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Der Israelit · 1867-10-23 · Heft 43 (23.10.1867) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 43 (23.10.1867)
Date
1867-10-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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733 daß die irdischen Reste der berühmten Rachel Levin, der Gattin Varnhagen v. Enses, erst kürzlich von Berlin, einige dreißig Jahre nach ihrem Tode, der Erde übergeben worden seien. Die höchst eigenthümliche geniale Frau hatte Angst, lebendig begraben zu werden und ordnete öeßhalb testamentarisch an. daß ihre Leiche dre.ßig Jahre in einem Todtenhause aufbewahrt, und an ihrem Sarge, am Kopfende ein Glasfenster angebracht werde. Beides sei geschehen. Erst bei ihrer jüngsten Anwesenheit in Berlin hat, dem genannten Blatte zufolge, Ludmilla Asstng, die Nichte der Verstorbenen, die Einsenkung der sterblichen Ueberreste ihrer Tante neben denen ihres Oheims Varnhagen bewerkstelligen zu lassen. Ob's wohl wahr ist? — Oefterreichrscher Karserrra at. Wie«. Der Rechnungs - Dffiaal Saphir (Israelit) aus Wien ist zum Rechnungs-Rath bei der Militär-Buchhaltung aoancirt. Es ist der effte Fall, daß ein Israelit eine solche große Stelle einnimmt. /Ein Reckmungsratd steht im Rang eines Majors.) (Jüd. Zeit.) Pestd. Da« ungarische Ministerium hat eine Verordnung wgchen lassen, daß am?amstag in den Gymnasien und Realschulen kein Unterricht ertheilt werden soüe, damit die .sr. Studenten den Gottesdienst besuchen können. (Jüd. Zeit.) Aus Mähren. Aus den friedlichen Thülecn der schönen Moravia klingt nur selten das Echo der glaubenstreuen Israeliten im „ Jsra-lit" wieder und viele unserer Brüder in der weiten Welt könnten sich zu dem -Zluuben veranlaßt fühlen, als habe das orthodoxe Judentum in Mähren gar keine Anhänger und Vertreter. Dem ist aber nicht so; auch in Mähren gibt es Gs. D noch eine große Anzahl von Gemeinden und Radbinen, die mit aller Treue dem orthodoxen Judenthum anhängen. — Einen Beweis hiesür liefert auch die hiesige Gemeinde Loschitz. Trotzdem das Talmudstudium leider in ihrer Mitte erloschen ist, wird doch noch hie und da ein Knabe dem Gesetzesstudium gewionrel. Söhne unserer Gemeinde ftuviren in Preßburg und Breslau mit bedeutendem Erfolge, wie dus Qi vortreffliche Rede zeigt, die der den Lesern des „Israelit" wohlbekannte Hr. G. K.ilpell'.s, Rabbinats - Candrdat aus Breslau, Sohn des hiesigen Rabbiners, vergangene Woche in der hiesigen Synagoge abhielt. Die Predigt machte auf alle Hörer den wohlthuendsten Eindruck Möge Herr K. die Hoffnungen realistren, die seine Landsleute für ihn hegen. M. Schwarz. (Ungarn), im Monate Elul. Erlauben Sie mir, geehrter Herr Redacteur, einen ausführlichen Bericht über die inneren Angelegenheiten j unserer Gemeinde mitzutheiley, nachdem ^ie im vorigen! Jahrgange Ihres geschätzten Blattes in Bezug auf den! am ersten Tage Rasch Haschanah stattgehabten Synaj gogenbrand hilfreiche Hand boten. Traurig ist das Bild, ■ das ich entrollen muß, aber die Hoffnung, daß das [ öffentliche Wort doch gute Früchte tragen könnte, gej bietet mir schonungslos die nackte Wahrheit zu sagen. Unsere Gemeinde, die seit Jahrhunderten besteht, »ft seit dem letzten Jahrzehnt so weit gesunken, daß sie jeder, auch der kleinsten Wohlchatigkeitsanstalt baar ist. Wir haben keine Talmud-Thora, so daß die mei- > sten, armen Eltern angehörige Kinder, größtentheilö j ohne Unterricht aufwachsen, und wenn unser Herr Rabbiner von Seiten der Eltern gedrängt wird, bewegt er i nach Verlauf des halben Semesters den hier am eigene! Faust fungirenden Lehrer durch Zahlungsversprechungen, die Kinder in die Schule auszunehmen; da aber die Gemeinde keine Mittel besitzt, diesen Versprechungen nackzukommen, so sieht sich gar oft der arme Lehrer veranlaßt, nach Verlaus einiger Monate den Kindern den Unterricht zu entziehen. Es ist hier nicht die geringste Anstalt getroffen, den unbemittelten Kranken auch nur die Medicamente unentgeltlich zukommeu zu lassen, so daß der hier fungirende Arzt, der zugleich aus seiner Hausapotheke die Arzneien reicht, vom Besuche der unbemittelten Kraken schon dadurch abgebalteu wird, weil er außer sei- I nen persönlichen Bemühungen noch sein eigenes Geld für Medieameute hingeben muß, und diesem haben wir es zuzuschreiben, daß unlängst einem durchreisenden Armen, der an einem Bruchleiden — dem durch ärzts lichen Beistand leicht abgebolfen worden wäre — er- I krankte, der Beistand von Seiten des Herrn Doctors j versagt wurde, und er wirklich — verschied. —! px nsp kennen wir nur dem Namen nach, ( und was noch von der Aussaat des früheren Herrn Rabbiners — der für dxin' px das Mögliche that — nack seine n Abschiede von hier geblieben — ungefähr 80 st. öuerr Währ., das ist seit 8 Jahren in Händen einzelner Private verblieben, indem diese weder! von veni Herrn Rabbiner noch von Seiten des Vorstandes zur Erlegung veranlaßt worden. Unsere pny sind tit einem derartigen Zustande, daß dieselben gänzlich in Verfall geratherr, und in einer kurzen Zeit wird man durch Gewohnheit ohne Gewissensbisse sich über den nxsrn ~;d\x hinwegsetzen, — l kurz, unsere Gemeindeverhättrüsse liegen im Argen.! Wo aber das Uebel, das unsere Gemeinde dem sichern | Verfalle zufübrt, wurzelt, möge eiu anderer Artikel! zeigen. M. T.!! Frankreich.! Achille Foulo, der große Finanz-! Politiker des zweiten Kaiserreichs, hat feine irdische

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