Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1867)
- Date
- 1867-10-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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752 gelegenheil und wende mich der Person des Statthaltervon Galizien zu. Ich glaube, daß dieser Persönlichkeit, insoweit als heute zu ihrem Schutze gesprochen wurde, in sehr mißlicher Weise gedient wurde, denn ich kattn in dem, was ich hörte, irgend eine Entschuldigung sür dm Saumsal, der Thatsache ist, nicht erkmnm. ES mag Se. Excellenz der Herr Statthalter aus Amtsreisen sich befinden, aber das wird man nur doch nicht weiß machen, daß darum , weil der Statt Halter im Lande umherreist, ihm nichts mehr mitgetheilt werden kann, das wird man mir nicht weiß machen, daß das Präsidium nicht im Stande ist, den Statthalter zu finden. (Große Heiterkeit.) Wenn heute politische Unruhe in einem Winkel Galiziens ausgebrochen wäre, dann würde man Se. Excellenz gewiß gefunden haben (große Heiterkeit), darauf können Sie sich verlassen; warum findet man ihn da nicht? (Leb hafte Zustimmung.) In diesem Falle, meine Herren, bekümmern Sie sich nicht um jene allerhöchste Entschließung, sie hat keine Anwendung: bekümmern Sie sich nicht um das Concordat, es hat auch keine Anwendung; bekümmern Sie sich um die bürgerliche Gesetzgebung und die Hilfe, welche danach von Seiten der Behörden einem Vater zu gewähren ist. Ich fordere Sie, meine Herren, auf, stimmen Sie ja gewiß dem Antrag des Petitions-Ausschusses zu und nicht jenem des Freiherrn o. Pratobevera (dahingehend, die Petition an die Regierung zu überweisen, mit dem Aufträge, unverweilt der Beschwerde abzuhelfen unter Ahndung der Ungesetzlichkeiten oder Saumseligkeit). Kraft uno Muth liegt in jenem Antrag des Petitions- Ausschusses. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen links, stürmisches Bravo/ von der Gallerte.)" Die Entgegnung des Barons v. Pratobevera führte eine heftige Scene zwischen ihm und Mühlfeld herbei, worauf noch längere Zeit große Aufregung im Hause herrschte. Zuletzt wurde der Antrag Pratobevera's mit 86 gegen 56 Stimmen angenommen. Dafür stimmten Tyroler, Slovenen, Polen nebst einem großen Theil des Centrums. Wie weit die Angelegenheit heute vorgerückt ist, darüber gibt nachstehendes Telegram Aufschluß, das dem Abg. Dr. Landsberger gestern Abend aus Lemberg zuzegangen ist: «Prediger Löwenstein mit mir heute Kloster gewesen. Oberin versprach mir Unterredung mit Tochter in Gegenwart eines Beamten zu gestatten. Allein trotz der Intervention der politischen Behörde, die BezirkScommiflär Biernacki mit Statthallerbefehl, mich zur Tochter zuzulaflen, in's Kloster entsendete, verweigerte solchedie Oberin, ihrem früheren Versprechen zuwider erklärend, sie habe nur dem Erzbischof zu gehorchen. Radamski." Dr. Landsberger begab sich mit diesem Telegramm heute zu dem Minister Hpe, der gleich telegraphische Abhilfe versprach. Zugleich eröffnete er ihm, daß er bereits gestern wieder in dieser Angelegenheit nach Lemberg telegraphirt habe. W Wien, 21. Oct. In der heutigen Abgeordnetenhaus-Sitzung liegen nicht weniger als 44 Petitionen um Aufhebung des Concordats vor, die dem confessionellen Ausschüsse überwiesen werden. An den Präsidenten Giskra und den Abg. Mühlfe d ist nachfolgendes Telegramm aus Przemysl gelangt: „Meine vierzehnjährige Tochter Chaje Lea ist mir in das Benedictinerkloster entlaufen. Alle Schritte, mit ihr sprechen zu dürfen, blieben erfolglos. Ihre Mutter starb, in Folge des Schreckens am Schlage im Kloster hinter der Scheidewand. Ich bitte am Befreiung, allenfalls Verwendung, damit ich meine Tochter ohne Scheidewand sprechen kann. Jonas Freund." Dr. v. Mühlseld beantragt, dies Telegramm dem Petitions- Ausschüsse zur schleunigsten Behandlung zuzuweisen. Es ist oies der dritte Fall, in welchem entlaufene Töchter der väterlichen Gewalt entzogen werden, und beruht aller Wahrscheinlichkeit nach auf einer methodischen Bekehrnngswerse. Es möge dem PetitionS- Ausschusse ausgetragen werden, speciell aus jenes Gesetz Rücksicht zu nehmen, welches neulich gewissermaßen als Schild für dieses Vorgehen angerufen worden ist. Für den Antrag erhebt sich fast das ganze Haus. Dr. Mühlfeld und Genossen haben folgende Interpellation an die Millister der Justiz und des Innern eingebracht: „Ist Chaje Sarah Radamski aus dem Benedict ner-Nonnenkloster in Lemberg bereits entlassen, oder wie weit sind die hierauf bezüglichen Schritte eingeleitet und geführt worden?" Iustizminister v. Hye verliest den Bericht des Grafen Goluchowski. Er lautet: „Ich beehre mich, im Nachhange zu meinem Telegramm vom 17. d. anzuzeigen, daß ich die protokollarische Vernehmung der in dem Benedictiner-Nonnenkloster befindlichen Chaje Sarah Radamski veranlaßt habe. Das Protokoll ist ausgenommen von dem Polizeidirector unter Mitwirkung eines BezirkscommissärS. In demselben erklärt sie, daß sie schon längst den Entschluß gefaßt habe, zum Chrrftenthum überzutreten, und deßhalb daö elterliche Haus verlassen habe. Hiebei bringt sie die Klage vor, daß der Vater sie schlecht behandelte, gar nicht für sie sorgte, daß er ihr vor einigen Monaten einen Messerstich versetzte (Hört! im rechten Centrum), ihr oftmals die Hacke nachwarf und daß sie bei seinem bekannten Jähzorn nur Insulten und Mißhandlungen ausgesetzt sei, und deßhalb ihren Vater auch nicht oder höchstens nur in Gegenwart eines Beamten zu sehen wünsche. Ich habe in Folge dessen und auf Ansuchen ihres Vaters die Einleitung getroffen, daß er heute unter Intervenirung einesJBeamten seine Tochter spreche. Ob diese Zusammenkunft stattgefundm und über den Verlauf derselben werde ich telegraphisch berichten. (Dieser Bericht ist heute