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Der Israelit · 1867-10-10 · Heft 41-42 (10.10.1867) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 41-42 (10.10.1867)
Date
1867-10-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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708 Gefühl des Mitleids und schmerzlicher Theilnahme, für die in den Staub so tief herabgezogene Seele ein, als sie in uns ein Gefühl der Verachtung für diese ihrer Menschenwürde sich unbewußten Völker zu erregen vermag. Denn welch' trauriges Bild, welch' düsteres unheimliches Gemälde entrollt sich dem Auge des Beschauers in dem Thiercultus l Die edle erhabene , gottähnliche Gestalt des Menschen auf den Knieen vor dem ihm soweit nachstehenden Thier; das We>en voll höherer Anlagen und Geistesgaben, welche es befähigen, sich die großen Gewalten und die Riesenkräfte der Natur dienstbar zu machen, in knechtischer Verehrung hingeworfen vor Säugethieren und Amphibien; das Geschöpf, welches durch den ihm innewohnenden schöpferischen Genius, bei gehöriger Entwickelung und Ausbildung, erstaunliche Meisterriesenwerke aller Art hervorzubringen vermag, in Dankgebeten ergossen vor einem schwachen Vogel! Scheint sich doch hier der Mensch von seinem eigenen Selbst so weit entfernt zu haben, bis von ihm nur, ein sich mechanisch bewegendes Skelett ohne Geist, Denkvermögen, Selbstbewußtsein und höhere Empfindung geblieben war; so daß uns eine solche Entwürdigung fast unglPlbtich schiene, würde uns nicht leider der Griffel der Geschichte die Wahrheit derselben bestätigen. So stand im Fetischismus manches Thier höher als der Mensch, und nicht war das Thier des Menschen, sondern der Mensch des Thieres Knecht und Sclave. — — II. Und wenn wir diese traurige Stätte des Thierdienstes, wo sich der Mensch auf der niedrigsten Stufe des Menschenthums befand, verlassen, und uns zu Völkern wenden, wo der Standpunkt des Fetischismus bereits überwunden war, und eine höhere Anschauungsweise über Gott und Mensch herrschte; in Zeitalter übergehen, wo sich die Idee des Monotheismus Bahn gebrochen, und man die tiefe Kluft, welche den Menschen vom Thier trennt, übersah, und das göttliche Wort: „Herrschet über die Fische des Meeres, und über die Vögel des Himmels und über alle Thiere, die sich auf der Erde regen" zur Wahrheit geworden; so finden wir zwar einerseits das Thier von seiner Götterhöhe gestürzt; ihm lodern keine heiligen Feuer mehr auf den Altären; ihm reichen nicht mehr knieende Priester geweihete Nahrung in stolz emporragenden Tempeln; wer sich daran vergreift muß nicht mehr seinen Frevel mit dem Leben büßen; aber es ist anderseits ganz und gar der garstigen Willkür, der barbarischen Grausamkeit des Menschen preisgegeben; kein Mund öffnet sich, keine Hand breitet sich aus, um das gepeinigte Thier durch Wort oder That vor seinen entmenschten Quälern und Marterern zu schützen. Ja in öffentlichen Thierhetzen, welche nicht nur zur Belustigung eines rohen schaulustigen Pöbels dienten, sondern an welchen sich auch Männer von Geist, Bildung und hoher Stellung betheiligten und ergötzten, wurde — und wird zum Theil noch — jedem Fühlen für das Thier die Berechtigung abgesprochen, und der Empfindung der Barmherzigkeit für dasselbe, keine Stätte in der menschlichen Brust eingeräumt. Aber ein solches Vergehen selbst den Thieren gegenüber; eine solche Kälte und Gleichgiltigkeit gegen den Schmerz, das Weh und Leid selbst eines Thieres, ist nur geeignet dem Zeitalter, welches darin keinen Verstoß gegen die Humanität sieht, dem Volke, in besten Mitte sich solche Scenen zur Erholung, zur Anregung der Freude und Heiterkeit abspielen, den Stempel der Uncultur und Inhumanität aufzudrücken, und auf die staatliche Gesellschaft, welche nicht gesetzlich einschreitet, den Schatten der Wildheit und Rohheit zu werfen, welcher durch den Glanz äußerer Cultur nicht verwischt werden kann: denn das durch und durch menschlich fühlende Herz, der bis in die innersten Tiefen von humanen Ideen durchdrungene Geist, wird auch dem Thier eine Regung des Mitleids nicht versagen. Und ebensowenig wie das Sklaven- und Leibeigenverhältniß in Staaten, in welchen die große Idee der Humanität zu Fleisch und Blut geworden, sich aufrecht erhalten kann, kann die unmenschliche willkürliche Behandlung der Thiere freien Spielraum behaupten. Deshalb hat die Th or a, der Inbegriff der höchsten Humanität, auch die Beziehungen des Menschen zum Thier gesetzlich geregelt, und Anordnungen getroffen, welche dem Grundgedanken nach erst in neuester Zeit durch gebildete Vereine gegen die Thierquälerei Anerkennung gefunden haben. — — (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, 27. Sept. Die Unterrichtsanstalt der israelitischen Religionsgcsellschaft beging gestern ihren feierlichen Schlußakt, nachdem an den vorhergehenden Tagen die öffentlichen Prüfungen das oft bewährte glänzende Resultat erzielt hatten. Da die Schule eine solche Ausdehnung gewonnen, baß der große Saal der Anstatt diesmal nicht ausreichte, so fand die Schlußfeier im „Hof zum Gutenberg" statt. In der Festrede wies der Leiter der Anstatt, Herr Rabbiner vr. Lehmann, darauf hin, daß der große Mainzer Bürger Gutenberg, in dessen Stammhause die Feier stattfand, nicht wenig durch seine denkwürdige Erfindung zum Schwinden finsterer Vorurtheile beigetragen, daß aber das Licht der Aufklärung mit dem Lichte echter

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