Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 41-42 (10.10.1867)
- Date
- 1867-10-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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711 gabt. Der Kassabestand war am 31. Dezember 1866: 36,498 Tblr. Seit dem Jahre 1864 ist die Zahl der beitragenden Mitglieder von 3700 auf 4346 gewachsen. In Folge dieser Zunahme stieg die Summe der Beiträge zur Gemeinde-Hauptkasse von 65,227 auf 70,637 Thlr. In den letzten zehn Jahren hat die Knabenschule bedeutend zugenommen; sie zählt jetzt 664 Schüler (srührer 357) und mußten deshalb 5 Parallelklassen errichten werden. 17 Lehrer wirken an der Schule. Außerdem unterrichten noch an derselben unter Aufsicht der Lehrer die Primaner der mit dieser Schule in Verbindung stehenden Lehrer - Bildungsanstatt. Die Gemeinde-Knabenschule hat einen Zuschuß von 6263 Thlr. erhalten. Die im Jahre 1835 errichtete Mädchenschule, die mit 80 Schülerinnen als zweistufige Elementar-Unterrichtsanstalt eröffnet wurde, ist wegen ihrer bedeutenden Leistungen als „Mittel - Töchterschule" anerkannt worden. Sie zählt 420 Schülerinnen. In den acht Klassen unterrichten außer dem Dirigenten fünf Lehrer und vier Lehrerinnen die wissenschaftlichen Lehrgegenstände und fünf Lehrerinnen in weiblichen Handarbeiten. Von der Gemeinde wurde ihr einen Beitrag von 4265 Thlr gewährt. Die im Jahre 1854 mit 71 Zöglingen eröffnete Religionsschule erfreut sich ebenfalls eines bedeutenden Aufschwungs. Dieselbe wird jetzt von 305 Kindern besucht. Der Leiter dieser Schule ist^Herr Dr. Kirschstein, der an die Stelle des an das Seminar zu Breslau berufenen Or. Nosin getreten ist. Die Schule besteht aus 6 Knaben- und 4 Mädchenklassen und wirken an derselben 7 Lehrer. Die Kranken- und Verpstegungsanstatt hat 17/146 Thlr. verausgabt. Von der Gemeinde erhielt sie 5600 Thlr. Die Zahl der aufgenommenen Kranken betrug 415, die der Verp'.egungstage 15,289. Dem Krankenhause wurde >3,559 Thlr. und 2000 Dollar geschenkt, wovon 7000 Thlr. und 2000 Dollar zur Anschaffung von Krankenbetten für fremde Kranke bestimmt wurden. Der Alter - Versorgunzsanstalt wurden 15,000 Thlr. vermacht. Sie erhielt von der Gemeinde 2000 Thaler. Die Beer'oigungsgesellschaft hat einen Ueberschuß von 654 Thlr. Die neue Synagoge erhielt einen Zuschuß von 3389 Thlr. und die alte Synagoge 2436 Thlr. □ Berlin, im September. (Statistisches.) Welch großen Aufschwung das Schulwesen hier genommen, dürfte Nachfolgendes bekunden. Am Schluffe des vergangenen Schuljahres nämlich bestanden die Anstalten Berlins in 10 Gymnasien, 5 Realschulen, 41 Gemeindeschulen, 9 „Erziehungsanstalten," 9 höheren Knabenschulen, 24 Mittel- und Elementar -Knabenschulen und 33 höheren Töchterschulen. In diesen wurden unterrichtet 2185 jüdische Knaben und 1346 jüdische Mädchen. Am Beginne des neuen Schuljahres jedoch werden wir auf die israel. Schulanstalten ein besonderes Augenmerk richten. □ Auder Vorderpfalz, im September. (Statistisches). Nach dem Ergebniß der vorigen Volkszählung beträgt die Zahl der Israeliten in der Vorderpsalz circa 14,224 Seelen. Auffallend ist hiebei, daß trotz der Vermehrung der Gesammtbevölkerung um 17,088 Individuen — binnen drei Jahren — die Zahl der Israeliten sich um 378 vermindert hat. Welche Umstände hiezu mitwirkten, wird vielfach ventilirt, ohne daß man jedoch bis jetzt ein bestimmtes Resultat erlangt hat. Nach unserer Ansicht dürfte die enorme Zahl der Auswanderer ein Hauptgrund sein. Oesterreichifcher Karserstaat. Lowafchberg. Graf Zirakil von Lowaschberg hat der jüdischen Gemeinde daselbst bei dem Wiederaufbau ihrer Synagoge große Unterstützung in Geld und Bauholz zu Theil werden lassen. Als ihm der Vorstand seinen Dank hierüber aussprach, erwiederte derselbe, daß er zu jeder Zeit bereit sei, Baumaterial für die Svnagoge und Schule zu geben, sobald solches nöthig ist. Zuletzt fügte er noch hinzu: Ich wünsche mit ganzem Herzen, daß unsere jüdischen Landeskinder bald ihren christlichen Mitbürgern g'eichgeftellt werden und soll es mein eifriges Bestreben se n, dahin zu wirken, daß diese Gleichstellung auch bald in der That ausgeführt werde. (L. Zeit.) BalHtHrad. Dieser Tage starb in einem benachbarten Dorfe Herr Wolf Lob in einem Alter von 118 Jahren. Er war sehr stark. Als eines Tages ein Wolf bei seiner Heerde, die er hütete, einbrach, kämpfte er mit ihm und erlegte ihn auch. Kurz vor seinem Tode erzähle er, daß er niemals Kopf- oder Zahnweh hatte und daß niemals seine große Kraft gewichen wäre. Er hinterläßt eine sehr zahlreiche Familie, viele Enkel und Urenkel; sein ältester Sohn ist 70 Jahre alt. Bei seinem Leichenbegängniß behelligten sich fast sämmtliche Einwohner des Dorfes. (Ibri Anochi.) Italien. Florenz. Der „Ed. Jsr." gibt die Mittheilung, daß unser Glaubensgenosse, Herr Tallo Massarain, seine Demission als Deputirrer im ital. Parlament gegeben hat, weil er durch seine vielen Geschäfte verhindert sei, den Debatten der Kammer mit der nöthigen Aufinerksamkeit zu folgen. Jedoch seine Colleges aller Parteien weiaerteu sich, seine Demission anzunehmen und drückten den Wunsch aus, daß er seinen gefaßten Entschluß ändern wolle.