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Der Israelit · 1867-11-27 · Heft 48 (27.11.1867) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 48 (27.11.1867)
Date
1867-11-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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826 Die Schiffe ihre Straße auf- und abdampfend auf Dem geduldigen Strome, der oben und unten und in der Mitte üderbrückt ist mit zahlreichen Prachtbrücken, auf beiden Seiten befördern die Schienenwege die hin- And hereilende Menschheit. — Mit den Burgen des Mittelalters, mit seinen Raubrittern, mit den Religionskriegen seiner letzten Jahrhunderte sind auch die Voruriheile desselben gefallen. Alle Völker, alle Menschen verbrüdern sich, und in Genf tagt gegenwärtig ein Congreß, um Pfaffen und Tyrannen zu stürzen, dagegen den allgemeinen, ewigen Frieden der Völker zu begründen." Er schwieg, wie um Athem zu holen, Muth zu gewinnen. „Friederike," sagte er dann — er nannte sie schon eine Zeit lang beim Vornamen — „wir find jetzt fast vier Monate beisammen gewesen; es war die schönste Zeit meines Lebens! Friederike, ich habe Sie achten, ich habe Sie lieben gelernt; ich glaube Ihrer nicht unwürdig zu sein. Friederike, wollen Sie die Meinige werden?" Friederike schrie laut auf, so daß die übrigen Paffagiere des Dampfboots aufmerksam wurden. „Entfernen Sie Sich jetzt," sagte Frau Skopp zu Laditz „lasten Sie mich mit meiner Freundin allein." Und Laditz ging an das andere Ende des Dampsboots; dort beugt er sich über das Geländer und blickte in die grüne Fluth. Friederike aber setzte sich nieder und weinte bitterlich. Frau Skopp ließ sie sich ausweinen. „Nun," fragte sie endlich, „darf unser Freund hoffen?" Ein neuer Thränenstrom brach aus Friederiken's Augen hervor. „Ach," schluchzte sie, „ich soll untreu werden dem Glauben der Väter, soll meine frommen Eltern im Grabe so beleidigen! — Nimmermehr!" „Was aber wollen Sie thun? Wollen Sie Ihr ganzes Leben vertrauern? Können Sie als Jüdin sich wieder verheirathen? Doch ein Anderer, Geschickterer soll selber für sich sprechen." Sie rief Laditz herbei. „Friederike," sagte dieser, als ihm Frau Skopp Die Worte der armen Verlastenen wiederholt hatte, „ich würde mich nicht einen Augenblick bedenken, um Ihretwillen Jude zu werden. Für mich ist die Religion eine bloße Form. Aber, wie mir unsere Freundin erzählt hat, dürfen Sie als Jüdin nicht wieder heirathen. Laffen Sie Sich also taufen, werden Sie protestantisch. Dann laffen wir den Or. Sebulon als verschollen erklären, und unserer Vereinigung steht nichts mehr im Wege." Friederike bedeckte ihr Gesicht mit beiden Händen. „Ich kann nicht, ich kann nicht!" schluchzte sie.. „„Würden Sie meinen Antrag annehmbar sinder^, wenn wir als Inden mitsammen leben könnten?"" „ Ich achte und ehre Sie und würde mir keinen: bestem Lebensgefährten wünschen." „„Nun gut, so will ich Ihnen einen Vorschlag machen. Wir landen bald bei einer großen Stadt, in der sich eine alte jüdische Gemeinde und ein auch in unserm Vaterlande gekannter Rabbiner befindet. Gehen Sie zu diesem Rabdinen. Gestattet er Ihnen,. Sich wieder zu verheirathen, so trete ich aus dem österreichischen Unterthanenverbande und werde Jude. Gestattet man Ihnen aber die Heirath nicht, so bleibt Ihnen nichts Andres übrig als die jüdische Religion und deren starre Formen mit der freieren protestantischen zu vertauschen; dann werden Sie Christin, und ein protestantischer Geistlicher wird unfern Ehebund einsegnen."" Laditz schwieg, und Friederike blickte starr vor sich nieder. Das Dampfboot war indeß in die Nähe deA Binger Loch's gekommen. Der Strudel warf weißen. Schaum empor. „„Friederike"" nahm Laditz wieder das Wort, „„sehen Sie diese Felsen, an denen sich die Wogen brechen,, so daß sie brodeln und schäumen? Das ist das Binger Loch. Früher war es bei weitem enger. Da konnten die Schiffe nur mit großer Gefahr dasselbe passiren. Alle, die sich darauf befanden, sanken in die Knie und beteten; aber häufig fruchtete das Gebet nichts, und das Schiff zerschellte, unö die Menschen starben eines vorzeitigen Todes. In neuerer Zeit ist man klüger geworden; man hat die Felsen gesprengt, und die Schiffe fahren ungehindert durch. Sprengen, auch Sie die hemmenden Felsen und passiren Sie dann Ihren Lebensweg frei und glücklich. — Gehen Sie auf meinen Vorschlag ein?"" „Ich gehe darauf ein!" sagte sie, ihm die Hand reichend. Laditz führte ihre Hand an seine Lippen. Der schöne Rhemgau blieb von den Dreien unbemerkt. Nicht Bingen mit seiner Burg, in der einst Heinrich V. seinen Vater Heinrich IV. gefangen hielt, nicht Rüdesheim, wo einst Karl der Große die ersten Reben pflanzte, nicht Johannisberg, nicht Ingelheim wurden von unfern Reisenden beachtet; Alle waren zu sehr mit den eigenen Gedanken beschäftigt, als daß: die Außenwelt noch Jntereffe für sie gehabt hätte. Die Sonne war bereits hinter den Bergen verschwunden, als das Dampfboot das Ziel seiner Tagfahrt erreichte. (Forts, folgt.) Hierzu eine Beilage._ Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann^ — Verlag der Le Rouxschrn Hostuchhandlung. — Dampf»Schnellpressendruck von. I. GotlSleben in Mainz.'

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