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Der Israelit · 1867-10-10 · Heft 41-42 (10.10.1867) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 41-42 (10.10.1867)
Date
1867-10-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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709 und wahrhafter Neligiösität gemeinsam die Welt durchleuchten müsse; für beides sei die Unterrichtsanstalt der israelitischen Religionsgesellschaft eine gediegene Pflanzstätte. — Die ganze Feier machte auf das ungemein zahlreich versammelte Publikum einen höchst befriedigenden Eindruck. (Mainzer Anzeiger.) f Fürth, im Oktober. Wenn wir auch unsere Berichte über den Unterricht in der hiesigen isr. Bürgerschule schon geliefert haben, so wird der freundliche Leser entschuldigen, wenn wir ihn bei dem großen Interesse und der hohen Wichtigkeit des Gegenstandes überhaupt, nochmals auf dieses Gebiet führen. Denn wer da weiß, was Israel Roth thut, wird mit uns übereinstimmen, wenn wir sagen: der Schwerpunkt unsres Heils, unsrer geistigen Erhebung und unsrer würdigen Stellung als Juden liegt in der Heranbildung, in der Festigung und Verbreitung des religiösen Wissens unsrer Jugend; den Kindern muß die Schatzkammer Mischen Wissens durch die Hand wissensreicher, geübter und pflichtgetreuer Lehrer erschlossen werden, dann werden sie ein gesinnungstüchtiges, glaubensstarkes, für das Judenthum und dessen geistige Schätze glühendes Geschlecht werden. Es ist wiederum eine freudige Gelegenheit, die uns veranlaßt, der Israel. Bürgerschule rühmlichst zu erwähnen. Es fand nämlich Dienstag, 24. September, die alljährliche öffentliche Prüffmg derselben statt, und obwohl unsere Berufsgefchäfte es kaum gestatteten, gönnten wir uns dennoch die Zeit, derselben beizuwohnen. Uns an dieser Stelle über die allseitig anerkannten und bewahrten Leistungen des an der Anstalt wirkenden Lehrkörpers im Allgemeinen auszusprechen, sowie der Leistungen und Fähigkeiten der wackern Schüler Erwähnung zu thun, ist der Zweck unsres heutigen Referats. Details wollen wir nicht anführen, da der Raum dieser Blätter zu beschränkt ist und wir in früheren Berichten davon erwähnten. Wenn man bedenkt, daß diese Anstalt, durch Mildthätigkeit und Opfersreudigkeit hiesiger Wohlthäter erhalten, erst sechs Jahre besteht, — bei Beginn kaum 40, gegenwärtig über 100 Schüler zählend, — so muß es um so mehr das freudigste Gefühl erregen, wenn der als Prüfungskommissär fungirende königl. Stadtpfarrer Lehmus bezüglich der Fortschritte der Schüler ein erfreuliches Wachsthum wahrnimmt, die Leistungen im Ganzen als „sehr gut" und „vorzüglich" bezeichnet und sich sonst in lobenden, liebevollen und ehrenden Worten erging. Ebenso aufmerksam als ehrend und von der Anerkennung unsrer Behörden für die Schule zeugend, war auch die Anwesenheit des ersten Bürgermeisters unsrer Stadt. Gewiß ein sehr erfreuliches Resultat, von dem sich ein immer gedeihlicheres Fortschreiten aus der betretenen Bahn hoffen läßt, da unserer Jugend Herz ein fruchtbares Ackerfeld ist, wenn es mit Umsicht und Sorgfalt im Geiste der Religion bebaut und in das blühende Gefilde unsrer Geschichte eingeführt wird. Am gewünschten Erfolge ist nicht zu zweifeln, wenn dann unsre Religion als ein vom Geiste der Menschen- und Nächstenliebe beseeltes Ganze erscheint, als Leitstern für die menschliche Laufbahn. Schließlich füge ich noch die Notiz bei, daß S. M. der König von Bayern den Dr, phil. Wilhelm KönigSwarter in München mit dem Michaelsorden erster Klasse decorirte, was um so mehr zu erwähnen ich mir erlaube, als Ihr Münchener Correspondent dies unterließ, und Benannter, sowie dessen sämmtliche Familie, von hier abstammt. S. H. Aus Unterfranken. In Nr. 37 dieser geschätzten Blätter lesen wir eine Mitlheilung über den damaligen Stand der isr. Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg, und weiß der Herr Einsender derselben keine geeignetere Jntroduction, als die schon länger in ihrem Berufe wirkenden und aus Mangel einer solchen, wie die Eingangs erwähnte, in anderen Anstalten gebildeten jüdischen Lehrer, namentlich aber die auf dem Lande, für den Verfall unserer hl. Religion verantwortlich zu machen. Kennt denn der Herr Correspondent all diejenigen Lehrer und deren Leben und Wirken, die unter einer religiösen Erziehung laxer Anschauung ausgewachsen sind? Vermag dieser, mit gutem Gewissen zu behaupten, daß alle diese, oder, wie er sich auszudrücken beliebt, in sehr vielen Fällen, an dem Verfall der Religiosität die Schuld tragen? Nein, der Herr Correspondent vermag Das, Tank dem Himmel, nicht. Viele Namen jüdischer Lehrer könnten wir nennen, die, obgleich unter einer laxen, lockern Anschauungsweise herangebildet, doch durch Gottesfurcht und eifriges Streben zur Heranbildung der Jugend auf traditionellem Boden, Verdienstliches geleistet und leisten, überhaupt das religiöse Interesse wahren, wo und wie sie können. Daß aber der Herr Correspondent, namentlich dem Lehrer auf dem Lande solch schwerer Verantwortung beschuldiget, begreifen wir nicht. Möge der geehrte Leser das Colorit unserer Brüder in den Städten, wie z. B. in Würzburg, unserer zunächst gelegenen Stadt, näher sich beschauen, welchem Zerrbilde von Religiosität begegnen wir leider da sehr oft! Wollte man darum die dortigen Lehrer, oder gar den so segensreich und zur Erhaltung der unverfälschten Religion unserer Väter unermüdlich wirkenden Rabbinen, verantwortlich machen? An diesem beklagenswerthen Verfall trägt der Lehrer keine Schuld. Aber der Lehrer auf dem Lande, — der soll büßen für die Sünden seiner Gememdeangehörigen. Aber warum doch so? Etwa um den Lehrer auf dem Lande die letzten Reste moralischer Kraft zu rauben, das so kärglich zugeschnittene und mühevoll errungene Stückchen Brod für die Familie zu schmälern?

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