Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1867)
- Date
- 1867-11-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Demselben einspännigen Wagen begegnete hierauf Mittags zwischen 11 und 12 Uhr im Klosterholze ein Metzger. Der Wagen fuhr abseits des Weges über einen sonst nur als Holzweg benützten steilen Hügel, über dm schlecht zu fahren war. Gleichwohl aber und trotzdem, daß das Pferd sehr müde schien, blieben die beiden Menschen sitzen und schienen darüber, auf diesem Wege plötzlich und unvermuthet einem Menschen zu begegnen, auffallend betroffen und erschrocken zu sein. Dieses erklärt sich zur Genüge, wenn ins Auge gefaßt wird, daß damals unter dem Spritzleder des Wagens sich die Leiche des Weiß befand. Die Spurm dieses Wagens verfolgte man bald darauf und gelangte am 27. Januar im Klosterholze an ein Dickicht, in welchem die Leiche des Max Weiß verborgen war. Die Leiche war stark zusammengebeugt, so daß sich das Gesicht dem linken Oberschenkel bis auf 4" näherte, die Taschen waren leer und umgcstülpt, nur ein Cigarrenetui mit 3 Zehnernoten und ein Ring am kleinen Finger war zurückgelassen worden. Am Halse aber rechts und links hatte sie zwei tödliche Stiche und außerdem eine das Rückenmark vollständig durchschneidende Wunde, so daß darüber kein Bedmken entstehen konnte, daß hier ein gewaltsamer und unmittelbar eingetretener Tod dem Leben des Weiß ein Ende gemacht hatte. Die Leiche war noch vollkommen gut erhalten, denn sie war mit einem Pelzmantel bedekt worden und über denselben war noch Reisig gebreitet, so daß der Kadaver vor Näsie und Feuchtigkeit geschützt bei der falten Temperatur motjl geschont blieb. Vom Orte, wo die Leiche lag, bis nach Dingolfing, hatte ein einspänniges Fuhrwerk wohl einen Weg von 11—12 Poststunden zurückzulegen, so daß, wenn bei der That Staringer mit seinen Genossen betheiligt war, wohl zwischen 10 bis 11 Uhr Vormittags der Mord verübt, und im Klosterholze die Leiche versteckt worden sein mußte. Nach Auffindung der Leiche konnte es dem Staringer nicht erspart werden, dahin zur Rekognition geführt zu werden. Hieraus war er nicht im Mindesten vorbereitet, und da war es, daß, als ihm der transportirende Gensdarm sagte: Da außen liegt ein Brockel, das wird dir gar nicht gefallen, — dem Staringer, wie vom Donner gerührt, die ganze Kraft gebrochen war. Etwa 1000 Schrillte weit konnte er nicht mehr ordentlich vortreten, machte kurze Schritte und obwohl sie kaum 12 Minuten aus dem Wege waren, trat ihm der Schweiß in großen Tropfen hervor. Nur allmählich ermannte er sich, und auf dem Rückwege ging er so schnell, daß > ihm der Gensdarm zurufen mußte, langsamer zu ge-! hen. Bei der Leiche aber sagte er nichts als: Ich! habe ihn nicht hergethanl Die Gensdarmerie gab sich! hierauf Mühe, durch die Ehefrau des staringer weitere Anhaltspunkte zu gewinnen, und diese äußerte am 7. Februar: Sie würde Alles sagen, aber ihr Mann habe es ihr verboten und ihr gedroht, daß eS ihr gerade so ergehen werde, wie dem Juden, wenn sie etwas eingestehe. Obwohl übrigens die Furcht vor ihrem Manne ihr den Mund lange verschloffen hatte, so erschien sie doch am 15. Februar vor dem Untersuchungsrichter mit den Worten: Ich bin dem Mann sein Weib, der den Juden Weiß umgebracht hat, ich sage, wie es ist. Es kommt die Zeit zum Beichten und beichte ich es nicht, so bin ich verloren, ich kann meinem Manne nicht heraushelfen. Sodann erklärte sie, daß ihr Mann auf der Unglücksfahrt zuerst den Juden angepackt hätte, der andere Genosse, Alois Ulrich habe nichts gethan, sondern das Pferd gehalten. Weiß habe aus dem Wagen springen wollen, sei aber mit dem Gürtel seines Pelzmantels an dem | Wägelchen hängen geblieben, und dann, als er sich losgemacht hatte, wäre Weiß beinahe noch entkommen, nun habe auf den Zuruf des Staringer aber auch Alois Ulrich beigeholfen, sie hätten ihn dann beide in den Hals gestochen. — Bei einer am 15. Febr. in der Wohnung des Staringer vorgekommene Haussuchung wurden auf dem Hausboden, zwischen den Dachziegeln versteckt, Banknoten und Obligationen im Betrage von 2200 fl. gefunden, ferner die Cylinderuhr, das Portemonnaie des Weiß, ein auf diesen als Gläubiger lautender Wechsel, Privataufschreibungen des Weiß, Coupons im Betrage von 145 fl. 15 1fr. und am 16 Februar brachte die Frau des Staringer noch eine Baarschaft von 291 fl., welche Staringer am 18. und 19. Januar von ungewechselten Coupons von Landshut mitgebracht und welche die Frau des Staringer der Untersuchungscommission abgeleugnet hatte. Nach einer solchen Fülle des gegen Josef Staringer vorliegenden Beweismateriales schien nur noch Eines zu erübrigen. Staringer hatte bis jetzt jede Wissenschaft von der Todesursache des Weiß in Abrede gestellt, denn er war dabei stehen geblieben, daß er bei der Wangelmühle den Weiß verlassen habe, und daß bis dahin nichts vorgefallen sei. Mit großem Geschick und Scharfsinn ließ nun der Untersuchungsrichter den Staringer zur Wangelmühle führen und sich ganz genau von ihm den Ort zeigen, wo er das Fuhrwerk verlassen haben wollte. Staringer bezeichnet die Stelle; wie war er aber betroffen, als ihn der Untersuchungsrichter eine Viertelstunde weiter des Weges zurück gegen Bruckberg zu führte und ihm die Stelle zeigte, wo die große Blutlache entdeckt worden war, wo zweifellos der Ort der That war und wo, wenn Staringer erst eine Viertelstunde ' weiter vorwärts bei der Wangelmühle ausgestiegen sein wollte, er nothwendig mindestens Zeuge der That gewesen sein mußte. Da fand er lange keine Antwort, und schwer gebeugt und tief aufathmend, langsam und zögernd entrang sich nun den Lippen des hartgesottenen Sünders ein Geständniß wenigstens dahin, dass