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Der Israelit · 1867-10-23 · Heft 43 (23.10.1867) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 43 (23.10.1867)
Date
1867-10-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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734 Laufbahn in demselben Orte beschlossen, von dem einst seine politische ausgegangen, — in Tarbes (Departement der oberen Pyrenäen), das ihn im Jahre 1842 in die Deputirtenkammer wählte. Mit Fould verliert Kaiser Napoleon wieder einen jener treuen Partisane, die schwer zu ersetzen sind. Achille Fould war ein Pariser Stadtkind. Geboren am 31. October 1800 in der Seinestadt als Sohn eines reichen israelitischen Barquiers, hatte er sich dem Handelsstande gewidmet, und nach verschiedenen zu seiner Ausbildung unternommenen Reisen später mit feinem älteren Bruder Benedikt Fould die Leitung des Welthauses Fould, Oppenheim & Comp, übernommen. Als Deputirter für Tarbes machte sich Fould bald durch seine Reden über Finanz- und nationalöconomische Fragen bekannt und zu einer wirklichen Autorität. Politisch gehörte er der damaligen dem Ministerium Guizot anhängigen Majorität an. Die Februar Revolution fand in Fould die seiner Nation angeborene Fügsamkeit gegen die Thatsachen, wobei nicht verkannt werden soll, daß seine Rathschläge und Erfahrungen der provisorischen Regierung wohl zu statten kamen, und er seinen national-öconomischen , Ansichten, namentlich in der Assignatenfrage, consequent treu blieb, und für seine Grundsätze sich das Vertrauen der Nationalversammlung, in welche er durch Nachwahl gelaugt war, gewann, während er andererseits den heftigen Angriffen der republikanischen Partei gegenüber eine seltene Entschiedenheit und den Muth des gereiften Wissens an den Tag legte. Der coniervative Fould hatte sich gleich im Anfänge Louis Napoleon angeschloffen. Viermal wurde er unter demselben Finanzminister, zum erstenmal am 31. October 1849, als Louis Napoleon, um die präsidentielle Gewalt zu entscheidendem Einfluffe zu bringen, Minister wählte, die seinen Willen und seine Meinungen zur Ausführung bringen sollten. Politisch konnte der Präsident vollständig auf Achille Fould rechnen; in Sachen der Handelspolitik wichen die Ansichten dev Letzteren insofern von denen des nachherigen Kaisers ab, als er ein Anhänger des Schutzzollsystems, wenn auch vothwendigen Reformen nicht abgeneigt, gewesen ist. Im Allgemeinen aber hat Fould Finanzgrundsätze zur Geltung zu bringen gesucht, welche, wie die Dinge einmal lagen, Frankreich zumeist nur zum Vortheil gereichen konnten, und in verschiedenen Aeußerungen seiner gesetzgeberischen Thätigkeit auch wirklich wohlthätig waren. Wir übergehen die hierher gehörigen Einzelnheiten, und bemerken nur, daß Louis Napoleon, so oft er die Notwendigkeit fühlte, in schwierigen Verhältnissen auch ein Finanz-Genie zur Seite zu haben, sich Foulds erinnerte. Nach dem Staatsstreich vom 2. December l85l, d. h. noch in der Nacht desselben, wurde Fould zunr zweitenwale an das Finanzministerium berufen. Scru^ pel über das Decret, welches die Güter der Familie Orleans confiscirte, ließen ihn zwar schon bald darauf (zugleich mit Morny und Nouher) seine Entlassung nehmen, wie dieß 1860 aus Unzufriedenheit mit den Ueberschreitungen im kaiserlichen Haushalte geschah; aber wir finden den am Tage nach seinem Rücktritt zum Senator ernannten Fould kurze Zeit darauf als Staatsminister und Minister des Hauses des Kaisers wieder, in welcher Stellung er die Vorarbeiten zur Weltausstellung von 1855 leitete, der großen Oper eine neue Einrichtung gab und den Ausbau des neuen Louvre vollendete. Der Ausbau der französischen Finanzen war freilich ein schweres Stück Arbeit, an dem aber Fould mit einem Eifer arbeitete, der eines besseren Erfolges werth gewesen wäre. Denn, wie man auch über seine verschiedenen Fiuanzmaßregeln denken mag, — eine sparsamere und wohlfeilere Negierung war das Ziel, das ihm vorschwebte, und, wie man behaupten darf, hat feiner seiner College» ihm an finanziellem Talente und initiativem Scharfsinne den Ruhm streitig gemacht. Für das angeborene echte Finanz-Genie eines Fould. hätte es wabrschcinlich nur günstiger Umstände bedurft, um ihn auch den in ihren Erfolgen glücklicheren Finanzmännern der Geschichte anzureihen. Eins wollen wir roch bemerken: Achille Fould starb unseres Wissens als ^er bürgerliche Jude, als der er geboren war; den Ehrgeiz hoher Titel und Auszeichnung scheint er nicht besessen zu haben. Holland. Amsterdam. Herr S. H. Hertzvcld aus Haag wurde vom Könige von Holland zum Obercommis im Departement der Finanzen ernannt. (N. Weekblad.) Belgien. Antwerpen. Unser Glaubensgenosse, Herr Dr. med. A. Mayer von hier, erhielt kürzlich als Anerkennung seiner bewiesenen Tbätigkeit und Selbstaufopferung bei der vorjährigen Cholera-Epidemie den dafür gestifteten Verdienstorden zweiter Klasse. B. England. London. Die Zeitungen berichten, daß der Lord-Mayor L. 100 von dem Geschenke des Sultans für die Armen Londons an das jüdische Waise»-- haus geschickt hat. (Jew. Chron.) London. Ihre Majestät die Königin von Holland beehrte Herrn A. Joseph, Donnerstag den 19v. M. mit einem Besuche und besichtigte seine Kunstgallerie. (Jew. Chron.)

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