Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1867)
- Date
- 1867-11-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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821 Nedr, «chatten in der, in Folge Erlasses der hohen Statt- Halterei, am 30. und 31. Oktober a. c. in Brünn fiattgehabten Versammlung der mährischen Rabbineu, Lehrer und Gemeindevorsteher. Von Dr. Herrniaim Lipschitz, Rabb. in Butschowitz. (Schluß.) Nachdem ich nun, im entschiedenen Gegensätze zum Standpunkte des ehrwürdigen Landrabbinates es unverholen ausgesprochen, daß ich die Gründung einer die Vorbereitung von Gymnasiasten zum Rabbinate bezweckenden Talmudschule mit allem Nachdrucke perhorrescire, dürfte es für mich überflüssig sein, auf die sernern, das Wie und Wo des eventuellen Instituts besprechenden Punkte des mehrerwähnten Memorandums einzugehen, allein diese Punkte haben in mir Gedanken und Gefühle erweckt, die ich unmöglich verschweigen kann, und spreche ich mit Renern weisen Temoniter toi' '0 -ispi: Wer ist im Stande die sich mit unwiderstehlicher zwingender Gewalt hervordrängenden Worte zu unterdrücken?! — Die Talmudschule soll, einem Gymnasium sich anschließend und mit diesem parallellaufend, 8, respective 10 Stunden in der Woche ihren Hörern geöffnet sein. Also den ganzen lieben Tag soll der Jüngling mit dem Studium der profanen Wissenschaften beschäftigt sein, und etwa eine Stunde täglich, sage eine Stunde täglich, auf das hebräisch-talmudische Studium verwenden. Und welches talmudische Wissen soll der Zögling in die Anstalt mitbringen? Die Kenntniß einiger Mischnatraktate, das heißt blutwenig mehr als gar nichts. Nun soll eine Stunde täglichen Unterrichts, gerade soviel wieviel die Arithmetik, die deutsche Grammatik, oder ein ähnlicher Unterrichtsgegenstand der Volksschule in Anspruch nimmt, genügen, um fast aller Talmudkenntniß baare Schüler zur selbstständigen Forschung auf dem unermeßlichen und unergründlichen Gebiete der talmudischen Wissenschaft zu präpariren und zu befähigen. Und in dieser acht- oder zehnstündigen wöchentlichen Unterrichtszeit sollen nicht Talmud und Commentare, sondern alle Fächer des gesammten, weitverzweigten Mischen Wissens, die Logik und Metaphysik nicht ausgenommen, tradirt, und noch obendarein Anleitungen zu homiletischen und didaktischen Uebungen ertheilt werden. Das ist nach meinen Begriffen geradezu etwas Absonderliches! — Ebenso erscheint mir die Wahl der Lehrobjccte wie der Lehrbücher als eine ziemlich verunglückte. So ist es z. B. sehr befremdlich, daß die Schrift „Chaje-Adam" zum Lehrbuche der Halachah vorgeschlagen wird, während dieses Compendium, wie jedem Sachkundigen bekannt, und wie dessen Verfasser selber in der Vorrede bemertt, für den Halachechsorscher wohl zum Repetiren der aus den Werken der größer« Codificatoren geschöpften Lehrsätze, keineswegs aber zum Erlernen der rituellen Satzungen und Bestimmungen sich eigne; und als eine wahre Abnormität mntz es angesehen werden, daß der jüdische Theologe, der aus halachischem Boden über das Niveau des „Chaje- Adain" nicht hinausgekommen, auf intuitiv -speenlattvem Gebiete bis zu den schwindligen Höhen des „More-Nebuchim" sich versteige. Kurz, der ganze Lehrplan ist nach meinem Dafürhalten ein mißrathener und eine Anstalt, welche nach dieser Schablone gebildet wäre, würde durchaus keine befähigten Menschen, sondern unglückselige geistige Zwittergeschöpfe in die WÄt schicken. Freilich, wenn man die wissenschaftliche Befähigung mancher bereits fungirenden Rabbinen als Maßstab für die Rabbiner in spe zu fordernde Wissensdosis nehmen wollte, dann würde eine Lehranstalt wie die questionirte mehr als genug leisten, aber ich sollte doch meinen, daß die Aufgabe einer Rabbinerschule dahin gehe, Rabbiner wie sie fern sollen heranpMden, und nicht — wie leider manche in unfern Tage« sind. — Auch der Ort, den das Menrorandum zum Sitze der zu creirenden Schule anempfiehlt, kommt mir als durchaus unpassend vor. Ich sehe ab von dem crasseu Widerspruche der darin liegt, daß das Memorandum das Institut unter der direkten Leitung des Landrabbinates, und zugleich in einem von dessen Wohnsitze meilenweit entfernten Orte wissen will, auch will ich nicht davon reden, daß Brünn, trotz seiner zahlreichen und gewiß achtenswerthen jüdischen Population, weniger Talmudkenner und geringere Borräthe an jüdischen Büchern besitzt als manche untergeordnete Gemeinde dieses Landes, und Umgang mit talmudischen Forschern, und Benützung hebräischer Büchersammlung ein dringendes Erforderniß für den Talmudschüler sei; auch abstrahire ich davon, daß die in Brünn prädominirende religiöse Richtung durchaus keine solche sei, daß sie geeignet wäre, auf das, für die äußern Eindrücke empfängliche Gemüth des Jünglings erhebend und ermuthigend einzuwirken: aber ich will nur daS Eine erwähnen, daß ein Ort von so scharf prononcirtem industriellen Charakter, wie ihn Brünn besitzt, ein Ort, in welchem der Erwerb die höchste Potenz bildet, und das Maschinenrad als die Alles treibende und Alles bewegende Macht verehrt wird, keineswegs sich eigne zum Sitze einer der Pflege jüdischen Wissens und jüdischen Geistes und jüdischen Lebens geweiheten Anstalt. Welch' ein harter bitterer Seelenkampf ist dem Jünglinge bereitet, welche heillose Widersprüche müsse« sein Herz verwunden und zerfleischen, wenn er in der Schule die von dem Geiste sittlicher Vollendung durchhauchten, zu einem ethisch-heiligen Leben auffordernde« Sentenzen unserer unsterblichen Weisen vernimmt, und