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Der Israelit · 1867-11-20 · Heft 47 (20.11.1867) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 47 (20.11.1867)
Date
1867-11-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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VIII. Jahrgang. Beilage zu Nr. 47 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Gericht. Mainz, den 13. November. nJE'D, Lehr- und Uebungsbuch für den ersten Unterricht in der Mischnah. Enthaltend den Mischnahtraktat rwo sammt deutscher Uebersetzung, einem kurzen hebräischen Commentar, wie auch Einleitungen und Dialogen zu jedem Abschnitte, bearbeitet für jüdische Schulen und zum Selbstunterricht, vonOscarLipschütz inHamburg. Eine erfreuliche Wahrnehmung unserer Zeit ist es, daß die jüdische Jugend in vielen großen Städte» seit ungefähr 10 Jahren wieder ein ernsteres Streben zeigt, sich Kenntnisse in der jüdischen Literatur, soweit es während ihrer Schulzeit thunlich ist, zu erwerben. Dieß verdankt man den in diesen Städten errichteten Hähern Unterrichtsanstalten, die sich zur Ausgabe gestellt haben, nrcht nur die profanen Wissenschaften in ihrer ganzen Ausdehnung gleichwie in den entsprechenden christl Anstalten zu lehren, sondern auch dem hebr. Unterricht den gebührenden Rang einzuräumen. In diesen Anstalten werden nämlich keine sogenannte Religionsbücher, aus denen den Schülern nur eine Blumenlefe der hl. Thora g-geben werden kann, benützt, vielmehr werden die Schüler an die Quellen geführt, in der hl. Thora selbst, in der schriftlichen Lehre sowohl als auch in der mündlichen unterrichtet. Gewöhnlich wird mit den dazu befähigten Schülern in ihrem 10. Jahre der Unterricht im Talmud begonnen. Soll jedoch dieser Unterricht mit Erfolg gekrönt fein, so ist es, wenn auch nicht unumgänglich nothwendig, aber doch von großem Nutzen, wenn die Schüler durch den Mischnahunterricht darauf vorbereitet werden, und dieses geschieht, sobald die Schüler nur einige Bücher des Pentateuchs übersetzt haben, gewöhnlich im 8. Jahre, vorausgesetzt, daß die Schüler schon in ihrem 5. Jahre in die Anstalt eintreten. Diese Vorbereitung zum Talmudunterricht zu erleichtern, bezweckt obengenanntes Buch. Wer da weiß, welche große Schwierigkeiten der Lehrer beim Anfangsunterricht in der Mischnah bei solchen jungen Schülern, die noch nicht einmal die rabbinische Schrift lesen können, zu überwinden hat, der wird, wie ich, vorliegendes Lehrbuch in der Mischnah mit Freuden begrüßen. Der Text der Mischnah ist in deutlicher Eurrentschrift gegeben; schwer zu lesende Wörter find durch m dem Text angebrachte Jnterpunetion erleichtert. Jedem piB geht eine erklärende Einleitung voran. Diese gibt im Voraus eine klare Neberficht Über das Hauptsächlichste im jedesmaligen Abschnitte, und sucht es dem Begriffsvermögen des Schülers anzupaffen. Nachdem der Schüler dergestalt auf den kommenden Abschnitt vorbereitet worden, wird zum Mischnah Abschnitt selbst geschritten, wo der Schüler mit Hilfe der neben dem Mischnah-Text fortlaufenden Uebersetzung, durch die Aufschlüffe, die er bereits in der Einleitung erhalten, größtentheils selbst fortkommen kann. Die Uebersetzung bestrebt ftch, die Mitte einzuhalten zwischen einer wörtlichen und einer zugleich leicht verständlichen. Ist nun ein pns oder eine Mischnah auf solche Weise durchgenommen, so kann man sich des unter dem Texte sich befindenden hebräischen Qommentared bedienen, welcher in einem kurzen populären Auszug der Erklärungen des n"jn und anderer O’Bnso bestehend, für den elementaren Grad der Fähigkeit berechnet ist, den der Schüler auf diesem Gebiete einnimmt. ES läßt sich bei richtiger Benutzung des Commentares ein Doppeltes gewinnen: der Schüler wird erstlich durch die hier gegebenen Winke manches ihm bisher noch dunkel Gebliebene nunmehr nach und nach aufgehellt sehen, dann nnrd auch der Schüler mit dem rabbinischen Sprachidiom selbst hierdurch immer mehr vertraut gemacht. Am Ende des Abschnittes eröffnet der Dialog eine Rundschau über das ganze im Abschnitte Abgehandelte, wobei darauf gesehen wurde, den Stoff auf eine entwickelnde, heuristische Weise durchzuarbeiten, so daß der Schüler die gewonnenen Resultate durch den sich abwickelnden Faden der Fragen und Antworten wie von selbst sich zugeführt steht. Ein solcher Dialog ist nicht nur eine bloße Repetition, sondern er muß auch die wohllhätigste Einwirkung üben auf die für die Halacha zu entwickelnde Auffassungsfähigkeit des Schülers. Es läßt sich mit Bestimmtheit erwarten, daß dieses vortreffliche Buch bei der jüdischen Lehrerwelt Beifall finden und in alle Schulen, in denen man Unterricht in der Mischnah ertheilt, eingeführt werden wird; dann wird sich auch der Verfasser zur Fortsetzung seines Werkes, die ganze Mischnah auf solche Weise zu bearbeiten, angeregt fühlen. Schließlich nur noch für den Verfasser die Bemerkung, daß eS im Interesse des Unterrichts wünschenswerth wäre, wenn bei einer neuen Auflage die Uebersetzung nicht neben dem Mischnah-Texte, sondern am Ende des Buches zu stehen käme.

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