Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1867)
- Date
- 1867-10-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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5S! 730 „Immer mehr und mehr verbreitet sich Licht über die Unhaltbarkeit der Vorwürfe, welche man den Verwandten-Ehen gemacht hat. Diese Frage wurde ausführlich im Congreffe von Lyon und in mehreren Abhandlungen behandelt. Man hat gezeigt, daß die Verwandten Ehen, wenn sie auch die beiden Gatten gemeinsamen Krankheitskeime entwickeln, dagegen bei gesunden Galten die Racen vollkommen gesund erhallen. Die schönsten Bevölkerungen von ganz Frankreich sind aus Verwandten-Ehen entsprossen. Die Bewohner des Fleckens Batz z. B., die sich immer untereinander verheirathen, zeichnen sich durch ihre Kraft, ihren Wuchs, ihre Gewandtheit von den sie um gebenden bretonischen Landleuten aus; ihre Frauen sind nicht unfruchtbar, denn ihre Zahl vermindert sich nicht." — Wir sehen also, daß die Ansichten bedeutender medicinischer Autoritäten wie die des Herrn Guerin und derjenigen, auf die er verweist, dem jetzt landläufigen Vorurtheil gegen die vom Judenthume gestatteten, ja geradezu empfohlenen Ehen zwischen Blutsverwandten (Onkel und Nichte, Cousin und Cousine) entgegenstehen» Wir glaubten dies schon deßhalb hervorheben zu muffen, weil wir häufig Gelegenheit hatten wahrzunehmen, daß jene angeblichen Resultate der Statistik, daß nämlich selbst diejenigen vom Judenthume erlaubten Ehen unter Blutsverwandten schädliche Folgen hätten, oft genug Eheschließungen im Wege standen, die aller Wahrscheinlichkeiten nach den Entschließenden zum Heile gereicht wären. Wir unsererseits leben der festen Ueberzeugung, daß das, was das Judenthum als heilsam empfiehlt, nie schädlich werden kann. — Die Israel. Gemeinde Metz. Gestatten Sie mir gütigft, geehrter Herr Redacteur, in Ihren geschätzten Blättern von den jüdischen religiösen Institutionen der ^tadt Metz einen kleinen Bericht zu erstatten und dem Eindrücke Ausdruck zu verleihen, welchen ich durch eigene Anschauung des dortigen Gemeindewesens während meines kurzen Aufenthaltes empfing: Nichts ist wohl geeigneter, unser Gemüth in eine ernste, von tiefer Ehrfurcht durchdrungene Stimmung zu verletzen, als wenn wir den Bosen betreten, auf dem große Geister für die höchsten und heiligsten Güter der Menschheit in der aufopferungsfähigsten Hingebung gewirkt, für deren Erhaltung sie gerungen und gekämpft und nicht ketten selbst das Leben dafür hingegeben haben. Mit den Rückerinnerungen an diese hingebende, sich selbst verleugnende Wirksamkeit treten die hohen Gestalten der Vorzeit wieder vor unser geistiges Auge; wir sehen sie m ihrer hohen Begeisterung für die ewigen Wahrheiten der gottgegebenen Religion inmitten der gläubigen Menge belehrend, Segen spendend und zur beharrlichen Ausdauer ermahnend, wenn auch von Außen her die Wogen verfolgenden Religionshaffes gefahrdrohend heranbrausen; wirschen sie diese Helden des Glaubens, diese Lichter der Gotteslehre, in anspruchloser Bescheidenheit, alle Prärogative Hon sich weisend, um keinen andern Ehrentitel buhlend, als um den, der das höchste Prädikat unseres größten Lehrers war, zu sein: „ein 'n nOp Diener des höchsten Gottes" und 'n 'n Op rob 'jmn in bescheidener Demuth wandeln mit dem Ewigen ihrem Gotte. Und der Geilt, den solche Männer verbreitet, er stirbt nicht sobald, wenn auch die Zeitverhältnisse wechseln, wenn auch die Umstände sich ändern. Der ausgeftreute Same keimt und treibt fort in Einzelnen, und wenn, wie der Dichter sagt, sich auch nur ein Keim von den vielen entfaltet — einer allein streut eine lebendige Welt ewiger Bildungen aus. Ja, der Geist eines Nerol, eines Eibeschütz, eines Jehmchua, eines Schaagat Arjeh, eines Worms, er ist noch in Metz — wenn auch hier, wie anderwärt?, das religiöse Leben in mancher Beziehung vielfach gelockert sein mag ~ erkennbar in dem Gemeindeleben, welches das Bild der Eintracht bietet, in den religiösen Institutionen, die vom jüd. Geiste Zeugniß geben, und ganz besonders in den Wohlthäti^keitsanstalten, die dort in erfreulichem Zustande sind. Wir haben zu unserer Freude wahrgenommen, wie die dortige Gemeinde — soviel mau ursprünglich wahrnehmen kann — in ihrer Ge'ammtheit dem traditionellen Judenthume treu geblieben, wie der Cultus in seinem eigentlichen Wesen unverändert erhalten wurde und nur solche Einführungen zugelaffen wurden, die wie der Chorgesang das eigentliche Wesen des Cultus nicht ändern. Ja, streng genommen, ist der französische Chorgesang mehr dem geregelten früheren Synagogengesang des pki mit seinen O'i-,oO,.als einem Chorgesang zu vergleichen, da die Zahl der zu diesem Zwecke eingeschulten jungen Leute nur etwa 12—14 betragen mag, eine sehr kleine Zahl für die große Synagoge, die kaum auf den Namen „Chor" Anspruch machen kann. Freilich gab es auch hier bei Gelegenheit der im Jahre 1850 erbauten Synagoge eine Partei, die mit Neuerungen auftrat und die Einführung der Orgel wollte, aber diese Versuche scheiterten an der Festigkeit des damals schon bejahrten sel. Rabbiners Lambert und der ihm gleichgesinnten zur Seite stehenden Männer. Man erzählte mir, daß man bei der Einweihung den alten Mann gebeten habe, doch zuzugeben, daß zur Erhöhung der Feierlichkeit ein Piano in die Synagoge gebracht würde. „Ich werde zugeden, daß die Gesänge mit Instrumentalmusik begleitet werden, nimmermehr aber ein Piano gestatten," rief er aus. Er fürchtete