Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 41-42 (10.10.1867)
- Date
- 1867-10-10
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2447291-2447332--05552-2461064- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
726 Europa kamen, Jiitft über den Pater Gozani hinaus, der im Jahre 1/04 einem Ordensbruder jene Notizen brieflich aus Coi-fnng-fu mittheilte. Seine Nachrichten sind sür die Wissenschaft nur von geringem Werthe, da er, wie er selbst gesteht, kein Hebräisch verstand, also weder die Berichte gehörig auflassen noch sich nach dem Wissenswerthkn erkundigen konnte, Ignaz Kogler, ein Bayer, der 1112 als Missionar von den Oberen des Jesuitenordens, dem er angehörte, nach China kam, ist hierüber am zuverlässigsten und besten unterrichtet, besonders da er Zabre lang Präsident des mathematischen Tribunals zu Peking war. Untersuchungen über die Ankunft der Juden in China stellten zuerst die sranzösischen Missionare M. Amiot und Pierre Cibot in der zweiten Halste des vorigen Jahrhunderts an. Diese Untersuchungen sind in Biicffoim in den ^-einoirert oncerrisnt Jes Chirois gedruckt. Wir werden bier versuchen, einige Auszüge darüber wiederzugeben. Amiot sogt, die Inden seien gegen doS Cnde der Dynastie der Tck'eou*) in China eingewandert; es war dieses eine Periode des inneren Verfalls, der allgemeinen Perwirrung für China. Die unseligen Streitigkeiten der Secten Hei vnd Dang, die «wachtenBestrebungen nach Unabhängigkeit seitens der tributpslichtigen und verbündeten Fürsten, eine allgemeine Corrnption der Sitten ließen die Kings **) in den Hintergrund treten und stürzte das Volk in blinde Verwirrung. So läßt es sich leicht erklären, warum die chinesischen Geschichtsschreiber über die Inden sckweigen, was sonst gan? gegen ihre sonstige Art und Weise wäre. Man tonnte jedoch auch annetmen die Geschickte der oder die Notizen über die Inden seien im Laufe der Zeiten verloren gegangen, wie dieses m auch mit der Geschickte vieler Kauer, von denen oft nur noch die Namen übrig geblieben, geschehen ist. Pierre Cibot stimmt mit dieser Ansicht über die Ankunft der Inden in China überein; er gab sogar ein Werk „E e>n mentsire sur Esihfr“ heraus, in welchem er nackzuweisen sucht, daß die Crzäblnngen im Buche Esther genau mit den Sitten der alten Chinesen wie sie in den Kings, oder in den Werken sonstiger Schriftsteller Chinas verzeichnet und zum großen Zheil heute neck an der Tagesordnung sind, übereinstimmen. Cr hat in drei Bänden seines Werkes trotz der Urwüchsigkeit seines Stvls, viel Gelehrsamkeit entwickelt und in der Thal frappante Vergleiche angestellt. So sagt er bier z. B., daß es gegen die Sitte der chinesischen Fürsten iei, öffentlich an einer Tafel zu speisen, er begreift daber sehr leicht, wie Esther die jüdischen Epeisogesotze beobachten konnte, da sie ihre Speisen *) Die koncnischen Bücher und Chronologien der Chinesen. I **) Ter Gründer dieser Dynastie bestieg den Thron im > Jahre 1122 ror der christl.Aera. Die Kaiser aus diesem Hause regierten bis 425 v. Chr. ohne Zweifel wie Ahasverus selbst und wie es alle chinesischen Fürsten zu thun pflegen, gewiß in ihren Zimmern eingenommen habe, höchstens von den Dienerinnen, die ihr servirten, dabei beobachtet. Es widerstrebt der chinesischen Politik, daß von den rein menschlichen Bedürfnissen der Herrscher, als essen, trinken, zu Bette gehen und aufstehen etwas in die Oesfentlichkeit dringe. Es enthalten die Kings und die übrigen alten Bücher der Chinesen feiner den Gebrauch des Scepters in der Hand des Königs und das Entgegenstrecken desselben als Zeichen der besondern Gnade beschrieben. Cr heißt bei den Chinesen stets Kouei. An anderer Stelle im 34. Buche des Hoei-tien wird die Ceremonie besckrieben wie dem ersten Doctor, der ein dreijähriges Examen bestanden, die koiserl. Anerkennung ansgedrückt wird. Man rieht ihm ein Kleid an, das er in der Frühe in Gegenwart Sr. Majestät erhalten hat, er besteigt an den Stufen des Thrones ein Pferd, wird von einem titulirten Mandarin für das Kriegswesen, welcher den Zaum des Pferdes hält, geführt, durchreitet ans diese Weise alle Höfe des Palastes, umgeben von einer großen Anzahl hoher Herren und Mandarinen. Sein Weg führt über den Ionglon, oder den Pfad, den nur der Kaiser betreten darf, posstrt olle diejenigen Thcre, die sich nur vor der Majestät öffnen. Am Ende des Palastes umringen ihn die Soldaten, Volkshaufm, und unter dem Schreien und Ausrufen des Volkes reitet er so nach Hause. — Wer siebt hier nicht die auffallende Aehnlichkeit mit der im heiligen Texte erwähnten Ehrenbezeugung gegen Mardeckai? Wir beschränken uns ans diese Beispiele, die wir neck vielfach vermebren könnten. Es läßt sich aus diesem wohl mit Reckt annehmen, daß die zwei ällesien Völker der Welt, die Juden und (d\td) Chinesen schon in früher Zeit sich einander kannten, da bekanntlich schon unsere Propheten von benv^'O sprechen. (Jes. 49,12.) Amiot spricht absichtlich nickt von den Juden in Han-tibeou, oder von noch anderen Provinzen, wo sich noch Zuden beffnden, da er nicht dort war; erbeschränkt sich ans die ven Kai-fong-fou. Die Cbronik der Stadt bietet ihm keinen Anhaltspunkt über die Geschichte der Zuden, da dieselbe znm großen Theile verloren gegangen, was nickt anfffllen kann, wenn man bedenkt, daß d?ese Stadt 16 mal überschwemmt, 6 mal fast ganz niederbranrte, 10 mal durch Erdbeben verschüttet und 11 mal belagert und eingenommen wurde. Im Jahre 1642 hatte das Unglück jedoch seinen höchsten Grad erreicht, so daß nack Angabe der Geschichtsschreiber nur 2 bis Z Menschen von 30,000 übrig blieben. Alles war zerstört und zertrümmert. Bei diesen Unglnckssällen ist eS leidjt denkbar, daß dw Annalen verloren gingen. Die einzige Quelle über die Zuden in Kai-fong-fou find außer ihrer Tradition die Che-pei