Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 41-42 (10.10.1867)
- Date
- 1867-10-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Erste Beilage z« Nr. 41 & 42 desISraelit. Leitender Artikel. j Die humanen Beziehungen -es Menscheu jum Thier »ach den Gesetzen der Thora. Von L. Donath in Bingen. Mit Recht gilt die Humanität als ein sicherer Maßstab, nach welchem der Höhepunkt der Cultur, die Große des Fortschrittes eines Volkes, eines Zeitalters beurtheilt und bestimmt werden kann. Aber die echte wahre Humanität, im weitesten Umfange, erstreckt sich nicht blos auf den Kreis der menschlichen Gesellschaft, sondern nimmt auch das Perhältniß und die Beziehungen des Menschen zur Lhierwelt in ihren Bereich auf. Die Stellung, welche dem Thiere eingeräumt, die Lage, in welcher es sich befindet, die Behandlung, weiche ihm zu Thcil wird, der Grad, in welchem dos menschliche Herz auch für das Thier fühlt, können uns über die socialen Verhältnisse, über die Ideen, welche die Gesellschaft bewegen und beherrschen, einen nicht unbedeutendkn Ausschluß geben: denn folgen wir dem Lauf der MenschtUgeschichte, beachten wir den Gang der menschlichen Entwickelung, so werden wir es bestätigt finden, daß die geltenden Ansichten über das Veihälunß des Menschen zu Gott und zu seinem Nächsten, die Anschauungen über die menschliche Aufgabe und Bestimmung, von Rückwirkung auf den Standpunkt waren, welchen der Mensch dem Thier gegenüber einnahm. Die Thierwelt hat — wenn man so sagen kann — ebenfalls ihre geschichtlichen Perioden, wie sie in der Geschichte der Menschheit aut einander gefolgt sind: denn der Thierdienst, der Aberglaube" die Rohheit und Unwissenheit einerseits; anderseits die Erweiterung des Gesichtskreisesdas menschliche Seltstbewußtsein, die Erkennlniß der Menschenwürde, die milden Sillen, der Eeeleradtl, die Verfeinerung von Gefühl und Empfindung, wüsten stets einen Wiederhall im Reiche der Thiere gesunden ha-' ben; und nach den jeweiligen Anschauungen der Gesellschaft über Gott, Mensch und Natur, war das Loos der dem Menschen am rächsien stehenden Geschöpfe, bald ein gMcrähnliches, bald ein hartes oder mildes. Wie es aber die Thora ist, welche zuerst dem Menschen das Bewußtsein seiner hohen Würde gab, und ihn seine Stellung als König der göttlichen Schöpfung kennen lehrte; wie sie das Band gegenseitiger Liebe zwischen Mensch und Mensch knüpft, und die leidende Menschheit dem Wohllhätigkeitssinn und Mitgefühl der Wohlhabenden und Glücklichen dringend ans Herz legt; wie sie zuerst den großen Grundsatz der Gleichheit Aller vor Gott und dem Gesetze aussprach; Arme und Reiche, Vornehme und Niedriggeborene auf eine Stufe stellt, und nur den Unterschied des Geistesadels und der Geistesoerworsenheit, des Reichthums und der Arniuth an Tugend und guten Handlungen anerkennt; ja auch den wegen unrechtmäßiger Zueignung fremden Eigentums zum Knecht verkauften Hebräer im Besitze alter Rechte eines Freien läßt, und selbst den heidnischen Knecht gegen die Rohheit l und Grausamkeit seines Herrn m Schutz nimmt; so | ist es auch die Thora, welche dem Threr eine Stel- I lung einräumt, in welcher es sich zwar tief unter dem > Menschen befindet, und die thierische Kraft, selbst des i riesenhaftesten Ungeheuers der höher» menschlich-gei- I fügen Macht untrrthan ist; aber immerhin sich im! Bereiche menschlicher Barmherzigkeit und Tbeilnahme j für dasselbe bewegt; denn die Thora öffnet das > menschliche Herz auch dem Thier, schlägt auch für > dieses die zarten Saiten des Gefühls und der Empfirr-; düng an. Vergleichen wir daher das Verhättniß und j die Beziehungen des Menschen zur Thierwelt bei den Völkern nichtmosaischer Religion, mit den in der Thora geregelten und geordneten; so werden wir mit dem Psalmisten begeistert ausrufeu muffen.- „Deine Gerechtigkeit wie mächtige Berge, Deine Rechte unendliche Tiefe, Menschen und Thieren hilfst Du o Herr!" -- Wie man die Geschichte der Menschheit in drei Zeitalter: Altcrthum, Mittelalter und Neuzeit einzu- 1 theilen pflegt; so lasten sich auch in der Thierwelt,! hinsichtlich ihres Verhältnisses zur Menschenwelt, drei i Perioden unterscheiden. In der grauen Vorzeit des j Alterthums begegnen wir der traurigen Erscheinung,! daß viele Völker — wie Aegypter, Babylonier, Inder — dem Tbierdienste ergeben waren. Thiere, welche dem Menschen zur Frifiurg seines Lebens und Befriedigung seiner Bedürsniffe unentbehrlich schienen, oder durch Abwehr schädlicher gefährlicher Thiere sich nützlich zeigten, wurden abgöttisch verehrt; ihnen zur! Ehre prangten Tempel, wurden Altäre errichtet und j Opfer dargebracht. Und wie die nützlichen aus Dank-! barkeit, so wurden furchtbare Ungeheuer, welche das! Leben der Menschen bedrohten, mit Scheu und knech-! tischer Furcht angebetet, um ihren Grimm und Zorn! zu besänftigen und zu mildern. Diese sclaoische Uni terwerfung des Menschen vor der thierischen Kraft, erfüllt uns mehr mit Wehmuth, flößt uns mehr ein