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Der Israelit · 1867-11-13 · Heft 46 (13.11.1867) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 46 (13.11.1867)
Date
1867-11-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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792 er ihn mit hem KsufSliebhaher erwarten, und dann «Mten sie sich nach Riederaibach zur Besichtigung der Schwaige begeben. Weiß hatte aukmgs wegen anderweitiger Geschäfte keine große Lust. Staringer redete chm aber brütender zu und als sich Weiß endlich da- -».herbeiließ, -es andern Tages zu kommen, so machte er ihn nach besonders darauf aufmerksam, ja viel Geld mitzvnehmen, dem: es ließe sich vielleicht ein yorcheilhafter Tausch oder dieses oder jenes abschließen. Nachdem Weiß zugesagt hatte, begab sich Staringer zurück in seine Wohnung nach Edelkofen und sagte ganz vergnügt zu seinem Weibe: „Er kommt schon, ich habe schon soviel gemacht, daß er kommt!" Andern Tages, den 16. Jauuar, es war ein nebttcht trüber, erst gegen Mittag aufgehellter Wintertag, es last viel Schnee — kam Morgens gegen 8 Uhr Weiß mrt einem einspännige» Khaischen «ach Edelkofen, hielt vor -er Wohnung des Staringer, und ohne daß Weiß, -ex kutfchirte, ausgestiegen war, nahmen alsbald Staringer und eine dritte Person, der angebliche Kaufsliebhaber, üu Wägelchen Platz. Mt diesem Augenblicke war das furchtbare Schicksal des Weiß besiegelt, der wie man später erfuhr, in Brieftaschen, in einem Reisesacke und in den versperrten Sitztrücherl des Wagens außer seinen Geschäftsbüchern an Staatspapieren, Pfandbriefen, Ostbahnaktien, Wechseln, Gold- und Silbergeld eine Summe von nahezu 30,000 fl. hei sich hatte, außerdem aber auch noch goldene Ringe, eine goldene Uhr, eine silberne Tabaksdose und eine doppelläufige Pistole mit sich führte. Sie fuhren über Bruckberg auf der Straße, die nach der Münchnerau führt, aber Weiß kam nicht nach Grillschwaige. Wohl aber fuhr an jenem Tage Nachts 11 Uhr ein einspänniges Fuhrwerk in Straubing zum Ludwigsthor hinein, worin ein Mann saß, während ein zweiter neben dem todtmüden abgehetzten Pferde einherging. Sie fragten nach einem Wirthshause und wurden zum Steinerbräu gewiesen, wo sie einstellten. Die Person, die im Wagen gesessen war, entfernte sich alsbald, aber auch der zweite, nachdem er sich für den Brauer von Geishausen ausgegeben hatte, ging fort, ohne beim Steinerbräu etwas zu genießen oder daselbst zu übernachten. Das Fuhrwerk blieb am 17. in Straubing stehen, Niemand kümmerte sich darum; am 18. aber brachte ein Bursche einen mit einer Zehnguldennote beschwerten Brief mit dem Beifügen, daß ihm denselben ein Mann im Bahnhofe zu Landshut zur Besorgung an den Hausknecht beim Steinerbräu gegeben habe. In dem Briefe stand, daß der Hausknecht das Fuhrwerk zum Duschlbräu in Landshut bringen, aus der Zehnguldennote aber sich bezahlt machen solle. Unterschrieben: Max Weiß. Es wurde nachmals erwiesen, daß Josef Staringer und ein bekannter Dieb Alois Ulrich, das Gefährte nach Straubing gebracht, und daß Josef Staringer den besagten Brief dem Burschen zur Besorgung nach Straubing übergeben hatte. Mittlerweile war an jenem 18. Januar auch -er Bruder dss Max Weiß »ach Laudshut gekommeu, um denselben der Verabredung gemäß daselbst zu treffen; auch andere Personen, die mit Weiß Geschäfte abzuwickeln hatten, erwarteten ihn, der jeden Freitag zu kommen pflegte und insbesondere auf diesen Freitag seinen Bruder noch eigws dahin bestellt hatte. Man wartet und wartet, aber vergebens; da sagt Jemand im Beisein des ebenfalls anwesenden Staringer: Wenn ihm nur kein Unglück passirt ist! Darüber lacht Staringer, läßt aber alsbald sein Bier stehen und entfernt sich. Er trifft dann später auf dem Bahnhofe mit dem Bruder des Weiß zusammen, aber gegen die sonstige Gewohnheit scheint er ihn eher zu meiden, als ihn zu suchen. Gleichwohl fährt er mit demselben Zuge mit dem Samuel Weiß nach München zurück, bis Bruckberg, da steigt er aber aus und ist um 5 Uhr wieder in Landshut beim Duschlbräu. Am nächsten Tage kommt Staringer nach Gindelkofen zu den Selmer'schen Ehegatten und läßt bei diesen verlauten, daß er — der doch früher kein Geld besaß — nicht abgeneigt wäre, die Hacksölde zu kaufen oder zu ersteigern, und zwei Tage später findet er sich abermals dort ein, und ohne daß noch irgend Jemand eine Ahnung von dem Schicksale des Max Weiß hatte, sagt Staringer zu den Selmer'schen Eheleuten: „Der Jude ist todt, der kommt nicht mehr, aber sagen dürft ihr nichts! Ja nicht! Mir werden sie einheizen, mir werden sie warm machen, weil die Sache einen Faden hat. Das Fuhrwerk des Weiß steht in Straubing und ist gestern nachgekommen." Bei dieser Erzählung, sowie überhaupt an diesem Tage schien er unverkennbar sehr aufgeregt, voll Unruhe, brennroth im Gesichte, gegen früher ganz verändert. Hierauf ladet er den Selmer ein, mit ihm zu trinken, zahlt ihm das Bier, ja er gibt ihm Geld, um mit ihm zu Wallachen, „damit der lange Tag vergehe." Beim Spiele aber ist er auffallend zerstreut, wirst den Blick alle Augenblicke aufwärts, scheint Seufzer zu unterdrücken, ist voll Gedanken, antwortet auf gestellte Fragen nicht — er, der sonst ein ausgemacht schlauer Kerl war. Unterdessen war Samuel Weiß, um seinen Bruder bekümmert, abermals nach Landshut gekommen; es stellte sich sofort heraus, daß die Unterschrift in jenem Briefe an den Hausknecht beim Steinerbräu nicht von Max Weiß herrühren kann, das Chaischen aber zeigte zahlreiche Vlutspuren im Innern, das Unterfutter des Spritzleders war herausgeriffen, dieses selbst wurde in Landshut in einer Nacht gestohlen, das Sitztrücherl war aufgesprengt und seines Inhaltes entleert. — Die allgemeinen Verdachtsgründe, welche schon jetzt gegen. Josef Staringer bekannt waren, veranlaßten die Gendarmerie auf denselben ein wachsames Auge zu haben. So begab sich denn am 21. Januar em Gensdarm zur

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