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Der Israelit · 1867-10-10 · Heft 41-42 (10.10.1867) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 41-42 (10.10.1867)
Date
1867-10-10
Page
– (sequence 26)
Language
German
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724 genauer Besichtigung doch nicht damit befriedigt halten. Tieferes Nachdenken über dieselben hatten jedoch das erfreuliche Resultat für mich, daß ich, wie ich glauben darf, zu deren richtigem Verständnis gekommen bin. Ich erlaube mir daher dieselben dem geehrten Publikum zur gütigen Beurtheilung mit der Bitte vorzulegen, falls ich in der gegebenen Erklärung geirrt habe, mich eines Bessern zu belehren. Was das erste zu erklärende Wort betrifft, so leien wir (zu Gen. 27, 22) im Midrasch Rabba (Genes. Cap. 65) und Echa Rabba ("3 «nrrns) folgendermaßen. oiQU34ai my3 p oyb33 cPij/3 noy -ch dPv3’ no«n P now moix bi iojzjj, man *?yi nvoaa ’ro vy mm nox ,n noiiP aimP VD»D3D mpmn nw nnxsro nxi DrPccr rwnna 'r>3 /i3i v.-ib ainr.-p onx px;^p3 „Es waren keine Philosophen in der Welt wie „Bileam und Abinimes, der Gardier, zu denen einst „das ganze Völkerthum mit der Frage sich wandte: „ob der israelitische Nation so beigekommen werden „kann, daß sie sich mit ihnen vermischen kann? Jener „aber sprach: Gehet hin und untersuchet in ihren Bet- „und Lehrhäusern, ob die Jugend dort betend und „lernend im Gesetze die Stimme erhebt. Findet ihr „sie so beschäftigt, dann werdet ihr nimmer ihr etwas „anthun können." — Es fragt sich nun, wer wohl dreier genannte, so groß sein sollende Philosoph dio'J’3n, der hier dem Bileam an die Seite geletzt wird, gewesen sein kam? Ein Philosoph dieses Namens kömmt, meines Vedünkens, in der ganzen Literatur des Alterthums nicht vor. Wenn ich jedoch meiner unmaßgeblichen Ansicht folgen darf, so halte ich ihn für keinen andern, als den Feldherrn En men es, der zuerst neun Jahre unter Philipp, dem König von Makedonien, und nach dessen Tode dreizehn Jahre unter seinem Sohne Alexander' als Geheimschreiber fungirt hat; mit beiden lebte er in intimster Freundschaft; später, nach deren Hinscheiden, offenbarte er auch als Feldherr sein großes, allgemein bewundertes Talent. Zur Bekräftigung meiner Behauptung führe ich zuförderst an, daß dieser Eumenes, wie der Midrasch ihn in beiden Stellen unter dem Beinamen man nennt, bei seinen beiden Biographien und zwar bei Cornelius Nepos mit dem Zusatze „Cardianus" und bei Plutarch „tor Koiqöiol 6ovli angeführt wird, um ihn durch die Angabe seines Geburtsortes Cardia in Thracien von den beidm bekannten Pergamenischen Königen Eumenes I und II, die ungefähr ein Jahrhundert später als jener lebte, zu unterscheiden. Wenn er jedoch im Midrasch als einer der größten Philosophen dargestellt wird, so brauchen wir dies einerseits keinesweges so strikte zu nehmen, zumal da er dem heidnischen Zauberer Bileam gleich geachtet wird, dessen Philosophie, so viel wir wissen, keinesweges den damaligen Kulminationspunkt erreicht hat. Vielmehr können wir aus vieln Stellen bei unfern Weisen beweisen, daß sie das Prädikat qjo?1?’*? in einem oiel weitern Sinn gebrauchten. als der Ausdruck „Philosoph" erbeutet. Um nur ein Beispiel anzusühren, so möge hier die Stelle Sabb. 116, a. Platz finden, in der es folgendermaßen heißt: „In der Nachbarschaft des Gamliel qioP’s x»nn mn lebte ein Wßilofopfj, übet den der falsche Ruf der Unparteilichkeit und Unbestechlichkeit verbreitet war." Dieser war eben nichts weniger als ein Philosoph im wahren Sinne des Wortes, sondern nur ein bei der Behörde angestellter Richter, der durch nichts Anders, als durch seinen richterlichen Ausspruch, seine geistige Ueberlegenheit geltend machen konnte. Raschi bezeichnet ihn daher kurzweg mit dem Titel eines po und Tolaphoth zu dieser Stelle, die wohl die Bedeutung dieses Wortes in seiner eigentlichsten Bedeutung kannten, wollen daher, da sie'das Gebühren dieses habsüchtigen Mannes als eines wahren Philosophen für unwürdig hielten, diesem Worte eine ganz andere Deutung vindiciren. Bon diesem Gesichtspunkte ausgehend hält auch mit Recht I. Leoy in seinem chaldäischen Lexicon (s. v. p. 92) diesen PSIVP'S für nicht anders als einen „christlichen Richter." Gehen wir indeß anderseits in den Charakter und in die Geistesgröße unseres Helden tiefer ein, so stellen ihn seine beiden Biographisten mit vorzüglich geistiger Begabung dar, und NepoS sagt von ihm im Allgemeinen: „Onjus si virtuti par data esset fortuna, non ille quidem major, sed multo illustrior atque honoratior, quod magnos homines virtute metimur, non fortunaWenn seiner Vortrefflichkeit ein gleiches Schicksal beschieden wäre, so wäre jener zwar nicht größer, wohl aber weit berühmter und ehrenwerther, weil wir große Männer nach ihrer geistigen Größe, nicht aber nach äußerem Schicksal messen." Denn wäre er nicht ein in der damaligen Zeit so hochgebildeter Mann, dem gewiß auch nicht echt philosophische Bildung abging, so hätte er nicht bei den beiden größten mazedonischen Königen in einer so hervorragenden Stelle, wie nach der Aussage dieses Geschichtschreibers, das Amt eines Geheimsecretairs war, so viele Jahre in dem größten, ihm geschenkten Vertrauen ununterbrochen sich behaupten können. Hatte Philipp als Erzieher für seinen Sohn Alexander den Aristoteles, den größten damals lebenden Philosophen gesetzt, so hat er gewiß auch für sich selbst als Rathgeber, Freund und Gehermschreiber, den er später bei seinem Sterben auch seinem Sohn als solchen dringend anempsahl, nur einen Mann von gleicher Fähigkeit und Strebsamkeit an seinem Hofe herangezogen. Es kann daher aber auch nicht befremden, auf welche Weise dieser Eumenes mit Juden und jüdischen Gelehrten in Berührung kam, vermöge deren er die ihm von dem Midrasch in den Mund gelegte Aeußerung gemacht hat. Denn da er der beständige Begleiter Alexanders

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