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Der Israelit · 1867-10-30 · Heft 44 (30.10.1867) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 44 (30.10.1867)
Date
1867-10-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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VIII. Jahrgang. Beilage zu Rr. 44 des Israelit. Leitender Artikel. Professor Oppenheims Gitöer aus dem alt-jüdischen Familienleben. Der berühmte Maler, Professor M. Oppenheim, hat eine Reihe von Genre-Bildern aus dem altjüdifchen Familienleben geschaffen, die jedem, aber namentlich dem jüdischen Beschauer den höchsten Genuß gewähren müssen. Wir wollen daher nicht verfehlen, unsere Leser aus die prachtvollen Photographien aufmerksam zu machen, welche die H. Keller'sche Kunst-Verlagshandlung in Frankfurt a. M. hat ansertigen lassen und den Käufern zu verhältnißmäßig geringen Preisen darbietet. GS sind sechs Blätter, die uns vorliegen: vier Sabbat- und zwei Festbilder. Betrachten wir uns zuerst die Sabbatbilder. Den „Sabbat-Anfang" zeigt un§ das erste derselben. Der Künstler führt uns in das Sabbatzimmer einer wohlhabenden jüdischen Familie aus dem vorigen Zahrbnndert. Die Hausfrau steht im Begriff, den Segen über die soeben angezündeten Sabbat-Lichter zu sprechen, der Hausherr steht nach der Uhr, ob es schon Zeit ist, in „Schul" zu gehen; an seiner Hand hält er seinen etwa siebenjährigen Knaben; der Tisch ist aufs Schönste gedeckt; vor dem Lehnstuhle des Hausherrn liegen die sorgfältig bedeckten Sabbatbrode, steht die Weinstasche und der Kiddusch-Becker — es ist die köstlichste Behaglichkeit, die hier waltet. Am köstlichsten aber ist die heilige Sabbatireude in die Gesichter der drei Personen gelegt. Wie strahlt das Antlitz der lichtspendenden Hausfrau, da sie, die Hände ausbreitend, den Blick emporrichtet, wie freut sich der liebliche Knabe, dem Sabbat entgegen, wie steht seinem Vater der altmodische Staat so gut! O kommt, Ihr Entweiher des Gottestages, seht Euch dieses Bild an und sagt, ob Euer von Gott verlassenes Leben Euch jemals so zu beglücken vermag wie hier des Malers Pinsel nicht Phantasien, sondern echte, rechte Wirklichkeit wie sie sich mit nur unbedeutenden Veränderungen noch heute in jedem echt-jüdischen Hause vorstndet, dargestellt hat? Wahrlich, dieses Bild vermag herrlicher und eindringlicher denn manche Predigt das werthvolle Geschenk darzustellen, das uns Gott in dem Ruhetage gegeben.* Das zweite Blatt führt uns nach dem vollendeten Sabbat-Morgen-Gottesdienst in die Synagoge. EL ist „Der Segen des Rabbi," der hier dargestellt wird. Was läßt sich mit der wundervollen jüdischen Sitte des „Benschend" vergleichen? Die Eltern oder der ehrwürdige Rabbi legen die Hand auf des Kindes Haupt und beten: „Gott möge Dich machen wie Ephrajim und Menasch,eh!" Welch' ein unschätzbares Erzieh-Mittel ist dieser Segen! Kann es für das jüdische Kind eine härtere Strafe geben als die ist, wenn die Eltern oder der Rabbi den Segen verweigern? Und dieser in das Familienleben so ttef eingreifende Act wiederholt fick dreimal an jedem Sabbat- und Festtage, und tritt außerdem noch bei allen feierlichen Gelegenheiten: vor einer Reise, am Hochzeitstage, am Sterbebette ein! Wir sind dem Künstler sehr dankbar, daß er dieses liebliche Bild geschaffen. Das dritte Blatt zeigt uns den Sabbatnachmittag „nach Tisch." Der junge Sohn hat dem Vater vorgelkskN, wobei dieser saust eingeschlasen ist; ihm gegenüber sitzt der ältere Sohn vor dem ausgeschlagenen Talmud, den er jedoch mit beiden Armen bedeckt, während er dem Geplauder der Schwestern zuhört. Diesem Bilde schließt sich das vierte, „Sabbat-Ruhe," eng an. Vor seinem Hause sitzt der Hausherr, mit der Rechten sein Söhnchen, mit der Linken seine alte Mutter umfassend und schlummert süß und sanft; auch die Mutter ist eingeschlafen; auf ihrem Schooße liegt ein großer Ouartband, wahrscheinlich, die „Zeennu- Urennu;" der Laden ist fest verschloffen; im Hintergründe sitzt die Köchin, die Hände nach Köchinnenmanier in die Schürze gewickelt; auch sie ruht heute; es ist j ein Bild, tiefen, liefen Friedens, wie ihn einst nur! das Ghetto kannte, durch das am Sabbat kein Wagen! fuhr und Nichts, auch gar Nichts „die Lust des j Schlafens am Sabbat" störte. Das fünfte Blatt zeigt uns den „Seder-Abend", auf dem Bilde sehr ungenau als „Oster-Abend" bezeichnet. „König" und „Königin" sitzen am Sedertisch Mit zwei jungen „Prinzen" und einer erwachsenen „Prinzessin." Der fremde Gast muß wohl eine „harbe Kaschje" geftagl haben, denn der mit dem Kittel bekleidete Hausherr schaut ganz verdutzt darein. Den Schluß der Serie bildet das sechste Blatt, das eine Trauung im „Schulhofe" darstellt. ES ist dieses das am reichsten ausgestattete Gemälde: aber gerade deßhalb enthalten wir uns jeder Beschreibung; man muß es sehen und studiren, um es würdigen zu können. Die Photographien sind ganz meisterhaft aus geführt, und ist der Preis ein verhältnißmäßig geringer. Die sechs Blätter kosten in Carton-Ausgabe 30 st..

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