Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1867)
- Date
- 1867-11-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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810 tion gewesen, darin eine Zurücksetzung erblickte, aber daS konkordattiche Oesterreich konnte sich zur Verleihung dieses hohen Ordens an einen Juden nicht leicht bequemen, uud so blieb die Sache aus sich beruhen. Nun ist Ba^on James aber als ein großer Freund Oesterreichs und seiner Dynastie bekannt. Die Anhänglichkeit an daS HauS Oesterreich ist ihm, sowie seiner Familie gleichsam zur Tradition geworden, aber insolange das Konkordat für unantastbar galt, konnte man selbst zu Gunsten eines solchen gewichtigen Freundes keine Ausnahme von den herkömmlichen Traditionen machen. Erst die Reise des Kaisers nach Paris hat den unerhörten Umschwung zuwege gebracht, und die Auszeichnung erhält noch einen höheren Werth, indem sie von den Brüdern des Kaisers überreicht wurde. (Fr. - Bl.) Pesth. Die Opernsängerin Fanny Conti wird zum Judenthum übertreten, um den Opernsänger Danolky heirathen zu können; sie geht zu diesem Behufs nach Weimar. Bemerkenswerth ist es, daß eine Schwe- > ster ihres zukünftigen Gemahls, die Opernsängerin Frl. ( Dalnoky, vor einigen Wochen in Großwardein zum ' Christenthume, ebenfalls wegen der Heirath mit einem! in Stettin jetzt engagirten Sänger, übergetreten ist. « (Diese Leute wechseln die Religionen, wie andere Men-! schen die Kleider wechseln.) > Agram, 5. Nov. Die Landesbehörde wendet ' ihre volle Aufmerksamkeit der politischen Reorganisation! der ungarischen, croatischen und banaler Militärgränze zu, da sich diese Institution mit Rücksicht auf die po-; litischen und socialen Beziehungen Oesterreichs zu sei- , nen Nachbarstaaten bereits seit lange überlebt hat. i Zu den Sondergesetzen dieses Landes gehört auch die; seit Jahrhunderten bestehende Ausschließung der Ju-! den, nicht bloß von der Besitzfähigkeit sondern auch von | der Ansässigkeit und dem Aufenthaltsrecht im Militär- * gränzland. Dieses Gesetz soll nun aufgehoben wer- 1 den. Seit einem Jahre besteht es überdies nur noch i im Pnncip. Vor mehr als einem Jahre erhielt bereits ein jüdischer Schneider, Namens Adler, nach den! zurückgelegten Militärdienstjahren die Erlaubniß, auch! ferner seinen Aufenthalt in dem Orte zu nehmen, wo j er bisher stationirt war. Später wurden ähnliche! Begünstigungen noch mehreren jüdischen Handwerkern - zu Theil, doch blieb ihnen die freie Religionsübung j vorenthalten. Im verflossenen Sommer erhielten end-! lich auch die jüdischen Badegäste von Mehadia (Heri kulesbad) in Folge des von ihnen überreichten Majestätsgesuches, den Bau eines Tempels in Mehadia bewilligt. Doch sind und bleiben dies nur „Ausnahmsfülle" und handelt es sich nur um die gesetzliche Regelung der politischen und socialen Verhältnisse und Rechte der Juden im gegenwärtigen Militärgränzgebiete. ES sind dies übrigens nur Vorarbeiten zur gänzlichen Aufhebungen der Souderverhältniffe dieses Landes. Prag, 7. Nov. Zur Ergänzung des in diese» Blättern bereits ausführlich geschilderten Leichenbegängnisses des seligen Herrn Oberrabbiners Rappoport, habe ich noch hinzuzufügen, daß bei demselben, obwohl es am on^in und stattfand, auf Anordnung eines bedeutenden Talmudiften im Badhofe das O'vn man Gebet rccitirt wurde: der Vortrag dieses Gebetes brachte aus die Tausende von Anwesenden eine erschütternde Wirkung hervor und die Rührung war so groß, daß die Augen Aller von Thränen Überflossen. Der Verewigte testirte der Gemeinde seine kostbare hebräische Bibliothek und der Altneusynagoge 2 n"D und 500 fl. E).-W.; auch viele Hausarme wurden von ihm reichlich bedacht. Gleich den Tag nach n"i am vorigen Donnerstag hielt der Rabbiner der Hochsynagoge, Herr Singer, ein grundgelehrter und bescheidener Mann, einen äußerst gelungenen Heßped, der zahlreich von den frommen Verehrern des Verewigten besucht war. Sonntag fand in der Meiselsynagoge die von der Repräsentanz veranstaltete Trauerfeier statt. Herr Profesior Dr. S. I. Kämpf hielt eine gehaltvolle Rede, in welcher er die großen Vorzüge des Dahingeschiedenen und dessen Eigenschaften als Mensch, als Gelehrter, als Rabbiner schilderte. Der Besuch der Feier war ein massenhafter; erst als nach der Predigt Herr Or. Stein in seiner Pastoralen Manier, bei offener Bundeslade!!! ein Todtengebet zu recitiren begann . da entfernte sich das Publikum ziemlich rasch. Die Oefsnung der Bundeslade bei einem Gebete für die Tobten ist eine seltsame Ceremonie, die blos in der excenttischen Manier des v,. Stein ihre Begründung finden mag, der sonderbarer Weise dieses Jahr an den hohen Feiertagen alle pn"a nirpnö aus Anstandsrückstchten (!) abschaffte. — Da hier jede Synagoge ihren Prediger hat und keiner dieser Herren sein Licht unter den Scheffel stellen mag, so werden wir von einer Fluth von Trauer- und Gedenkreden überschwemmt. Alle gleichen einander mehr oder weniger; Jeder nach seinem Standpunkt glaubt in dem Verewigten seinen Parteimann in Anspruch nehmen zu müssen. Die beste von diesen Gedenkreden ist die von Herrn Or. Hoff in der Pinkassynagoge abgehaltene. Auch an Trauergedichtcn auf den Verewigten in hebräischer Sprache fehlt es nicht. Die Herren Peter Smolensky und Jonas Spitz haben jeder eine rmp veröffentlicht. Elfterer unter dem Titel rum ou’p, der sich ein isd.i anschließt; der Letztere betitelte sein Opus vu bip. Beide sind der Cultusrepräsentanz gewidmet, welche den betteff. Herren Verfaffern Dankschreiben zukonrmen ließ. Frankreich. Main), den 17. November. Soeben bei Schluffe des Blattes erhalten wir zu unserer tiefsten Betrübniß eine erschütternde Nachricht. Unser verehrter theurer Freund, Herr Salomo» Wolf Klein, Sonst-