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Der Israelit · 1867-10-10 · Heft 41-42 (10.10.1867) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 41-42 (10.10.1867)
Date
1867-10-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
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712 Venedig. Herr D. Elia LatteS, Sohn des Oberrabbiners Lattes in Venedig, Professor der griechischen und römischen Alterthumskunde an der Akademie zu Mailand, erhielt eineil Preis von 864 Lire für cine Arbeit über den Bodenkredit; dem Professor Cesare Lombrvso in Pavia, gleichfalls Jsraelite, wurde ein Preis von 500 Lire für seine Arbeit über die Meteorologie zuerkannt. (L^uestore Israel.) Frankreich. Paris. Wir haben bereits unfern geehrten Lesern von der jungen Pianistin Fräulein Sophie Flora Heilbron, die erst 9 Jahre alt ist, berichtet. Jüngst hat sie im Ausstellungsgebäude vor einem gewählten Publikum ein Concert gegeben, welches einen großen Erfolg hatte. Das glänzende Auditorium hat, als es dieses Wunderkind die schwierigsten Piecen mit einer merkwürdigen Präcision aussühren sah, seine Bewunderung durch lebhaften Applaus zu erkennen gegeben. Die größten Mußker versprechen Fräulein H. eine glänzende künstlerische Zukunft. (Univ. Jsr.) Siereritz. (Haut-Rhin.) Der hiesige Lehrer Jacob Weil hat bei dem dahier stattgehabten landwirthschaftlichen Feste eine Medaille für seine Arbeiten in der Landwirtschaft erhalten. (Arch. Jsr.) Palästina. Jerusalem. Die türkische Regierung schenkt den JsraelitkN dahier seit kurzer Zeit größere Aufmerksamkeit. Cämmtliche hiesige Eerichtshöse haben einen Juden als Beisihcnden zugezogen und kein Urtheil wird von denselben gegen einen Juden gefällt, das nicht die Zustimmung des Beisitzenden erlangt hat. Der neue Gouverneur Natis Paschah besuchte bald nach seiner Ankunft den Oberrabbiner, unterhielt sich mit ihm in türkischer Sprache und erkundigte sich auss Angelegentlichste nach der Lage und den Verhältnissen der Israeliten. Vor zwanzig Jahren durste der Oberrabbiner kaum mit dem Paschah reden und ihn nicht einmal in seiner Wohnung aufsuchen. (Hamagid.) Afrika. Algier. Den „Arch. JSr." entnehmen wir im AuSzuge folgende Verordnung des Kaisers Napoleon in Betreff der Reorganisation des israelitischen CultuS in Algerien: Für jede der drei Provinzen in Algerien wird ein Israel. Consistorium errichtet; der Sitz derselben ist in Algier, Oran und Constantine. Jedes dieser Consistorien besteht aus sechs weltlichen Mitgliedern und einem Oberrabbiner. Die Consistorien werden von einem der weltlichen Mitglieder präsidirt. Die Mitglieder können nur bei einer Uebereinstimmung von vier Stimmen Beschlüsse fassen. Im Falle der Gleichheit gibt die Stimme des Präsidenten den Ausschlag. Die Oberrabbiner und die weltlichen Mitglieder werden nach der Proposition des Cultusministerö und nach dem Vorschläge des Central-Censistoriums vom Kaiser Napoleon ernannt. Die Oberrabbiner von Algerien werden aus den französischen oder aus den eingebornen Rabbinen, die wenigstens 30 Jahre alt und mit einem Diplome des zweiten rabbinischen Grades versehen sein müssen, gewählt. Die weltlichen Mitglieder des Consiftoriums werden auf acht Jahre ernannt. Das Central- Consistorium ist der Vermittler zwischen der Regierung und den algerischen Consistorien. Jedes dieser Consistorien wird im Central-Consistorium durch ein weltliches Mitglied , welches aus den in Paris residirenden Wahlmännern erwählt wird, repräsentirt. Feuilleton. Die <-5eöensre11ung. Die zwei ersten Vorsteher meiner Gemeinde und ick, wir waren auf Vormittags Uhr zum Premier- Minister beschieden, um demselben eine wichtige Angelegenheit vorzutragen. Da die Residenz vermittels des Schnellzuges in einer Stunde zu erreichen ist, so hatten wir beschlossen, um 8 Uhr 45tMinuten gemeinsam die Reise anzutreten. Um 7,Uhr war der Morgengottesdieust beendet; ich hatte gesrühstückt, Toilette gemacht und war eben im Begriff langsam dem Bahnhofe zuznwandern, als ich im Vorzimmer streitende Stimmen vernahm. „Ich muß den Herrn Rabbiner sprechen!" ries es ängstlich draußen. „„Sie dürfen meinen Mann nicht oushalten!"" hörte ich die Stimme meiner Frau entgegnen. „„Cr ist im Begriffe zu verreisen; kommen Sie morgen wieder!"" „Haha, kommen Sie morgen wieder! Sagt man: kommen Sie morgen wieder, wenn ein Menschenleben zu retten ist? ja, ja ein Menschenleben steht auf dem Spiele." Kaum hatte ich letzten Worte vernommen, als ich auch schon die Thüre öffnete, um den Fremden hereinzulassen. Als derselbe mich erblickt, ruft er mit wahrhafter Seelenangst: „Herr Doctor, feien Sie mazzil Nefesch, retten Sie ein bedrohtes Menschenleben!" „„Gewiß,"" entgegnete ich, „„wenn es in meiner Macht steht — an mir soll es nicht fehlen."" „So ist es Recht, so spricht ein rechtschaffener Jude, so spricht ein ordentlicher Rabbiner." Unterdeß war der Mann ins Zimmer getreten —

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