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Der Israelit · 1867-11-20 · Heft 47 (20.11.1867) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 47 (20.11.1867)
Date
1867-11-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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804 elegante Lobrede auf die jüdische Religion, von ihrem fokalen und moralischen Werth, von ihrer historischen Größe und ihrem allgemeinen Nutzen. Aber neue, «olle und ernste Bedürfnisse find für unsere Zeit vorhanden; ,,eS ist Zeit, die Seelen, die in dem Erstarren Vor Indifferenz schlummern, zu erwecken". Und um dieß zu erreichen, will der Oderrabbiner Verbesserungen, bessere Formen in unserem öffentlichen Gottesdienst, dessen Verfall er einsieht, einführen. Wir bedauern sehr, diese Meinung, diese Illusion unseres ersten Geistlichen nicht theilen zu können. Wir haben tausendmal gezeigt, daß die pompösen Tempel der Reformpartei in Deutschland, wo alle Reformen, erlaubte und unerlaubte, kurze Gebete in deutscher Sprache, Vocal- und Instrumentalmusik, Knaben- und Mädchenchöre, glanzvolle Predigt, abgekürzter Gottesdienst, dem oft Männer und Frauen in demselben Raume vereinigt beiwohnen rc. — eingeführt, dennoch beinahe das ganze Jahr hindurch leer, während die orthodoxen Synagogen stets von Getreuen angefüllt sind. Wenn auch der Herr Oberrabbiner das Wort „Reform" vermeidet, und nur von Verbesserungen, besseren Formen tmb dergl. spricht, so würde das Resultat der Veränderungen in Frankreich dasselbe wie in Deutschland sein, nämlich das Verlassen des Gotteshauses von allen Denjenigen, deren Herz todt ist für die Religion. Die Abschaffung der alten Gebräuche, geheiligt durch Jahrhunderte hindurch, wird nichts als die Schwächung des religiösen Gefühls und Verminderung in der Achtung für die Lehren und den Glauben unserer Väter selbst hervorbringen. Und wenn nun durch mehr oder weniger glücklichere Neuerungen einige Leute dein Gottesdienste zugeführt werden, was wird man dafür thun, daß diese Leute andere wichtigere Gesetze halten werden, z. B. das Beobachten der Speisegesetze, des Sabbats re.; welche Reformen wird man gebrauchen, um ihrer Uebertretung zu steuern? Gibt es da auch „neue Ideen", welchen man Rechnung tragen, und „neue Bedürfnisse", welche man befriedigen muß? Der Herr Oberrabbiner erinnert mit Recht daran, dgß der Friede auch ein Bedürfniß ist, und zwar das erste von allen, daß ebenso die Einigkeit eine Pflicht ist, und zwar die heiligste von allen, daß das französische Judenthum verschont geblieben von der Trennung, die leider jenseits des Rheines theilweise stattgefunden hat. Ist dieß aber nicht gerade deßhglb der Fall, weil das französ. Judenthum bis auf den heutigen Tag alle Reformen zurückgestoßen hat? Wer weiß, wie es um uns stehen wird, wenn die Ideen des Herrn Oberrabbiners Beifall finden und sich in ihren Consequenzen entwickeln werden? Wer weiß, ob er alsdann noch wiederholen kann jene schönen und tröstenden Worte: „"Die frauz. Synagoge ist einig, und! sie ist stark durch ihre Einigkeit; es gereicht ihr dies zur j Ehre vor den Menschen und zur Lobpreisung vor Gott". Der Hirtenbrief fährt alp» fort: „An der Spitze des Confistoriums fitzen gewichtige, aufgeklärte Männer, welche hinfichtlich der jüdischen Ritual- und Ceremonialgesetze verschiedene, sogar kühne und oft unausführbare Ansichten haben können, aber welche nicht die Anmaßung haben, fit in Ausführung zu bringen, weil sie wohl wissen, daß, wenn sie auch daS Recht haben, ihre Ansichten auszusprechen. ihr Recht doch nicht so weit geht, diese ihre Ansichten aufzudrängen". Nein, Herr Oberrabbiner, verzeihen Sre uns, wem wir zu glauben wagen, daß diese Männer nicht das Recht haben, ihre anti-israel. Meinungen vor der heil. Lade, vor der Gemeinde des Herrn cmSzusprechen, um das Geheiligte zu entweihen, wie eö der Präsident des Central-Consisstoriums gethan bat. Solche Leute, die über die Ritual- und Ceremonialgesetze abtrünnige, kühne, ja unausführbare Ansichten haben, Ansichten, die vom wahren, positiven, historischen Judenthume verdammt sind, solche Männer gehören nicht an dre Spitze unserer Administration, die' beauftrant ist, den heil. Glauben Israels zu wahren und zu schützen. Wie, ste reprä^ntir^n vor Gott und den Mensch-n eine Religion, die sie leugnen und verschmähen! Ihre Ehre und ihr Gewissen sollten ihn n einen solchen Mißbrauch, eine solche Comödie untersagen. Außer diesen Ideen, welche wir nicht für uns acceptiren können, finden sich in dem Hirtenbriefe viele Stellen, die uns großes Vergnügen verursacht haben. So z. B. die nachstehende: „Warum vergessen wir unsere Pflicht, daß wir oft *chon von frühester Jugend an unsere Kinder fremden Händen anvertrnuen, bei denen ihnen weder vom Gott ihrer Väter, noch von dem Cultus und den Satzungen ihrer Brüder Etwas, mitgetheilt wird, wo im Gegentheil Alles dazu beiträgt, sie dieselben vergessen zu machen und oft sie entwürdigen zu lassen?" Nachdem der Oberrabbiner seine Getreuen zur Eintracht und zum Frieden aufgefordert und das Erwarten ausgesprochen, daß sämmtliche Israeliten Frankreichs dafür einstehen mögen, die allgemeinen Institutionen, wie das Seminar und die Schulen überhaupt, zu unterstützen, iaat derselbe zum Schlüsse, daß, wenn seine Worte m's Herz gedrungen, wenn Jeder in seinem Wirkungskreise ferne Pflicht erfüllt, sich daS Wort des Propheten erfüllen wird: «bi npj/* ww' nnp tfr mm tjs nny, „Jakob wird sich nicht mehr schämen» Israel nicht medr erröthen müssen". ^Amerika. San Francisco. Nachstehendes entnehmen wir der Merkwürdigkeit halber einem Blatte aus Calrfornien» datirt vom 16. Sept.: Am Ende der letzten Woche wurden Einladungen an die Freunde deS Herrn H.

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