurch wenigstens die Demüthigung einer abgenöthigten Resignation ersparen will; was wir aber nicht begreifen, ist die Behauptung der „Mecklenburger Anzeigen", daß die Reichstagsbeschlüsse keine unmittelbare Folgen für Mecklenburg haben. Wie man sich in Mecklenburg noch mit iolchen sanguinischen Hoffnungen trösten kann angesichts der ftricten Durchführung aller neuen Bestimmung innerhalb des Bundesgebietes Seitens der Bundesregierung, bleibt uns ein Räthsel, wenn wir anders nicht zu deffen Lösung annehmen sollen, daß man in Mecklenburg noch immer mit dem tröstenden Gedanken umgehe, der energische preußische Premier würde bei Mecklenburg Rücksichten kennen, Rücksichten, die ihm den einmal betretenen Weg zur deutschen Einheit bedeutend mühsamer machen würden. Es scheint uns beinahe, als fühlen die „Mecklenburger