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Der Israelit · 1867-11-13 · Heft 46 (13.11.1867) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 46 (13.11.1867)
Date
1867-11-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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788 Commission, welche nach etwaigen Vagabunden forschen soll, Theil nehmen mögen. Folgendes ist die Antwort des Bürgermeisters: ES gibt Etwas, das über jedem Gesetze steht, das ist das Recht, welches wir haben, wir Rumänin, die ursprünglichen Besitzer dieses Landes, Euch Juden, der Ihr nur Miethlinge seid, zu vertreiben. Ihr könnt also daraus entnehmen, daß Ihr das Land, in dem Ihr nur in dieser Eigenschaft gewohnt habt, verlassen müßt." Asien. Calcutta. Den „Arch. Jsr." wird geschrieben: Einer meiner Freunde, in Calcutta etablirt, der zu den reichsten Banquiers der Stadt gehört, schickte mir vor ungefähr 14 Tagen den Bericht einer sehr interessanten Reise. Ich beeile mich, Ihnen denselben anliegend zu senden. Sie wollen davon Kenntniß nehmen, und wenn Sie ihn, wie ich, einer Veröffentlichung würdig halten, mögen Sie ihn in Ihre Zeitschrift aufnehmen. Ich werde Ihnen nichts sagen, mein Herr, über den Gegenstand, welchen diese Briefe behandeln, eine einfache -Lectüre wird Sie mit ihm bekannt machen; erlauben Sie mir nur, Ihnen einige Einzelheiten über den Autor der Briefe zu geben: Herr Adolph Stempfel war einer meiner alten Freunde; er hatte seiner Zeit studirt, um Rabbiner zu werden, Familienverhältnisse nölhigten ihn jedoch, dieser Carriere zu entsagen; er mußte in sein Dorf zurückkehren und seinem Vater Helsen, um eine Familie von 12 Kindern, ohne Kapital, durch Handarbeit und unter den größten Beschwerden zu ernähren. Um diese Zeit reisten viele junge Leute aus dem Elsaß nach Amerika. Herr Stempfel schiffte sich, anstatt ihrem Beispiele zu folgen, auf einem englischen Schiff nach Ostindien ein. Er kam nach Calcutta und verbrachte während 10 Jahren ein elendes Leben. Er mußte bald Lastträger, bald Orangenhäudler, bald Haustrer sein. Endlich zog er durch Zufall die Aufmerksamkeit eines der reichsten Israeliten der Stadt auf sich. Derselbe, ein sehr geachteter Banquier, hatte ihn zum Essen eingeladen, damit er dem Gottesdienste am Rosch - Haschana - Feste beiwohne. Bei dem Essen erstaunte der Banquier über dessen religiöse und talmudische Kenntnisse; er ließ sich sein Leben und seine Abenteuer erzählen, und gab ihm nach dem Feste eine Stelle auf seinem Büreau. Zur Zeit des chinesischen Krieges reiste eine Expedition von Calcutta nach dem Norden ab, um auf diese Punkte einen Theil der chinesischen Armee hinzulocken und der Hauptexpedition im Südosten die Arbeit zu erleichtern. Bei der Rückkehr dieser Expedition, welche bis zum See Palhe und Thibet vorgedrungen war, erzählten einige Officiere, daß sie bei dem See Palhe einer alten israelitischen Völkerschaft begegnet seien. Diese Nachricht erregte in Herrn Stempfel die' Idee, sich mit den Sitten und Gebräuche» dieser Juden bekannt zu machen. Die Erzählung, welche ich Ihnen schicke, ist eine reine Abschrift der Briefe, welche Herr Stempfel selbst über die Ortschaften schrieb, um sie an seinen Principal zu schicken. Jakob El süßer. Briese aus China: Erster Brief. Don den Ufern des See'S Palhe. Mein theurer Herr! Ich bin angekommen an den Ufern des See's Palhe. Hierselbst gibt es keine israelitische Gemeinden. Es scheint, daß unsere Glaubensbrüder auf der anderen Seite der großen Jrawaddi wohnen. Wenn ich mit des Ausdruckes „großer Jrawaddi" bediene, so ist dies nur Gewohnheit, indem dkeser Strom hier, nicht weit von seiner Quelle, noch nicht sehr beträchtlich ist;, übrigens werde ich Ihnen darüber morgen näher berichten. Diesen Abend schlafe ich in einer indischen: Bauernhütte. Ich werde diesen Brief erst morgen: Abend an Sie abschicken, denn es würde gewiß lächerlich sein, denselben noch heute Abend abzuschicken, tot; er erst sehr wenig Neuigkeiten und Details enthält. Soeben in der fünften Stunde des Abends komme ich nach einer mühsamen Reise in das erste israel. Dorf. Ich mußte den Jrawaddi überschreiten, welcher nicht größer ist, als einer unserer Ströme des Elsaß, nur bieten seine Wasser während seines Laufes auf ungefähr einer Meile ein merkwürdiges Phänomen. Man bemerkt nämlich ein Sprudeln, von einem dumpfen: Geräusch begleitet, das aus der Erde zu kommen scheint, uud welches alle 14 Tage wiederkehrt und 48 — 60 Stunden anhält; es scheint mir, daß dieser Fluß einem Boden passtrt, der unterirdische Vulcane in sich eiuschließt. Ich habe eine Idee, welche ich Ihnen mittheilen will. Scheint dieß nicht der Sambation zu sein, von welchem der Talmud im Tractat Sabboth spricht? Ich sehe wohl ein, daß das, was ich Ihnen erzählen will von dem Jrawaddi, nicht übereinstimmt mit dem, was der Talmud von dem Sambation erzählt. Uebrigens machen Sie mit meiner Hypothese was Sie wollen, dieß kümmert mich nicht. — Ich bin in einer ziemlich guten Wohnung des Dorfes einquartirt. Mein Hauswirth ist ein guter Israelit, ich sehe das Bild Moses vor mir hängen, mit der prächtigen blauen Farbe bemalt, die es nur in diesem Lande gibt. Niemand jedoch kann hier Hebräisch sprechen, ich habe große Mühe, mich verständlich zu machen; sie sprechen nur chinesisch; ich hoffe irgend einen Rabbinen oder sonst Jemanden zu treffen, mit dem ich mich werde unterhalten können; ich werde Ihnen dieses in meinem; nächsten Schreiben mittheilen. Es grüßt Sie ehrfurchtsvoll A. Stempfel.

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