Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1867)
- Date
- 1867-11-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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801 Daß Sie Alle in diesem Punkte mit mir Vollkommen übereinstimmen «erden, erscheint mir als eine über allen Zweifel erhobene Gewißheit, und hoffe ich daher, mich Ihrer rückhaltlosesten Billigung zu erfreuen, wenn ich, anstatt zu den uns zur Lösung vorgelegten Fragen direct üderzugehkn, das erwähnte Gutachten zum Gegenstände meiner Bemerkungen machen werde. Auf die erste der vom hohen Ministerium ausgestellte» drei Fragen, nämlich auf die: ob eS nöthiß sei im Kronlande Mähren Talmudschulen zur Heranbildung jüdischer Theologen zu creiren, antwortet dieses Gutachten, daß dazu insofern eine zwingende Nothwendigkert vorhanden sei. als widrigenfalls den bis zum 20. Lebensjahre das Gymnasium bemchenden, und zum Rabbinate sich qualificiren wollenden Jünglinge« keine Gelegenheit zur Ertüchtigung in den jüdischen DisciplirMi geboten wäre, und die Gemeinden Gefahr laufen würden, in Zukmsit keine befähigten Individuen zu finden für vacant? Seelsorgerposten. Ich beuge mich lies vor den achtenswerthen Gefühlen der Liebe und Hingebung für die geistig-sittlichen Interessen und national-religiöse Fortentwickelung Israels, von weichen diese Äußerung des ehrwürdigen Lcmdrabbmaies in lo unverkennbarer Weise durchdrungen in. .-der übereinstimmen mit derselben kann ich, zu m-inem tiefsten Bedauern, mrt Richten, und darf ich. aus Liebe zur Wahrheit, es nicht unterlassen, bier frei und unumwunden zu erklären, daß ich die diesfüllioe landrabbinatlichen Intentionen nie die Motivirung derselben nie um mmmer gutheißen werde. — Es fciiiUe Sie, mein- «ehr geehrten Herren, höchlich wundern, daß ich selber Rabbiner, der Gründung öffentlicher Schulen für rabkimfche Wissenschaft entgegentrete, aber Sie werden sich hoffentlich von Jbrem Staunen erholen, wenn Sie die Güte haben werden, meine Gründe hiefür Ihrer werthen Aufmerksamkeit würdigen und eurer unbefangenen Prüfung unterziehen zu wollen. Wenn Sie dies thun, dann werden Sie die Uebezeuoung gewinne«, daß ich die in Rede stehende Jnstitutsschöpfung nickt darum mißbillige, weil ich keine, sondern weil ich gute Rabbinerschulen wünsche. Ich würde eine Anstatt zur Heranbildung tüchtiger, mit theologischem und weltlichem Wiffen reich ausgestatteter, wahrhaft würdiger Rabbiner mit aufrichtiger inniger Freude begrüben, aber eine Pflanzschule für Quasi-Rabbiner, für bloße Kuttenmänner, Bäffchenträger, für Leute , die nicht auf ihre persönliche Würdigkeit und screntifische Capacrtat, sondern nur auf ihre unverdiente Pergamentbulle als auf die Garantie ihrer Berechtigung zur Bekleidung des höchsten und heiligen Amtes, welches das Judenthum zu vergeben hat, Hinweisen können, ein solches Institut würde ich aus der innersten Tiefe meiner Seele verachten und verabscheuen. Dab Studium der specifischjüdrschen Wissenschaft unterscheidet sich dadurch von dem aller ander« Doctrinen, daß es nicht allein mit Liebe, Eifer und Hingebung, sondern auch mit sittlichem | Ernste, mit tiefer Ehrfurcht vor dem Lehrgetzenstantte und mit kindlich innigem Glaube« dn die Helligkeit und den göttlichen Ursprung desselben betrieben werden muß, so es heilsame Früchte trage», und in seiner! ganzen erhebende« versittlichenden und heiligenden Macht sich offenbaren wll. Das Studium der jüdi-; scher? Wissenschaft rst eine restgröfe Pflicht, und mich , als ein religiöser Akt. als eine gottesdienstliche Handlung mit innerer Weihe, und aus heiligem, göttliche« j Drange gepflogen werden. Wer für diese- Studium > kein inneres Bedürfniß hat. und ihm nur aus äußer» > materiellen Rücksichten sich einigermaßen zuwenvet;! wer in der jüdischen Wiffenschaft nicht in der Absicht j forscht, den nach höherer Erleuchtung dürstenden Geist 1 an der frischen Quelle der Gottesweisheir zu labm,! und an den woblthuenden Sonnenstrahlen der wahren; Erkenntlich Herz und Seele zu erwärmen und für! Gott zu entzünden, sondern um dadurch eine irdische! Existenz sich zu gründen, der entweihet das Wort j Gott s, der entheiliget unsere erhabene geoffenbarte j Lehre, und er wird auch nie diese Wisienschaft m ihrer I wahren höhere Bedeutung erfassen, und er wird, an-! statt ihr ein treuer Jünger, ein liebevoller Anhänger! zu sein, an ihr zum Verräther werden. Wer den! Talmud studirt, um Talmudist zu sein, der kann ei« i tüchtiger Talmudgelehrter und ein berufsgetreuer Rabi biner werden, wer aber Talmud studirt einzig und j allein um Rabbiner zu werden, der wird ein Stümper ' tm talmudifchen Wissen und ein ehrloser Rabbiner sein.! Was haben wir nun von einer Talmudschule zu er--! warten, die die Bestimmung haben sollte, denjenigen,! die das Gymnasium bis zum zwanzigsten Lebensjahre! frequentsten, und nebenbei ein kleinwenig Talmud l studiren, also das Studium des profanen Wissens zu ihrem eigentlichen Berufe, zu ihrer Hauptaufgabe, und das jüdische Studium zur untergeordnetsten Nebensache machen wollen, zur Ausführung ihres Vorhabens zu i verhelfen? I Die Schüler dieser Anstalt würden auS j keinen anderen Motiven in der jüdischen Lehre forschen, als um dadurch ihr zukünftiges Brod sich zu sichern, sie würden das Studium der heiligen Gottesgesetze als eine gewinnbringende „Arbeit," als „Geschäft" betreiben; und vor solchen Rabbinen, wie sie auS solchen Schülern werden müssen, möge uns Gott bewahren. Ach! Israel hat schon leider genug solcher Rabbinen, die ihr heiliges Amt als Melkkuh betrachten, und den Schwerpunkt ihres Berufes darin erblicke«, über ihre Pfründen ängstlich zu machen und die Stolagebühren pünktlich einzuheben, industrielle Seelen» die aus Utilitätsrücksichten gegen ihre innerste Ueberzeugung sprechen «ud lehren, und mit de» höchsten und heiligsten Gütern elenden Schacher treiben. Israel hat schon genug solcher Rabbiaen . denen es eher