Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1867)
- Date
- 1867-11-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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776 Berlin, 23. ON. Dem Reichstage liege» Petitionen der Judengemeinden im Großherzogthum Mecklenburg - Schwerin um Aufhebung der Beschränkungen der Juden im Genüsse der bürgerlichen und staatsrSrgerlichen Rechte und um Glnchstellung der Juden Mit anderen Staatsbürgern vor. Die Commission beantragt, die Petitionen dem Bundeskanzler mit der Anforderung zu überweisen, „in nächster Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen alle noch beuchenden, aus den Verschiedenheiten des religiösen Be- AttntttisseS yergeleiteten Beschränkungen der bürgerktchen und staatsbürgerlichen Rechte aufgehoben werden." Der Berichterstatter Abgeordneter Endemann empfiehlt den Antrag dringend zur Annahme, die HKrauf ohne Diskussion erfolgt. __ Berlin, 30. Oft. Wie die „Bank. u. HandelSrtg." meldet, wird der Reichstagsabgeordnete Frhr. v Rothschild ins preußische Herrenhaus berufen werden. — Berlin, 31. Oet. Die „Kreuzzettung" dementirt die Zeitungsnachricht, betreffend die Ernennung des Freiherr v. Rothschild zum Mitgliede des HerreirhauftS, und führt diese Nachricht auf die vermuthete Präsentation dieses Herrn durch die Stadt Frankfurt M»Ück Paderborn. Ln den verflossenen, hohen Festtage» gedachten unsere Waisenkinder nicht nur im Kaddrsch-Gebete der edlen, dahrngeschiedemn Wohlthä- %tt unstet Anstalt, sondern ihr Gebet galt auch den tm jüngste« Kriege gefallenen Kriegern. Wir gedachte« ihrer um so lebhafter, je wahrscheinlicher anzunehmen ist, daß so manches junge, brave, jüdische Herz ohne das tröstende Wort theurer Angehörigen brach und so manche Mutter ihrem Kinde nachweint, ohne den Ort zu kennen, wo dasselbe ruht. Mögen die trauernden Hinterbliebenen hierin einen Trost finden. Fanny Nathan, Vorsteherin des isr. Waisenhauses für Westphalen und Rheinland. OesterreichLscher Kaiserstaat. Wien, 2 . Oktober. Nachdem m der heutigen Abgeordneten - Sitzung die Strafgesetznovelle und das Gesetz über die Aufhebung der ab instantia Freisprechung mit den vom Herrenhause beschlossenen Aenderungen angenommen worden war, gelangte die Lembeitzet Klosteraffaire endlich zum Abschluß. Die Petionskommission stellte folgenden Antrag: Das HauS wolle beschließen: 1. Dem k. k. Mirttfterirrm der Justiz und des Kultus anzuempfehlen, dagegen zu wirken, daß minderjährige Mädchen oder Frauen, welche ihren Eltern oder Ehegatten entlaufen sind, in Nonnenklöstern festgehalten oder dort vom Verkehr mit ihre» Angehörige« abgeschnitten werden. 2. ES sei, fv weit es stzh um NnwenAmg des Hofkanzleidekretes vom 13. Mai 1838 handle, diese Petition dem konfefstsnetten Musseyssse Bernyrerstattirng mm Antragst'llung zuzuweism. Der Justizminister, welcher die Nothwendigkeit einer Reform in letzterer Beziehung selbst anerkannte, acceptirte die beiden Anträge, und machte dem Hause Mittheilung über den Verlauf der drei Fälle, die in letzter Zeit gemeldet Maden. (Radamski, Freund in Przemysl und Meraulis in Brody) Die betreffenden Mittheilungen der Petitionskommission sind bekannt. Um so befremdender wirkte nach der Zustimmung des Justizministers der Antrag des Abgeordneten Ziblikiewicz, das Haus möge über die Anträge der Petitionskommission zur Tagesordnung übergehen. Der polnische Abgeordnete motivirte dies damit, diese Angelegenheit habe bereits Zeit genug gekostet. Dem Abg. Zyvlikewiecz gelt es also nichts, daß es sich hier um eine principielle Entscheidung handelt, daß ein großer Theil der Bevölkerung Galiziens irgend eine Beruhigung wünscht, welche, ganz abgesehen von den vorliegenden Fällen, ertheilt werden soll, endlich, daß ein dem Zeitgeist widerstreitendes Gesetz reformirt werden soll. Und doch unterläßt eS Di. Zyblikiewicz nicht, wenn es sich um die geringste Autonomiefrage, die oft sogar nur in der rein subjektiven Auffassung des genannten Abgeordneten besteht, recht viel Energie zu entwickeln. Bei Angelegenheiten, wie der heute zu entscheidenden, geht dem liberalen Herrn Zyblikiwiez die Energie freilich verloren. Nachdem Landsberger unter vielem Beifall den Vorredner bekämpft, wurde zur Abstimmung geschritten. Der Uebergang zur Tagesordnung wurde abgelehnt. Für denselben stimmten die Polen (mit Ausnahme Landsberger's und SawczynskLs), die Tiroler Slovenen, das rechte Centrum (die böhmischen Grasen Berchem, Kokorzowa, Salm, Baron Kotz u. s. w.), Abt Zeidler und Graf Falkenhayn. Mit der Majorität stimmte auch Graf Dürkheim und Kinn. Tie Ausschuß-Anträge wurden mit großer Majorität angenommen. Für dieselben stimmte die ganze Linke (mit Ausnahme der „liberalen" Herren v. Lasser und Wolsrum), ein Theil des CentrumS, unb ->r. Kinn, Landsberger und Sawczynski, für den zweiten Antrag auch ZbySzewki und Rogawski. Prag. Dem „Tagesboten auS Böhmen" vom 19. Okt. wird von hier Folgendes geschrieben: Rappoports Leichenbegängniß hat gestern Nachmittags in einfacher und würdevoller Weise unter der zahlreichen Betheiligung der Mitglieder der jüdischen Gemeinde und der auS diesem Anlaß hieher gekommenen Fremden, sowie unter ungemeinem Andrange der übrigen Bevölkerung ftattgefunden. Von der Mittagsstunde an herrschte in den, dem jüdischen Badhofe