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Der Israelit · 1867-10-30 · Heft 44 (30.10.1867) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 44 (30.10.1867)
Date
1867-10-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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760 einmal zurück. Schon beim Qeffnen der Eingangsthür horte er deutlich rufen: „Man bat mich eingesperrt, ich habe auf einer Ban? geschlafen!" Nachdem er geöffnet, kam ihm der 18jährige Kellnerjunge Moses Neuer aus Lemberg entgegen. Da fein Benehmen ein höchst verdächtigtes war, nahm ihn Rubin fest und übergab ihn dem Gerichte. Die Untersuchung ergab, daß Neuer bereits einmal einen Tempeldiebstahl verübt habe, und alle Umstände wiesen darauf hin, daß er sich absichtlich in den Tempel habe einsperren lassen; er wurde deshalb wegen Diebstahlsversuch in Anklagestand versetzt. Der Angeklagte nahm zwar seine ursprüngliche Behauptung, daß er geschlafen, zurück, und suchte glauben zu machen, daß er sich in den Appartements befunden und das Zusperren überhört habe, allein nach der Aussage des Tempeldieners war dies rein unmöglich, wie der Zeuge sich ausdrückte: „Wann er is taub, wann er is ohnmächtig, muß er werden munter, so a Lärm und so a Geknarr macken die Thüren." Der Gerichtshof nahm die diebische Absicht des Angeklagten Moses Neuer als erwiesen an und verurteilte ihn zu vier Monaten schweren Kerkers. Wien. Dem in der Leopoldstadt, Cirkusgaffe, wohnhaften Produkte nhandler Joas Hirsch wurde im Monat Januar d. I., während er nach einer Vorstellung das Carltheater verließ, durch einen unbekannten Gauner im Gedränge seine Brieftasche mit einem Inhalte von 471 Gulden gestohlen. Alle Nachforschungen erwiesen sich als vergebens und Herr H. hatte bereits den Verlust des Geldes verschmerzt, als ihm vorige Woche am jüdischen Versöhnungstage ein Dienstmann ein Paket überbrachte. Nachdem sich der Kommissionär entsernt hatte, öffnete er die Papierhülle, aber wer beschreibt seine Ueberraschung, als er seine gestohlene Brieftasche erblickte, rasch sah er nach dem Inhalte derselben und fand die gestohlene Summe vollständig darin, in einem Fache der Tasche lag ein Blatt Papier, auf welchem in wenigen Worten die Bitte stand, „ihm, dem Dieb, zu verzeihen, damit er fern Gebet im Tempel ruhig verrichten könne, und Gott nicht Verdammniß über ihn ausspreche." Unterschrieben war das Blatt mit den Worten „ein reuiger Sünder." Pefkh. Man vernimmt, daß die ungarische Regierung in der Religions-Angelegenheit von liberalen Grundsätzen geleitet werde und daß sie in kurzer Zeit mit einem Gesetzentwurf vor die Legislative treten werde, welcher dem Principe unbedingter undvollkommeuer Gleichstellung huldigt. Wie man erfährt, ist die Formulirung des betreffenden Entwurfes bereits im Ministerrathe festgestellt worden. Die ministerielle Vorlage, welche sich durch eine klare, jeden Wortschwall vermeidende Fassung bemerkbar macht und in drei einfachen Sätzen ein freiheitliches Princip verkündet, lautet wie folgt: 1. Die Ausübung politischer Rechte ist vom Religionsbekenntnisse unabhängig. 2. Alle mit diesen Bestimmungen widerstreitenden Gesetze und Anordnungen sind aufgehoben. 3. Das gegenwärtige Gesetz tritt mit dem Tage der Kundmachung in Wirksamkeit.;j „,.A Aus Totis berichtet man Folgendes: Am jüdischen Versöhnungstage (9. d.) drangen zwei Räuber in die Wohnung eines unweit des genannten OrteS wohnenden jüdischen Kleinhändlers, als derselbe eben mit seiner Gattin im Belhaase seine Andacht verrichtete, ermordeten auf eine gräßliche Art zwei zurückgebliebene 16 bis 18jähriqe Töchter, raubten sodann alle Werthgegenstände und entflohen. Eine dritte Tochter erblickte noch die Raubmörder auf der Flucht und will in denselben Bauerssöhne aus der Umgegend erkannt haben. Frankreich. Paris. Man liest im „Moniteur Unioersel" vom 5. Octoaer: Wir vernehmen, daß die Israel. Gemeinde zu Trrpolt eine vollständige Genugthuung für die Zerstörung und Verbrennung oer Synagoge zu Zellten erhalten hat. 70,000 Piaster wurden zum Wiederaufbau des Gotteshauses gewährt. Energische Maßregeln sind getroffen worden, um die Schuldigen zu bestrafen und die Sicherheit der Israeliten wieder herzustellen. Dieses Resultat ist hauptsächlich der Intervention des General-Consuls von Frankreich, bei bem bie&raeliten die Unterstützung gesunden haben, welche deren Glaubensgenossen stets bei den Repcäsentanteu der französischen Regierung finden — zu verdanken. Paris. Frau Baronin James v. Rothschild hat für die ebenso umfassende als geräuschlose Thätigkeit, welche sie während des vorjährigen Krieges für die Pflege der Verwundeten entwickelte, von der Genfer Gesellschaft die silberne Medaille erhalten. (Abld.) Paris. Der Vorstand der Kleinkinderbewahranstalten hat sich durch Vermittelung des Central-Consiftoriums an sämmtliche isr. Eonsistorien in Frankreich gewendet, um in Erfahrung zu bringen, wieviel derartige isr. Anstalten exifliren und was deren Resultate sind. In der Sitzung am 27. Oktober, welche die Kaiserin präsidiren wird, fäk» für die verdienstvollen Institute Belohnungen besrmmt werden. (Arch. Isr.) Bordeaux. Die „Arch. Isr." bringen unter Vorbehalt der Bestätigung folgende, Sensation erregende Nachricht: In einem christlichen Hospital in Bordeaux suchte eine barmherzige Schwester einen isr. Kranken zu.

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