Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1867)
- Date
- 1867-10-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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759 es fei bekannt, daß die Wünsche der hiesigen Juden dahin gingen, daß es hier beim Alten für sie bleiben möge; für den Fall nun, daß die Trauscheine beseitigt werden sollten, beantrage er, die Giltigkeit einer jüdischen Ehe als von der Trauung durch den Land¬ oder Auterrabbbiner abhängig zu erklären. Die Fassung dieser Verordnung wurde alsdann auf einen zahlreich unterstützten Antrag des Grafen v. BorrieS folgendermaßen beliebt: Zur Giltigkeit der jüdischen Ehen bedarf es der Einsegnung durch einen Rabbiner oder durch einen von einem solchen dazu bevollmächtigten Vnterrabbiner, und es soll im Begleitschreiben der Regierung ausgesprochen werden, daß es wünschenswerth sei, in der Gesetzgebung dahin eine Aenderung eintreten zu lasten, daß die Giltigkeit der jüdischen Ehe nicht ferner von der Ertheilung eines Trauscheines abhängig gemacht werde. (Gegenw) Aus Knrheffen. Rach den Bemerkungen deS Herrn Stern aus Nörten in Nr. 39 des „Israelit" zu uriheilen, scheint es, daß derselbe kein geborener Kurhesse sei; denn wäre dieses der Fall gewesen, so konnte er unmöglich in einigen Sätzen meiner Correspondkvz „aus Kurhessen" (siehe Nr. 37 d. Bl.) Anstoß gefunden haben. Wenn derselbe in dem Satze: „Es ist wahr, kein anderer Staat Deutschlands hat so viel sür Bildung und Organisation der Schulen gethan, als eben Kurhesien" einen Beweis für meine Behauptung verlangt, so frage er — so er Mißtrauen in meine Worte setzt — gef. jeden unparteiischen Kurhesien, und es wird ihm dieser jede beliebige Auskunft — wie ich selbst — darüber geben können. Was beklagen denn die in Preußen einverleibten Hesien am meisten? — Ist es nicht vorzugsweise ihr so geregeltes Justiz- und Schulwesen? — Es ist wahr, und ich bleibe dabei, Kurhessens Schulwesen ist musterhaft zu nennen. Die kurh. Lehrerstellen sind noch in der letzten Regierungs- Periode des Kurfürsten wesentlich und ansehnlich verbessert worden, und beträgt das Gehalt bei den christlichen Lehrern auf dem Lande 150—175 resp. 200 Rthlr., während es in Städten 200—250 resp. 300 Rthlr. beträgt. Freilich gebe ich gerne zu, daß viele und die meisten israel. Lehrerstellen sehr schlecht dotirt sind, aber man muß das Kind nicht mit dem Bade ausschütten und vom Einzelnen auf Alles schließen. Mein Satz bezieht sich ja —wie aus dem Contexte zu ersehen — nicht nur auf die jüd. Lehrer und Schulen ganz allein, sondern auf das hessische Schulwesen im Allgegemeinen. Wenn LL?Stern ferner meint, „Verfasser besagten Artikels muffe mit den hessischen Schulen unbekannt fein, so er das Wort „Muster" in dem Sinne nehme, wie eine gute Schule nicht sein soll," so irrt er sehr. „Auch ich bin in Kurhesien (!) geboren," auch ich habe das Seminar in Cassel 3 Jahre freqentirt und mehrere Jahre Lehrerfreuden und Lehrerleiden genugsam erfahren und bis auf die Neige geleert; aber die dortigen israel. Schulen in einem solche» traurigen Zustande zu treffen — wie sie Herr Stör» gefunden haben will — dazu hatte ich wahrlich keine Gelegenheit. Vielmehr habe ich gefunden, daß die hessischen Lehrer überall wegen ihrer Bildung und Charakterstärke im Nuslande gesucht werden und zur größten Zahl in demselben fungiren. Es mag wohl wahr sein, daß in den Provinzen Fulda und Marburg (soll wohl heißen Oberheffen) .'einige Lehrer fungiren, die kein Seminar absolvirt haben, aber so ganz o^ae irgend eine Ahnung von dem Berufe eines Lehrers und Erziehers „ohne pädagogische Bildung" unpraktisch und unwissend wie sie Herrn Stern darstellen möchte — find dieselben doch nicht. Viele junge Leute aus genaum ten zwei Provinzen besuchen vielmehr das Seminar in Cassel, ich erinnere mich noch aus meiner Seminarzeit, daß drei junge Leute von dort mit mir zu gleicher Zeit auf dem Seminar waren) und sollte solches nicht geschehen, so müssen dieselben doch jedenfalls so vorgebildet sein — sei es durch Privatstudium, sei es durch Privatunterricht bei Rabbinen und Lehrern oder sei eS endlich durch das Besuchen jeder andern Anstalt — daß sie eine Lehrerprüfung bei einer Prüfungscommifsion zu machen im Stande sind. Es sind mir genug junge Männer bekannt, die auf diese Weife ihre Bildung erlangt, und ganz tüchtige und praktische Lehrer geworden sind. Daß ferner Lehrer in Hessen „Viehhandel treiben sollen," davon ist mir — da ich ziemlich viele Lehrer daselbst kenne — kein einziges Beispiel bekannt. Sollte aber ein Lehrer „etwas Oekonnomie neben seinem Amte in den Freistunden treiben" nawo n? nn — so ist solches nur lobenswerth. Daß ferner „Kinder in engen, dumpfen Zimmern gedrängt sitzen sollen," davon ist mir ebenfalls nichts bekannt, vielmehr glaube ich, daß die Aufsichtsbehörde schon einschreiten würde, wenn solches wirklich Vorkommen sollte. Daß zum Schlüsse „die Kinder in der Provinz Oberhessen und Fulda nur oberflächlich Hebräisch, nothdürftig Deutsch-Lesen und nur ein wenig Schreiben und Rechnen lernen sollten" — ist höchst unwahrscheinlich. Welcher Oberschulinspektor sollte wohl hiermit zufrieden sein? und besonders in Fulda, wo ein Mann, wie vr. Enoch, die hebr. Fächer prüft, und dessen ganzes Streben nur darauf gerichtet ist nim ponnb zu fein. Wir sehen also, die ganze „Entgegnung" des Herrn Stern beruht nur auf Jrrthümern. Sch. I. O. L. O österreichischer Kaiserstaat. Wien, 18. Okt. Der Tempeldrener Nastali Rubin halte am 1~. Sept. d. I., Abends, den isr. Tempel in der kleinen Ankergaffe gesperrt, als ihm einstel, daß er die Gangthüre zu den geheimen Appartements nicht geschlossen habe. Er ging deshalb noch